Seid ihr im Besitz eines digitalen Fotoarchivs? Damit meine ich ein Archiv von alten Fotos, also jene Exemplare, die man dann beim örtlichen Drogerieladen oder beim Zeitschriftenhändler entwickeln ließ? Nun, vor einiger Zeit habe ich angefangen, diese alten Fotos mal zu archivieren, damit diese schönen alten Jugenderinnerungen nicht verloren gehen. Jedes einzelne habe ich eingescannt und digitalisiert, dann auf Google Drive hochgeladen. Da sind natürlich viele tolle Erinnerungen aus der Kindheit mit dabei. Die meisten, denn so war das damals – da fotografierte man vor allem im Urlaub – von unseren Familienreisen am Mittelmeer.
Als ich noch klein war, da reiste meine Familie mindestens einmal im Jahr in ein anderes Land. Wir fuhren nach Spanien (immer und immer wieder), aber auch Marokko, Kroatien, in die Türkei. Ich erinnere mich an die Sagrada Familia in Barcelona, die Dünen von Maspalomas, einen wackeligen Kamelritt in Agadir, die Ruinen von Ephesos. Faule Nachmittage auf der Luftmatratze irgendwo vor der Costa Brava. Heiße Nächte mit Sonnenbrand und ohne Klimaanlage. Ferienhäuser ohne Fernseher und natürlich auch ohne Internet.
Früher war halt alles anders.
Heute also mal etwas Leichtherziges und Lustiges für den Biog. Wir erinnern uns zurück an eine Zeit, als wir selbst noch klein waren.
Inhalt
- 1 Abenteuer Urlaub…
- 2 1- Als Flugreisen noch was Besonderes waren
- 3 2- Internationale Telefongespräche
- 4 3- Es gab noch Grenzen in Europa
- 5 4- Comics im Flugzeug
- 6 5- Rauchen im Bus
- 7 6- Rot wie ein Hummer
- 8 7- Auf dem Laufenden bleiben
- 9 8- Die Kunst des Postkartenschreibens
- 10 9- Die blinde Hotelselektion
- 11 10- Das Endlich-wieder-zu-Hause-Ritual
Abenteuer Urlaub…
Meine Eltern waren zwar typisch deutsche Touristen, aber sie hatten auch damals schon einen gewissen Sinn für Abenteuer. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie wir besonders kalte und regnerische Sommerferien verlebten und meine Eltern spontan sich dazu entschlossen, noch am selben Abend mit dem Auto nach Spanien zu fahren. Gesagt, getan. Am nächsten Nachmittag kamen wir in dem kleinen Badeörtchen Blanes an, mieteten uns ein in eines der letzten noch verbliebenen Apartments und entwischten so kurzentschlossen dem deutschen Sommer.
Wir flogen auch einmal so ganz ohne Hotelbuchung nach Kusadasi in die Türkei ohne auch ein Wort Türkisch zu sprechen. Das war gerade bevor der Massentourismus in der Türkei erst so richtig losging. Wir landeten schließlich in einem hübschen kleinen Stadthotel mit typischen Innenhof und aßen erstmal mit den Gastgebern gemeinsam zu Abend.
Vor einiger Zeit las ich einmal einen Artikel, wo der Autor sich schmunzelnd daran erinnerte, wie es war, keinen Laden zu finden, wo man unterwegs seine CDs brennen konnte. Und das empfand der Autor dann als Hardcore und Old-School…
Doch wir, liebe Leser, haben da noch ganz andere Sachen durchgemacht, damals in den 80ern und 90ern. Kommt mit, ich nehme euch mit auf eine lustige Zeitreise…
1- Als Flugreisen noch was Besonderes waren
Erinnert ihr euch noch daran, wie Fluggäste sich damals noch speziell für die Flugreise angezogen haben? Und ich meine jetzt nicht Turnschuhe und Jogginghose für extra Komfort.
Ich meine richtige Anzüge und Schuhe mit Absatz. Denn schließlich flog man ja in einem Flugzeug.
Das war damals in den 80ern immer noch ganz schön was Besonderes. Klar, auch heute noch sieht man Passagiere, die zwar Holzklasse fliegen, aber sich anziehen, als ob es gleich in die Oper geht. Aber klatscht man heute auch noch bei der Landung in die Hände? Nun, damals hat man das jedenfalls so gemacht.
In einem Stück am Zielort anzukommen fühlte sich halt damals immer noch an wie ein kleines Wunderwerk der Technik. Piloten wurden wie Halbgötter behandelt, denen man für ihr Können und Geschick ausreichend danken musste.
Und Kinder durften sogar mit ins Cockpit. Ziemlich cool, oder?
2- Internationale Telefongespräche
So war das in meiner Familie: Ich bin 10 Jahre jünger als meine Brüder. Als ich also als kleines Steppken anfing Erinnerungen zu sammeln, traten meine Brüder als junge Erwachsene langsam aus den Familiengeschehnissen aus, um ihren eigenen Weg in der Welt zu finden. Natürlich waren sie zu diesem Zeitpunkt schon unabhängig genug, um nicht mehr mit mir und meinen Eltern in den Urlaub mitzukommen.
Das beutete allerdings, dass wir ab und an einmal einen internationalen Telefonanruf machen mussten um zu schauen, ob zuhause noch alles in Ordnung war. Nicht, dass wir den beiden vertraut hätten oder auch nur ein einziges Wort von dem geglaubt hätten, was sie uns von daheim erzählten, aber trotzdem.
Damals gab es jedoch noch keine internationalen Telefonkarten. Vielmehr hatte man die Wahl aus zwei Optionen: die nächste Telefonzelle um die Ecke (allerdings ein großes Problem, wenn man nicht Tonnen von Kleingeld mit sich führte). Oder man ging zu einem dieser speziellen Läden, wo man telefonieren und mit Geldscheinen bezahlen konnte (ja, teuer war das damals nämlich auch noch!). Hier bekam man dann eine eigenen Zelle zugewiesen zum Telefonieren, und hinterher bezahlte man der Person am Eingang, was auf dem Zähler stand.
Natürlich war das aufwändig und daher wollte man sichergehen, dass der andere Teilnehmer auch wirklich zuhause war, wenn man anrief. Deshalb musste man sich zu diesen Telefongesprächen verabreden. Ihr könnt euch vorstellen, wie verunsichert meine Eltern wurden, wenn meine Brüder zur verabredeten Zeit nicht den Hörer abnahmen. Schusseligkeit oder schwerer Verkehrsunfall?
3- Es gab noch Grenzen in Europa
Ich wuchs auf in einem Europa des Kalten Krieges. Zwischen den Ländern gab es damals immer noch echte Grenzen. Und in den Sommerferien gab es an den Autobahngrenzen immer hübsch lange Staus. Kofferräume wurden geöffnet, Pässe inspiziert.
Dieser Tage ist das alles innerhalb der Schengen-Zone natürlich nicht mehr vonnöten. Ein Flug von Paris nach Rom ist wie ein Inlandsflug, wo man nirgendwo mehr seinen Pass vorzeigen muss.
Ich muss sagen, ich finde das eine ganz tolle Sache. Und ich hoffe, dass das so bleibt. Nicht nur, weil es keine Passkontrollen mehr gibt, sondern auch generell, weil Europa zusammenhalten sollte.
Meine Brüder erzählten mir mal, dass sie sich immer kurz vor der Grenzkontrolle schlafen legen mussten, damit meine Eltern schnell durchgewinkt wurden. Ihr könnt raten, wieso.
4- Comics im Flugzeug
Heute schwer vorstellbar, aber damals flogen wir tatsächlich ohne elektronisches Unterhaltungssystem an Bord.
Es gab noch nicht einmal einen Film, der auf Bildschirmen allen Beteiligten gleichzeitig angeboten wurde. Deshalb musst man vorbereitet sein und ein paar Dinge mitbringen, um sich auf Reisen selbst zu beschäftigen. Glücklicherweise gab es damals bei uns in Dortmund einen Comic-Handel mit Gebrauchtcomics, wo ich preiswert stapelweise Comicbücher zu günstigen Preisen erwerben konnte.
In meinem kleinen Kinderrucksack befand sich also immer ein dicker Stapel Mickey-Maus- und Superman-Comics. Mit meinen acht Jahren lass ich stundenweise im Flugzeug – welches Kind tut das heutzutage noch?
Eine andere Alternative waren Rätselhefte, und das nicht nur im Flugzeug, sondern auch am Strand oder vor dem Schlafengehen. Heute als Erwachsene bin ich daher ziemlich gut darin, Kreuzworträtsel zu lösen – Übung macht den Meister!
5- Rauchen im Bus
Unglaublich, wenn man da heute mal drüber nachdenkt: Ich erinnere mich noch daran, wie man damals im Flugzeug und im Reisebus rauchen durfte.
Meine Mutter war eine starke Raucherin, und sie bestand immer darauf, in der Raucherzone einen Platz zu bekommen. Einmal saßen wir zwar in der Rauchzone des Busses, aber so nah an der Nichtraucherzone, dass der Qualm zu den Nichtrauchern rüberwaberte. Diese beschwerten sich darüber, konnten aber nichts machen, denn meine Mutter war leider im Recht.
Und ich saß neben meiner Mutter, voll innerem Konflikt, denn ich wusste natürlich, wie schädlich das Rauchen war, nicht nur für sie, sondern für uns alle drumherum ja auch. Aber gleichzeitig war ich natürlich auch meiner Mutter treu und wollte ihr nicht in den Rücken fallen.
Glücklicherweise ist das Rauchen heutzutage nicht mehr gestattet in Flugzeugen, Reisebussen, Zügen und Flughäfen (außer in speziellen Zonen).
6- Rot wie ein Hummer
Ich weiß ja nicht, was meine Eltern sich dabei gedachten haben, aber Sonnenbrand schien zu unseren Urlauben einfach irgendwie dazu zu gehören. Denn ohne Bräune konnte man ja schwerlich wieder nach Hause zurückkehren.
Idealerweise musste man sich durchbräunen, bis man wie ein Brathähnchen aussah, und dazu noch sonnengebleichte Haare. Und auch wenn wir eigentlich immer eine Flasche mit Sonnenmilch dabei hatten, wurde sie doch viel zu wenig eingesetzt, besonders nach stundenlangem Baden im Pool oder am Meer.
Spätestens am 2. oder 3. Tag sah ich deshalb immer erstmal so aus wie ein Hummer.
Meine schlimmste Sonnenbranderfahrung als Kind: eine besonders heiße kanarische Nacht mit Verbrennungen auf meinen Oberarmen, den Oberschenkeln, auf der Brust und den Schultern. Ich konnte das Laken auf dem Körper nicht ertragen, und ganz egal, welche Haltung ich versuchte, ich konnte vor Schmerz nicht schlafen.
Was ich als Kind aber am Sonnenbrand immer toll fand war, dass sich anschließend immer die Haut so schön ablöste. Immer eine gute Freizeitbeschäftigung in Zeiten, wo es noch keinen Gameboy gab.
Die größte Enttäuschung gab es immer, wenn man einen Sonnenbrand kurz vor Abflugdatum bekam und sich dann die Haut erst in Deutschland wieder abpellte. Darunter: makellose weiße Haut, natürlich ungebräunt. Wie peinlich!
7- Auf dem Laufenden bleiben
Damals zu reisen bedeutete, dass man so schön weit weg vom Weltgeschehen war. Man hatte wirklich so ungefähr Null Ahnung davon, was zu dem Zeitpunkt gerade in der Welt abging.
Unsere Hauptinformationsquelle war damals die Bild-Zeitung, aber die war da natürlich schon immer mindestens einen Tag alt. Zudem war sie teurer als zuhause.
Aber irgendwie war das auch schön so. Es war Sommer, Urlaubszeit, und eigentlich passierte ja auch nichts Wichtiges in der Welt. Dieses Unwissen hatte also auch seine guten Seiten.
8- Die Kunst des Postkartenschreibens
Schreibt ihr eigentlich noch Postkarten? Ich eigentlich nicht mehr, außer ein Mini-Globetrotter-Leser bittet mich um eine Postkarte aus unserer Wahlheimat Spanien. Dann tue ich das sogar gern.
Doch eigentlich ist es ja doch schon ziemlicher Aufwand. Karten aussuchen und kaufen, Text komponieren und einigermaßen leserlich draufschreiben, das Adressbuch zücken (an das man hoffentlich gedacht hatte), dann Briefmarken kaufen, draufkleben, Briefkasten finden. Und dann brauchten die Dinger auch noch Wochen, bis sie endlich ankamen.
So anstrengend und nervig dieser Prozess auch war, findet ihr es nicht auch ein wenig schade, keine Postkarten mehr zu bekommen? War das nicht immer ein Höhepunkt während der Sommerferien, wenn dann plötzlich Post von einem Klassenkameraden im Briefkasten war?
Eigentlich schade, dass es das so nicht mehr gibt.
9- Die blinde Hotelselektion
Diese langen Winterabende, wenn meine Eltern mit einem Stapel Urlaubsprospekte nach Hause kamen. Stundenlang würden wir durch die Kataloge stöbern, uns die sonnigen Fotos von den tollen Hotels mit ihren Poolanlagen ansehen. Die Palmen, die Strände.
In akribischer Kleinarbeit würden wir uns durch die Angebote wühlen, mit Notizblock und Taschenrechner bewaffnet. Wir wählten Hotels aus nach Anzahl der Sterne und dem Aussehen der Bilder. Würden den Gesamtpreis kalkulieren und dann hoffen, dass das Hotel überhaupt noch zu haben war zu dem Zeitpunkt, wo wir es das nächste mal ins Reisebüro schaffen würden. Und am Ende die Hoffnung, dass man richtig gewählt hatte und dass man eine saubere Anlage mit gutem Essen erwischt hatte.
Denn damals gab es noch nicht diesen Informationsreichtum. Wir wussten kaum, wo wir landen würden. Es gab keine Online-Reviews, keine detaillierten Karten vom Zielort. Man musste sich auf sein Reisebüro und auf den Ruf des Reiseveranstalters blind verlassen.
10- Das Endlich-wieder-zu-Hause-Ritual
Hast du, lieber Leser, ein Endlich-wieder-zu-Hause-Ritual? Ich hatte jedenfalls eins als Kind.
Wir hatten damals ein Abo von der Hörzu, wo man das gesamte Fernsehprogramm aufgelistet fand. Gibt es sowas heute eigentlich noch? Nach zwei, drei oder sechs Wochen im Urlaub hatte sich natürlich immer so einiges an Post angesammelt, und durch die alten Hörzus zu blättern war immer ein Riesenspaß. Hatte ich irgendeinen guten Film verpasst? Was kam in den nächsten zwei Wochen im Fernsehen? Was war jetzt grad dran? Und was war sonst so passiert, als wir nicht im Lande waren? Herrlich!
Weitere lustige und interessante Berichte findest du übrigens bei der Blogparade von Reisepsycho:
Doch jetzt drehe ich das Ruder mal rum und frage euch – seid ihr auch ein Kind der 80er und 90er? An welche Urlaubserinnerungen könnt ihr euch noch entsinnen, die heute nicht mehr existieren? Ich freue mich auf eure Kommentare!





