Vor einigen Wochen habe ich einen großen Coup gelandet, über den ich persönlich sehr glücklich bin.
Ich habe mich für meinen englischen Reiseblog Happiness and Things für das Blogger-Werbenetzwerk Mediavine qualifizieren können. ist so ähnlich wie Google Adsense, es schaltet also Werbeanzeigen auf dem Blog.
Im Gegensatz zu Google ist Mediavine allerdings einzig auf Blogger spezialisiert, was unterm Strich weitaus höhere Werbeeinnahmen einbringt als das eher generell gestaltete Adsense-Programm.
Seit ich zumindest schon einmal mit einem von zwei Blogs ein Mitglied bei Mediavine bin, kann ich mit täglichen Einkünften durch das Bloggen rechnen. Das war für viele Jahre nicht der Fall.
Zugegeben, momentan ist mein englischer Blog ziemlich zugekleistert mit Werbeanzeigen, besonders auf der Desktop-Version. Aber das kann ich im Laufe der Zeit noch ein wenig kalibrieren, damit das Benutzererlebnis immer noch gewährleistet ist. Momentan sammle ich noch Daten, deshalb sieht es derzeit noch so aus, .
Bloggen und Geld vergehen: Gehört das überhaupt zusammen?
Jetzt kam in meinem Bekanntenkreis vor einigen Tagen eine Grundsatzdiskussion auf: Darf man mit dem Bloggen eigentlich Geld verdienen? Oder auch: Soll man mit dem Bloggen eigentlich Geld verdienen?
Ich schätze, ich komme da aus einer anderen, recht pragmatischen Richtung als viele andere deutsche Blogger. Ich habe ja lange im Ausland gelebt, wo das Blogger-Business weitaus professioneller, d.h. mit Geschäftsinteresse, betrieben wird.
Da rümpft beim Anblick von Werbeanzeigen keiner die Nase.
Sowohl unter Bloggern als auch beim Publikum herrscht allgemein der Konsens, dass man die Weitergabe von Informationen oder Unterhaltung auf die ein oder andere Art entlohnt werden sollte.
In Deutschland jedoch scheint es anders zu sein, zumindest, wie ich aus dieser Diskussion entnehmen konnte. Doch warum ist das so?
Übliche Einnahmekanäle von Reisebloggern
Die meisten Blogger, die über ihre Blogs Geld verdienen, machen dies über verschiedene Kanäle. Nicht, weil es Spaß macht, mehrere Kanäle zu betreuen (das ist ziemlich zeitaufwändig), sondern weil man über einen Kanal allein nicht genug Geld verdienen kann.
Diese Kanäle sind zum Beispiel die folgenden:
- Werbeeinnahmen über Werbeplatzierungen
- Gesponserte Posts
- Bezahlte Bloggerreisen
- Anteilsmäßige Verkaufskommission über Affiliate-Programme
- Verkauf von Fotos über Stockphoto-Seiten
- Vorträge, Weiterbildungsangebote und Beratungen
und vieles mehr.
So verdiene ich momentan mit dem Bloggen Geld
Auch ich nutze einige dieser Kanäle, um Geld zu verdienen.
Neben den genannten Werbebannern von Mediavine nutze ich auch Affiliate-Links als Haupteinnahmequellen, und zwar zu meinen ausgewählten Partnern Amazon, Booking, TripAdvisor und Getyourguide.
Ab und zu stelle ich auch einen gesponserten Post online, allerdings sind meine Gebühren dafür so hoch, dass die meisten Partner abgeschreckt sind und sich diese Verhandlungen in Luft auflösen (wie ihr euch sicher vorstellen könnt, ein Zeitkiller).
Außerdem verdiene ich Geld mit dem (Achtung: Affiliate-Link!). Auch habe ich letztes Jahr ein (jep, wieder ein Affiliate-Link) bei DuMont veröffentlicht, das mit auch ein bescheidenes Einkommen eingebracht hat.
Ich schreibe freiberuflich für andere Firmen Reisetexte, zum Beispiel für Google () oder .
Ich war auch mal auf einer bezahlten Blogger-Reise, aber da ich für gewöhnlich nicht von zahlungskräftigen Tourismusämtern eingeladen werde, ist das nun auch schon mehrere Jahre her.
Reich wird man davon nicht
Wie man also sieht, verdiene ich mit dem Bloggen zwar schon Geld, aber ich werde damit ganz sicherlich nicht reich. Auch muss ich das Netz weit spannen, denn der Blog ist oftmals nur die Plattform, über die ich Gigs außerhalb der üblichen Tätigkeit finde, wie zum Beispiel meine Übersetzerarbeit.
Ich bin der festen Ansicht, dass meine Arbeit es wert ist, entlohnt zu werden.
Ich sehe mich da Teils als Künstler und Teils als Dienstleister. Beide Bereiche meines beruflichen Seins haben ein Recht, finanziell belohnt zu werden, weil sie anderen Menschen einen Mehrwert geben.
Bei anderen Künstlern und Dienstleistern wird ja auch nicht zweimal nachgefragt, ob sie wirklich ein Gehalt für ihre Arbeit verlangen dürfen, man denke an Klempner, Opernsänger oder Reiseleiter. Da ist das ganz selbstverständlich.
Vielleicht ist es im Bereich Bloggen derzeit noch weniger selbstverständlich, weil die Branche noch so neu ist und aus einem Internet geboren wurde, das ursprünglich mal free for all war.
Doch so läuft das Internet schon lange nicht mehr. Die heißbegehrte Ware heißt heute vor allem: Daten. Doch auch Internetriesen wie Amazon oder Ebay haben schon vor langer Zeit den Kommerz ins Internet gebracht.
Wo soll das Geld denn nur herkommen?
Nun steht man aber als Blogger ganz schön blöd da. Wo soll das Geld denn herkommen? Ich stehe da genau zwischen den Parteien. Auf der einen Seite: der Leser. Auf der anderen: die Firmen, mit denen ich kooperiere.
Auf beiden Seiten ist eigentlich nichts zu holen. Die Leser sind es gewohnt, Informationen und Unterhaltung umsonst zu konsumieren. Firmen sind es gewohnt, dass irgendjemand ihre Werbung schon kostenlos schalten wird (zum Beispiel über die traditionelle PR).
Trotzdem muss das Geld natürlich irgendwo herkommen. Denn ich will ja auch mal was essen. Ein großer Anteil meines verdienten Geldes fließt übrigens auch wieder zurück in den Blog: Recherche-Reisen, Online-Tools, technisches Equipment, usw. müssen irgendwie bezahlt werden.
Jahrelang bin ich den Firmen und Tourismusbehörden hinterher gehechelt. Doch selbst heute noch sind bezahlte Bloggerreisen eine Seltenheit. Meist will man noch nicht einmal die Anreise mit dem Zug bezahlen: Ich würde also draufzahlen, wenn ich den Job annehme.
Dass dann auch noch eine positive Berichterstattung erwartet wird oder zusätzliche Naturalien wie Texte und Bilder, muss ich wohl kaum betonen. Es ist unterm Strich oft ein Verlustgeschäft.
Vom Frust, nicht ernst genommen zu werden
Von gesponserten Posts hatte ich mich eigentlich für eine ganze Zeit verabschiedet, denn ich war das ewige Rumgeschachere leid, das am Ende mit Grillenzirpen auf der anderen Seite bedacht wurde.
Noch dazu sind diese Firmen oftmals frech, von oben herab, dreist, und lästiger als jede Stubenfliege.
Hier kommt es so selten zu einem befriedigenden Ergebnis (inklusive no-follow-Link, wie Google es möchte, und Anzeigendeklarierung, ), dass dieser Prozess einfach nur frustrierend ist.
Lieber verbringe ich meine Zeit mit dem, wofür ich nämlich wirklich brenne: das Schreiben von Reisetexten für meine Leser.
Also bleibt nur noch der Leser als möglicher Geldgeber. Von Spendenaufrufen sehe ich ab, die , die vor einigen Wochen passiert sind, brauche ich für meine Seele nicht.
Authentisch bleiben und doch über die Runden kommen
Ab und zu empfehle ich also Produkte meiner Affiliate-Partner, zum Beispiel ausgezeichnet bewertete Hotels, passende Stadtführungen oder Reisegadgets, die das Leben einfacher machen.
Auch das ist nicht besonders einträglich, da man den Besucher im richtigen Moment erwischen muss (interessiert und kaufbereit), und das ist nicht oft der Fall bei Reisebloglesern. Außerdem empfehle ich nur, wo eine Empfehlung meiner Meinung nach Sinn macht.
Besser funktioniert da die Werbebannerplatzierung. Der Leser sieht diese zwar, kann aber drumherum lesen und trotzdem seine Informationen oder den spannenden Artikel konsumieren.
Kommt einem doch auch bekannt vor. Schließlich arbeiten so alle großen Nachrichten- und Entertainment-Outlets wie Spiegel, Bunte oder MSN. Selbst Social-Media-Netzwerke schalten Werbeplatzierungen, und dabei verdienen sie schon ganz gut mit unseren Daten.
Hier wird es also akzeptiert. Warum also nicht auch auf einem Reiseblog?
Ich sehe es so: Wenn du meinen Artikel liest und dabei auch bei der Stange bleibst, dann biete ich dir einen Mehrwert, der dir auf die ein oder andere Art hilft. In diesem Fall siehst du aber auch Werbung. Und damit bezahlst du, lieber Leser, meine Arbeit. Ist doch fair, oder?
Jeder wie er mag
Ich spreche natürlich nur von meiner kleinen Welt und meiner Einstellung zu dieser Sache.
Andere Blogger sehen es kategorisch anders oder haben einen Vollzeitjob oder andere lukrative Einkommensquellen, die sie ihren Blog anders aufziehen lassen. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Die Bloggerwelt ist vielfältig und bunt, und so sollte es ja auch sein.
Ich brauchte einige Zeit, dieses Selbstbewusstsein für mich zu entwickeln zu sagen: Meine Arbeit ist etwas wert. Sie ist mir etwas wert und sie ist offensichtlich auf anderen Leuten etwas wert. Deshalb verdiene ich eine Entlohnung, und dies ist momentan die praktischste und unkomplizierte Art, das zu erreichen.
Mich würde mal deine Meinung dazu interessieren, ob als Leser oder Blogger. Wie stehst du zum Thema „Monetarisierung“ und Bloggen?
Bild von auf

3 Kommentare
Hey Silke,
Glückwunsch zu Mediavine!
Ich muss zugeben, ich bin auch kein großer Fan von Bannerwerbung – andererseits: Guter Content braucht Zeit und Zeit ist Geld. Die festgefahrene Anti-Haltung mancher kann ich da auch nicht nachvollziehen, da ist mir der Umgang mit diesem Thema im englischsprachigen Raum wesentlich sympathischer.
Viele haben einfach keinen Überblick, wie viel Zeit und Geld so ein Blog kosten kann und freuen sich dennoch über schöne Fotos und Artikel. Das muss doch irgendwo finanziert werden? Die richtige Balance zwischen Werbung und Content zu finden ist die große Kunst, aber ganz ohne geht es einfach nicht.
Ich peile übrigens auch Mediavine an, ich bin mal gespannt, ob es a) klappt und b) sich im weiteren Betrieb bewährt.
Liebe Grüße
Tatiana
Hallo Tatiana, Danke für deinen Kommentar!
Ich weiß auch noch nicht, ob Mediavine für deutschsprachige Blogger geöffnet sein wird (obwohl ich jetzt schon einen Food-Blogger gefunden habe, bei dem es installiert ist, nur eben ein kein Reiseblogger).
Ich muss sagen, seit ich Mediavine auf dem engl. Blog habe, bin ich wieder ein wenig entspannter und fühle mich in meiner Arbeit auch irgendwie bestätigt. Das Produkt ist auf jeden Fall super und zahlt sich total aus, ich kann es nur empfehlen.
Ich hoffe, dass es bei dir bald auch klappt!
LG aus Berlin, Silke
Danke jedenfalls für deine Einblicke! Mein Blog ist zweisprachig, wobei ich den englischen Part sträflich vernachlässigt habe – den möbele ich gerade wieder auf 🙂 Vielleicht kommen dann noch ein paar englischsprachige Leser dazu, mal sehen.
Ich freue mich für dich, dass es super angelaufen ist! Anerkennung ist ja manchmal spärlich gesät in dieser Branche…
Weiterhin viel Erfolg! <3