(Anzeige) Wir befanden uns inmitten der hügeligen Landschaft von Illinois auf der berühmten Great River Road. Unser Ziel: die kleine historische Stadt Galena. Sie war nur eine der vielen Stationen, die wir auf Anregung des örtlichen Tourismusbüros in Angriff genommen hatten. Sie hatten uns freundlicherweise eingeladen, die Great River Road mit dem Mietwagen zu erkunden.
Für uns ging es daher immer am Ufer des Mississippi entlang durch die ländliche Ecke von Illinois, ins Kerngebiet des amerikanischen Mittleren Westens. Verschlafen und friedvoll, voller Historie und Tradition – so erlebten wir auch den kleinen, unglaublich romantischen Ort namens Galena, den ich euch hier heute vorstellen möchte.
Die hügelige Landschaft von Illinois entlang der Great River Road – Sojabohnen und Mais, Farmen mit roten Scheunen und Dörfer mit schattigen Holzhäusern wechselten einander ab.
Sanfte Hügel und jede Menge Mais: Die szenische Route durch Illinois auf der Great River Road
Die Great River Road ist eine der schönsten Rundfahrten, die man in den Vereinigten Staaten erleben kann. Sie folgt dem breiten Band des Mississippi und verknüpft die vielen kleinen Ortschaften wie Perlen auf einer Schnur.
Hier oben in Illinois war die Landschaft vor allem von den endlosen Mais- und Sojabohnenfeldern bestimmt. Dazwischen: große rote Scheunen, silbrig glänzende Silos. Typischer Mittlerer Westen eben.
Nur selten wurden wir auf unserer Fahrt unterbrochen, aber wenn, dann war es ein richtiges Innehalten. Wir standen vor den Schranken eines Bahnübergangs und beobachten zum Beispiel, wie ein Frachtzug unseren Weg kreuzte.
Zwei Minuten lang ratterten die Waggons und Container vor unseren Augen daher, dann waren es schon vier, dann fünf Minuten. Wir stellten den Motor einfach ab, hörten dem Vogelzwitschern in den Hecken zu, als der endlose Zug gemächlich seinen Weg fortsetzte. Ja, hier musste man sich tatsächlich zurücknehmen und einfach mal abschalten.
Dieser Teil von Illinois war ein Land der zersiedelten Dörfer und Ortschaften, wo es keinen Mangel an Platz gab und alles irgendwie größer schien. Die Wohnhäuser in den Kleinstädten waren aus Holz gebaut, mit breiten Verandas und Schaukelstühlen.
Amerikanische Flaggen flattern in den Vorgärten im Wind, die Straßen leer von Autos und Menschen, alles ächzte unter der heißen Sonne. Nur ein paar grau melierte Männer saßen auf ihren riesigen Rasenmähern, aufmerksam beobachtet von Raubvögeln, die über ihren Köpfen ihre Kreise zogen.
Dies war das Belvedere Mansion in Galena an der Great River Road, schon bei Ankunft weithin sichtbar.
Die historische Bergbaustadt Galena: Ein Höhepunkt an der Great River Road
Wir kamen schließlich in Galena an, einer historischen Bergbaustadt direkt am Ufer des gleichnamigen Galena River.
Staatliche Herrenhäuser im italienischen Stil wie das Belvedere Mansion standen in bester Lage am Ufer und erinnerten mit ihrer klassischen Architektur an den Amerikanischen Bürgerkrieg. Weiße Säulen, auf dem Dach ein kleiner Ausblicksturm, oppulent blühende Büsche im Vorgarten.
Auch der amerikanische Ex-Präsident Ulysses S. Grant lebte einst in Galena, nachdem er zuvor im Bürgerkrieg eine erfolgreiche Kampagne geleitet hatte. Das Haus des Generals kann heute besichtigt werden und zählte zu den beliebtesten Touristenzielen der Stadt.
Wir überquerten eine Brücke und fuhren durch riesige eiserne Fluttore. Auf einmal befanden wir uns scheinbar in einem anderen Zeitalter. Rote Backsteinhäuser mit verblassten Werbeanzeigen auf den Mauern, eine klassische Main Street mit Geschäften und Restaurants.
Galena ist ein beliebtes Ziel für Wochenendtrips von Chicago, die Gäste lassen hier gern ihr Geld in den kleinen Geschäften der Stadt. Wir parkten das Auto und gingen zu Fuß weiter. Ein Bus-Trolley ratterte durch die Straße, beliebtes Fortbewegungsmittel für Touristen, aber wir entschieden uns, die Atmosphäre lieber zu Fuß zu genießen.
Der Schaufensterbummel in Galena machte richtig viel Spaß. Schmuck und Haushaltswaren, Mode und Leckereien, hier sahen wir nur Geschäfte, die auf Qualität und eine stilvolle Präsentation wert legten.
Dabei gab es jede Menge Originalität und Historie in Galena, die darauf hinwiesen, wie reich und mächtig dieser kleiner Ort damals mal gewesen war, als der Bergbau noch profitabel gewesen war.
Die gut erhaltene Main Street von Galena ist mit ihrem nostalgischem Charme nicht ohne Grund ein echter Besuchermagnet.
Mittagessen in einer ehemaligen Ledermanufaktur: Fried Green Tomatoes
Wir suchten uns ein nettes Restaurant in der Main Street, Fried Green Tomatoes. Zugegebenermaßen war es dabei besonders der Name, der mich anzog, denn ich hatte noch nie gebratene grüne Tomaten gegessen und wollte dies unbedingt einmal probieren.
Wir bestellten also ein paar gebratene grüne Tomaten als Vorspeise und hatten dann viel Zeit, uns die ganzen Einzelheiten des Speiseraums genauer anzusehen. Nackte Backsteinwände, altmodische Lampenschirme, eine Zimmerdecke aus bemalten Zinnplatten.
Die Räumlichkeiten des Restaurants fühlten sich so alt an, dass ich beim Bezahlen nicht anders konnte als nach der Geschichte des Hauses zu fragen. So erfuhren wir, dass das Gebäude einst im Besitz von General Grants Vater war, der hier eine Ledermanufaktur unterhalten hatte. Später wurden die Räume dann als Apotheke genutzt, dann als Antiquitätengeschäft.
Die grünen Tomaten waren übrigens ganz köstlich, im italienischen Stil zubereitet und mit einem Spritzer lokal produzierten Wodkas abgeschmeckt. Dieser kam von Blaum Bros., einer lokalen Destillerie.
Zufälligerweise war dies auch unser nächster Stop auf unserer Rundreise.
Blaum Bros war noch ein recht junges Unternahmen, das sich dem Produzieren erstklassiger Whiskeys und anderer Destillate verschrieben hatte. Ihr guter Sinn für Humor war legendär.
Nicht nur für Wodka- und Whiskeyfans: Blaum Bros Distilling Co.
Im Jahre 2013 eröffneten die Gebrüder Blaum eine Destillerie direkt vor den Toren von Galena. Hier begannen sie auch sogleich, erstklassigen amerikanischen Whiskey, aber auch anderes Hochprozentiges wie Gin und Wodka zu produzieren.
Die beiden Brüder behaupteten, dass sie sich zwar als Geschwister nicht besonders grün waren, aber dass diese Erzeugnisse ihnen immer eine gute freundschaftliche Basis geben würden. Als Besucher der Destillerie konnte man an einer der unterhaltsamen Führungen teilnehmen, was ich auf jeden Fall gern weiterempfehlen möchte.
Auf unserer Rundführung durch die Blaum Distillery lernten wir über die verschiedenen Arbeitsschritte bei der Destillation und worauf man bei den verschiedenen Produkten achten sollte.
Wir sahen die Tonnen, Fässer und Maschinen sowie den großen Lagerraum mit den verstaubten Whiskey- und Bourbon-Fässern. Dazu gab es auch jede Menge Anekdoten und lustige Details, denn die Brüder waren Fans von Bill Murray und den Ghostbusters. Den Abschluss bildete eine Verköstigung und die Möglichkeit, den erstklassigen Gin auch gleich im Geschäft von Blaum Bros zu kaufen.
So relaxt, wie der Nachmittag mit ein wenig Alkohol im Blut ausklang, so spannend sollte es am nächsten Morgen weitergehen, denn dann probierten wir ein weiteres Highlight in Galena aus: Long Hollow Canopy Tours.
Ziplining vor den Toren von Galena war ein Riesenspaß, den sogar Kinder über 10 Jahre ausprobieren könnten.
Abenteuer und Herausforderungen mit Long Hollow Ziplining
Ziplining auf unserem Trip entlang der Great River Road war für mich eine ganz neue Erfahrung.
Auch wenn ich vielleicht nicht besonders abenteuerlustig war, so machte es mir nichts aus, mal eben vier Meter hoch auf eine Plattform zu klettern und dann an einer Zipline befestigt durch den Wald zu fliegen.
Wenn man erst einmal die Grundlagen dieser Fortbewegungsart verstand, dann funktionierte alles fast wie von ganz alleine. Aber natürlich war es dann doch alles nicht ganz so einfach. Denn bei Long Hollow Ziplining oben rauf zu kommen, war nur eine Seite der Medaille. Wieder runterzukommen, war eine ganz andere.
Wir begannen den Parkour mit einer kleinen Gruppe und zwei erfahrenen Führern, die für unsere Sicherheit auf der Strecke sorgten. Nach einer kurzen Einweisung am Boden und einem Trainingsparkour ging es los.
Die Strecke wurde immer ein wenig schwieriger, höher, länger je weiter wir kamen, so dass wir am Ende ein Seil von 360 Metern Länge mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 80 km/h entlang sausten. Superviel Spaß, absolut unvergessliche Erfahrung.
Diese Hängebrücke war Teil der Canopy Tour. Auch wenn die Brücke total sicher war, so war sie doch eine Herausforderung für jeden Teilnehmer mit ein wenig Höhenangst.
Auch eine tolle Naturerfahrung: Ich hatte die ganze Zeit den Vanillegeruch des natürlichen Insektenschutzmittels in der Nase, während ich während der Wartezeiten angestrengt die Bewegungen auf dem Boden beobachtete. Um uns herum war der dichte Wald, wahrscheinlich bevölkert von unzähligen Tieren, die wir aber nicht zu Gesicht bekamen.
Der Spaß hörte eigentlich erst an der letzten Station kurz vor dem Basishäuschen auf. Wir hatten die Wahl: Am Kabel schnell von der letzten Plattform abseilen oder die etwas umständlichere, aber langsamere Rückhalteoption.
So oder so, es bedeutete, sich über den Rand der Plattform zu schwingen und sich rückwärts plumpsen zu lassen. Da wir die Gruppe nicht unnötig aufhalten wollten, entschieden wir uns für die schnelle Option.
Ganz offensichtlich hatte ich bis dahin noch nie dem Tod ins Auge geblickt, denn bei der Aussicht, mich da jetzt mehrere hundert Meter runterfallen zu lassen, habe ich mir dann doch fast in die Hose geschissen.
Letztlich fand auch ich meinen Weg nach unten, wenig elegant, mit einer unsanften Landung auf dem Allerwertesten, weil mich der Führer am Boden durch meine im Weg hängenden Beine nicht rechtzeitig auffangen konnte. Ein bisschen so wie Bridget Jones, möchte ich behaupten.
Verblasste Werbeplakate auf roten Backsteinwänden – der Zeitgeist vergangener Generationen war in Galena noch sehr lebendig.
Abenteuer, Drinks und Nostalgie in Galena
Nach dem Probieren von tollen Gins und Whiskeys, einem entspannten Spaziergang auf der Main Street und der Erfahrung von ein bisschen zu viel Adrenalin im System konnte ich nun auf jeden Fall mit Fug und Recht behaupten, dass Galena eines der Highlights auf unserem Roadtrip auf der Great River Road in Illinois gewesen war.
Die Stadt selbst war einfach nur süß und verspielt. Es gab hier so viel zu entdecken, dass wir uns gut hätten vorstellen können, noch ein paar Tage an unseren Aufenthalt dranzuhängen..
Ich habe bei meinen Recherchen auch erfahren, dass man im Winter hier wohl ausgezeichnet Skifahren kann, was diesen Ort also auch zur kälteren Jahreszeit zu einem attraktiven Reiseziel macht. Wer die charmante Seite vom amerikanischen Mittleren Westen kennenlernen will, vielleicht auch so etwas wie Romantik sucht, der wird in Galena höchstwahrscheinlich fündig.
Mehr Fotos gibt es unten! ↓
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Vintage-Shops, Leckereien und Feinschmeckerrestaurants bestimmten das historische Stadtbild von Galena.
Mit diesen Trolleys konnten Besucher die malerische Altstadt von Galena erkunden. Sie müssten vor allem bei Familien mit Kindern ein absoluter Hit sein.
Viele Gebäude in Galena zeigten noch ursprüngliche Bauelemente, was den Geschäften zusätzlichen Charm verlieh.
Eine typische Szene in Galena. Hinter der Main Street begann bereits der Damm und dahinter floss der Galena River.
Exquisite Shoppingerfahrungen und viel Stil waren in Galena ein wichtiger Bestandteil des Erlebnisses, weshalb es auch immer wieder Besucher aus Chicago in die verträumte Kleinstadt zog.
Dowling House war das älteste Haus der Stadt. Es wurde 1826 erbaut und konnte in den Sommermonaten besichtigt werden.
Da wir kurz nach dem 4. Juli die Stadt besichtigten, waren noch viele Häuser mit patriotischen Farben geschmückt.
Here’s the beef!
Galena lag am Galena River. Ein Deich und ein beeindruckendes Fluttor aus Eisen schützte die Stadt vor größeren Überschwemmungen.
Ich fand einfach hübsch, wie schön diese Dinge zusammenpassten.

