Still gleiten wir über das pechschwarze Wasser. Um uns herum blinken ferne Lichter am Strand, hüpfende Scheinwerfer von Autos, Werbeschilder eines Restaurants. Unsere Paddel machen leise plätschernde Geräusche, während wir den anderen Kajaks folgen. Mit jedem Stoß spritzt ein wenig Wasser auf unsere nackten Beine, es ist angenehm warm.
Die Spannung steigt. Noch ist ein letzter roter Streifen Licht am Horizont zu sehen. Doch wenn die Sonne endgültig am Horizont untergegangen ist, verwandeln sich die dunklen Tiefen unter uns in ein glitzerndes Naturphänomen, das es nur ganz selten gibt auf der Welt.
Wir befinden uns vor der Laguna Grande in Puerto Rico, und dies hier ist das Zuhause des leuchtenden Planktons.
Inhalt
Laguna Grande in Puerto Rico: Heimat des leuchtenden Plankton
Das leuchtende Plankton macht es uns an diesem lauen Abend in Puerto Rico ganz besonders einfach. Normalerweise bedeutet ein nächtlicher Kajakausflug nach Laguna Grande, dass man am Strand von Seven Seas startet und dann nach einigen Hundert Metern wieder anlandet, um das Kajak über eine matschige Ebene in die Laguna Grande zu tragen.
Doch seit einiger Zeit ist dies nicht mehr nötig, denn das leuchtende Plankton hat sich ins offene Meer ergossen. So müssen wir nur die wenigen Hundert Meter bis zum Eingang der Lagune paddeln, brauchen aber dann nur noch auf die völlige Dunkelheit zu warten.
Das Warten ist das Schlimmste. Denn worauf wir eigentlich warten, das weiß ich selber nicht genau. Ganz untypisch von mir, habe ich mir nicht ein einziges Mal ein Bild zu diesem Phänomen angeschaut. Ich will mich überraschen lassen. Und so dümpeln wir also mit unserer Gruppe und dem Führer in der Bucht, paddeln mal ein wenig hierhin, mal ein wenig dorthin, ohne recht zu wissen, was als nächstes kommen wird.

Das Warten auf die absolute Dunkelheit fordert ganz schön unsere Geduld heraus, auch wenn das Wasser herrlich warm ist.
Ein Funkenregen unter Wasser
Für gefühlt lange Zeit tut sich unter uns gar nichts, doch dann auf einmal sehen wir Funken. Kleine weiße Lichter, blasenförmig steigen sie nach oben, sobald unser Paddel durch das Wasser schneidet. Es ist so, als ob jemand eine Wunderkerze unter Wasser entzündet hätte, und so schnell wieder vorbei, dass man glaubt, man hätte das Glitzern gerade nur erträumt.
Wir entfernen uns ein wenig von der Gruppe, rudern den Strand entlang auf der Suche nach noch mehr Funkensprühen. Neben unserem Kajak leuchtet es nun immer häufiger, immer dort, wo wir das Paddel eintauchen. Wir stoppen und sehen uns um, lassen unsere Hände eintauchen ins schwarze Wasser, sehen, wie das Licht die Finger umspielt. Es ist wie verzaubert.
Fotografieren kann man das Phänomen nicht. Auch Filmen ist unmöglich. Dazu braucht man eine weitaus bessere Ausstattung, als ich besitze. Das Leuchten ist so flüchtig wie ein Wimpernschlag. Aber man kann den Moment genießen, das kleine Wunder unter unserem Kajak, das Glitzern und Leuchten, das wie aus einer anderen Welt scheint.

Millionen Fünkchen rieseln durch die Finger. Das Plankton leuchtet erst beim Aufwirbeln durch unsere Kajaks und Körper. Bild von auf
Ein Abschied aus dem Leben
Ein weiser Mann sagte einmal: „It is better to burn out than to fade away“. Dieses Motto müssen sich die Algen von Puerto Rico zu Herzen genommen haben, denn mit jedem Funkeln stirbt wieder einmal ein kleiner Organismus. Ihr Leuchten ist ihre letzte Reaktion, als sie durch unsere Bewegungen sterben, ein letztes Pulsieren, ein letztes mal Leben.
Deshalb müssen wir immer weiter wandern, auf der Suche nach dem Meeresleuchten. Wir wollen natürlich diese kleinen Lebewesen nicht töten, aber es bleibt uns jetzt auch gar nichts anderes mehr übrig. Sorgen machen müssen wir uns nicht: Morgen schon werden Millionen neuer kleiner Planktonorganismen da sein, die die Bucht mit ihrem Leuchten verzaubern.
Giftig oder gefährlich ist das biolumineszente Leuchten für den Menschen nicht, zumindest können Studien das nicht eindeutig belegen. Der Tourleiter fordert uns sogar zum Schwimmen auf. Doch wir tragen keine Badekleidung und wollen lieber trocken bleiben. Und so genießen wir einfach diese laue Sommernacht in Puerto Rico bevor wir wieder zum Strand zurückkehren.

Ein unvergessliches Erlebnis in Puerto Rico! Dabei kann man die Algen-Biolumineszenz tatsächlich nur an wenigen Orten der Welt beobachten.
Was ist eigentlich Biolumineszenz?
Zunächst einmal ist Biolumineszenz ein Wort, das ich nicht schreiben kann. Ich muss es jedes Mal nachschlagen, was mich gerade echt nervt. So viele ’s’s und ‚z’s… so verwirrend! Jetzt habe ich es in die Zwischenablage kopiert, und muss es nur noch in den Text, einfügen, ha!
Davon abgesehen, bedeutet Biolumineszenz, dass organische Lebewesen wie kleine Tiere oder auch Pilze mittels biochemischer Vorgänge leuchten. Das tun sie zum Beispiel, um mögliche Partner anzulocken oder als Abwehrreaktion. Das bekannteste Beispiel ist wohl das Glühwürmchen, von den neuseeländischen Glow Worms habe ich ja bereits schon berichtet.
Neben Plankton und Glühwürmchen leuchten aber auch zum Beispiel bestimmte Quallen, Korallen, Tiefseefische und Seitlinge (Pilze).
Ein sehr seltenes Phänomen
Es gibt nur fünf Orte auf der Welt, wo man leuchtendes Plankton beobachten kann, drei davon in Puerto Rico. Neben Laguna Grande, das auf der Nordseite der Hauptinsel liegt, gibt es auch noch La Puargera ganz im Südwesten sowie Mosquito Bay auf der puerto-ricanischen Insel Vieques.
Auch auf den Malediven und in Jamaika kann man das Biolumineszenz-Phänomen beobachten, also .
Verantwortlich für das Leuchten in Puerto Rico sind die so genannten winzig kleine Lebewesen, die ein wenig wie ein T aussehen. Diese gibt es überall in den Weltmeeren, auch die leuchtenden Varianten, aber nicht überall sind sie so schön konzentriert wie zum Beispiel hier in Puerto Rico.
Ein unvergessliches Erlebnis
Es passiert nicht häufig, dass wir uns so eins mit der Natur fühlen wie an diesem Abend. Die warmen Temperaturen, das Salz in der Luft und zugegebenermaßen auch der Margarita am Strand vor unserem Ausflug in die Bucht ließen uns voll und ganz in dieses Phänomen eintauchen.
Die Biolumineszenz des Planktons in Puerto Rico ist nicht so blau oder so teppichartig, wie auf den meisten Fotos dargestellt. Aber die Fotos, die ich von Pixabay für euch rausgesucht haben, geben das Erlebnis gut wieder, wobei das Licht immer nach wenigen Millisekunden verlöscht.
Für weitere Infos zu diesem tollen Meeresleuchten in Puerto Rico empfehle ich diesen sehr umfangreichen englischsprachigen Artikel auf dem Blog .
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