Obwohl ich nie ein echtes Problem mit Deutschland hatte, bin ich doch gern in die große weite Welt gezogen, um neue Länder kennenzulernen. Auch wenn es uns in Deutschland damals nicht schlecht ging, ist man halt schon neugierig darauf, wie es so in den anderen Ländern der Welt abgeht.
Wie sich herausstellte, lebte es sich ganz gut in Australien. Und auch Spanien hatte so einige schöne Seiten. Beide Länder hatten uns etwas zu bieten, das wir jeweils vermissen werden, jetzt da wir nicht mehr da sind. Gleichzeitig gibt es Dinge, die auch Deutschland sehr gut macht.
Dies soll kein patriotisch-propagandistischer Post zu Deutschland werden. Es soll nur unsere eigenen Erfahrungen widerspiegeln und ein Lob auf das sein, was wir in Deutschland wirklich toll finden und was Spanien und Australien nicht so gut hingekriegt haben. Dazu zählen so Dinge wie frische Zwiebeln, kostenfreie Kieferorthopädie und gut isolierte Häuser. Aber seht selbst!
1. Frische Zwiebeln
Fangen wir mal mit den frischen Zwiebeln an. Was ich überhaupt nicht in einem Land wie Spanien, das ja nun eines der Hauptexportländer für Gemüse in Europa ist, verstehen konnte, war die schlechte Qualität der Frischware. Ganz besonders gut konnte man das an den Zwiebeln sehen, die schon schwarz und faulig aus dem Supermarkt kamen. Die Lebensdauer meiner Zwiebeln war nie mehr als ein paar Tage, warum auch immer. Dabei war es egal, wo wir das Gemüse kauften, ob Markt, Obsthändler oder Supermarkt, die Qualität ließ seltsamerweise immer zu wünschen übrig.
2. Kostenfreie Kieferorthopädie
Jetzt werdet ihr bestimmt sagen: Moment! Aber die ist doch gar nicht kostenfrei! Nun, wir sind bei einer Betriebskrankenkasse gemeldet und bekommen für die Kinder 80% bis 90% des Kostenplans erstattet. Das steigt auf 100%, sollten wir die Therapie erfolgreich abschließen. In Australien sind zahnärztliche Leistungen überhaupt nicht in der Pflichtversicherung inkludiert, man muss sich zusätzlich privat versichern. Und das schließt dann immer noch nur einen Teil der Kosten für die Zahnklammer ein. Wir sprechen hier von Tausenden von Dollars, pro Kind. In Spanien ein ähnliches Spiel: Die Zahnklammer musste extra versichert werden, und dann kamen immer noch vierstellige Eurobeträge obendrauf.
3. Isolierte Wohnungen
15 Jahre lang waren wir im Ausland, 15 Jahre lang haben wir jeden Winter gebibbert. Zentralheizung? Fehlanzeige! Isolierverglasung? Niemals! Unser Haus in Australien war nicht viel mehr als ein glorifiziertes Camping im Winter, wo jeglicher Versuch, die Bude zu heizen, die Dollar gleich zum Fenster hinauswarf. Frühstücken in Eiseskälte, Schlafen mit elektrischer Heizdecke (bis das Kind einmal im ganzen Viertel die Sicherungen hat rausfliegen lassen, aber das ist eine andere Geschichte), Fernsehen mit Wärmflasche – das war unser winterlicher Alltag. Ja, die Winter sind milder in Spanien und Australien, aber wenn man sich nicht zwischendurch aufwärmen kann, kühlt man auch hier bis auf den Kern aus.
4. Gameshows im Fernsehen
Schimpft auf das deutsche Fernsehen, soviel ihr wollt! Ich genieße es momentan total. Vor allem die Gameshows am Wochenende. Ja, sie sind teilweise grenzwertig, dämlich, unlustig. Aber wenn ihr mal in einem Land gelebt habt, wo es sage und schreibe nur fünf Fernsehsender gibt, die alle entweder wiedergekaute amerikanische Thrillerserien oder langweilig aufbereiteten Journalismus zu bieten haben, werdet ihr mich verstehen.
5. Maggi Fix
Maggi Fix ist so eine Sache, zu der ich mich jetzt mal offen bekenne. Ich weiß, viele verteufeln das Zeug. Glauben, sie seien die Meister der Küche und könnten ihren Kindern niemals so einen geschmacksverstärkten Fraß vorwerfen. Aber auch ich war mal voll berufstätig mit zwei kleinen Kindern, die abends hungrig nach Hause kamen, und da muss es halt auch mal schnell gehen. Ich weiß die kleinen Tütchen auf jeden Fall zu schätzen, besonders, da wir immer noch sehr differenziert essen und jeder sein eigenes Süppchen im Haus gekocht haben will. Tja, und Maggi Fix, jedenfalls in den Ausmaßen, gibt es weder in Australien noch in Spanien. Supermärkte führen vielleicht sechs verschiedene Packungen von zweifelhafter Qualität, und das war’s.
6. Kindergeld
Ach, was geht es uns als Familie in Deutschland doch gut! Jahrelang hatten wir als Auslandsdeutsche keinen Anspruch auf Kindergeld. In anderen Ländern ist das Konzept so gut wie unerkannt. In Australien erhielten wir für einige Monate ca. 30 Dollar pro Monat, weil wir wegen des Babys nur ein Einkommen hatten. In Spanien lohnte sich die Antragstellung noch nichtmals, weil wir nicht mal annähernd an der Einkommensobergrenze lagen, um die ca. 100 Euro monatlich vom Staat zu bekommen. Kindergeld, eine tolle deutsche Erfindung!
7. Busse und Bahnen
Ich kann nicht verstehen, wie man sich so in Deutschland über den öffentlichen Nahverkehr aufregen kann. Sicher, wir leben im Zentrum von Berlin und werden ein wenig verwöhnt mit einem Überangebot an Straßenbahnen, U-Bahnen, Bussen und S-Bahnen. Aber selbst kleinere Städte in Deutschland sind besser versorgt mit öffentlichen Verkehrsmitteln als Sydney (und natürlich vor allem als unser Örtchen in Spanien). Nicht nur verlässlich und schnell, sondern vor allem auch sauber sind sie meist, die Busse und Bahnen in Deutschland. Wer das nicht glaubt, sollte sich wirklich unbedingt mal am Donnerstagabend in Wynyard Station in Sydney einfinden, wo man von der wartenden Menge fast von der Bahnsteigkante gedrückt wird.
8. Kritischer Journalismus
Wer einmal den Sydney Morning Herald aufschlägt, eine der größten und wichtigsten Tageszeiten in Australien, der fällt oft aus allen Wolken. Hauptthemen sind nämlich die verkorkste Lokalpolitik, Immobilienpreise, Verkehrsstaus und Panorama, gewürzt mit einer Prise „bitte regen Sie sich jetzt mal auf“. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem, was in Canberra stattfindet, gibt es nicht. Politiker fallen nicht durch große Taten, sondern Kleinmeierei und „back stabbing“ auf. Flüchtlinge werden auf kleinen Inseln im Pazifik für Jahre interniert, Frauen, Kinder, und keinen stört’s. Schlimmer noch: Die Online-Version der Zeitung ist fast komplett nur gegen Bezahlung zu haben, die Artikel bewusst konzipiert, dass man auf die Überschriften klicken muss, um überhaupt etwas über die Neuigkeit zu erfahren. Natürlich ist auch hier kein journalistischer Anspruch vorhanden. Fernsehnachrichten sind noch viel schlimmer. Das Ergebnis: Eine desinformierte und desinteressierte Gesellschaft. Katastrophal.
9. Gute Schulen
Unsere örtliche Grundschule ist ein Star. Wir haben wirklich tolle Lehrer erwischt. Kompetente Menschen, die gut ausgebildet sind. Leider konnten selbst die Englischlehrer an unserer bilingualen Privatschule in Spanien kein gutes Englisch. Das war uns immer unverständlich. Wir begrüßen auch das deutsche Schulsystem, das die Kinder zu selbstständigem Lernen und verantwortungsbewussten Handeln anleitet. Es bedeutet für unsere beiden zwar tatsächlich ein wenig Eingewöhnungszeit, wird ihnen aber im Erwachsenenleben auf jeden Fall zugute kommen.
10. Leckeres Brot
Ein beliebter Punkt bei Auswanderern ist das fehlende deutsche Brot. Gerade im angelsächsischem Raum, aber auch natürlich im mediterranen, ist gutes Brot, innen weich, außen krustig, schwer zu bekommen. Frühstück in Australien bedeutete für uns immer nur Toastbrot. Dazu der fehlende Aufschnitt. Nur Süßzeug allerorten, keine Auswahl an guter Wurst, leckerem Käse, Quark, Frischkäse, Fleischsalat, Mettwurst, Sülze, und so weiter. Wir zelebrieren unsere Brotzeiten jetzt auf jeden Fall, sei es am Wochenende am Morgen oder unter der Woche am Abend. Frische Brötchen mit gutem Aufschnitt – unbezahlbar!
Ich bin mir bewusst, dass wir uns immer noch in der Honeymoon-Phase befinden und alles ein wenig durch die rosarote Brille wahrnehmen. Natürlich ist nicht alles schön und perfekt in Deutschland. Zum Beispiel wissen wir, dass der Winter sehr lang werden wird. Dass es gerade einen schlimmen Rechtsruck gibt, der das Land spaltet. Dass es einem schwierig gemacht wird, ein schön scharfes indisches Curry in Berlin zu bekommen.
Aber seien wir mal ehrlich, Deutschland hat es weit gebracht. Es macht Spaß, hier zu leben. Es ist bequem und sicher. Und es gibt so viele Möglichkeiten.

3 Kommentare
Ach wie gut ich dich da verstehe! Ich glaube um diese Dinge zu verstehen muss man echt mal eine Weile wo anders gelebt haben.
LG aus Norwegen
Ina
Die meisten Punkte kann ich gut verstehen, auch wenn ich nie im Ausland gelebt habe, habe ich viel kontakt mit Menschen, die aus anderen Ländern migrierten oder auswanderten.
Bei den Fix Produkten kann ich aber nicht an mich halten meine Meinung zu sagen. Ich war in der Kindheit meiner drei Kinder meist zwischen 80-100% berufstätig und kenne die Problematik. Zu Bedenken gebe ich, dass es viele gute Gewürze im Bioladen gibt (in denen nur Kräuter, Gewürzpflanzen und Meesalz sind) und nicht jedes Gericht muss zwangsläufig mit einer Soße sein. Warum ich es wichtig finde Fix Produkte im Alltag von Kindern zu minimieren (was sie in der Schule vorgesetzt bekommen, wirst Du kaum beeinflussen können)? Meine Mutter war vor 50 Jahren eine Vorreiterin der modernen beufstätige Frau Ich habe sie noch nie ein Essen ohne Fixprodukte zubereiten sehen. Ihre Lieblinge natürlich Fix Suppen und Soßen sowie Fondor, Maggiwürze, eine Hefewürzpaste aus dem Reformhaus und für Salate und Quark-Schnittlauch-Brot ihre „Würzmischung 4“. Meine Mutter hat 6 Geschwister und mein Vater 12. Von diesen Geschwistern wurden wiederrum kinderreiche Familien gegründet. Es sind insgesamt enorm viele Verwandte und in all den lebenden Generationen hat Niemand auch nur irgend einen Krebs. Rein statistisch ist es also sehr unwahrscheinlich, dass Krebs in unserer Familie auftritt. Unwahrscheinlich aber nicht unmöglich: ich habe schon in jungen Jahren Darmkrabs bekommen. Und in den Folgejahren habe ich sehr viel mit Forschern aus einer Darmkrebsstudie der Uni Heidelberg gesproche und dort auch alles an Vorträgen gehört, was ich ermöglichen konnte und viele Bücher gelesen. Also um es kurz zu machen: es gibt nicht wirklich eine belastbare „wenn-dann“ Studie zu FixProdukten. Aber insgesamt waren alle Leute dort davon überzegt, dass es besser ist sie zu meiden. Es ist nur kaum möglich eine solche Ernährungsstudie durchzuführen (Geld, Patienten-die-über-Jahre-teilnehmen).
Deshalb bin ich sehr skeptisch und da man ja beim Essen außerhaus schon keinen Einfluss darauf hat, habe ich mich daheim dagegen entschieden.
Aber sonst bin ich total begeistert von diesem Blog, den ich erst heute entdeckt habe und freue mich schon auf viele tolle Berichte und Bilder! Und ich hab richtig Lust bekommen mal wieder nach Berlin zu fahren….
Liebe Grüße
Coreli
Hallo Coreli,
vielen Dank für deinen tollen Kommentar.
Ich wusste, dass die Maggi-Fix-Sache irgendwann jemandem schlecht aufstoßen wird. Es tut mir wirklich auch sehr Leid, dass du schon in jungen Jahren mit so einer schrecklichen Krankheit zu kämpfen hattest. Ich hoffe, du kannst den Krebs besiegen.
Ich stimme dir völlig zu, dass man vorsichtig sein muss mit jeder Art von verarbeitetem Essen, nicht nur Maggi Fix, sondern auch andere Fertigprodukte und kleine Küchenhelfer. Am liebsten würde ich mich auch nur mit vielen Salaten und Gemüse ernähren, aber bei uns hier in der Familie ist das leider nicht möglich. Ich habe zwei Kids, und wo das eine gerne auch mal neue Dinge ausprobiert und sich insgesamt sehr gesund und ausgewogen ernährt, ist das andere eher schwierig.
Vor allem Kartoffeln sind ein absolutes no-no – gebacken, gebraten, gekocht, gestampft, frittiert – keine Chance. Nudeln, Pizaa und Reis ist alles, was er ist.
Jetzt sagt man ja, dass man auch Kinder brechen kann, aber selbst der 10-Stunden-Tag in der spanischen Schule hat nicht dazu geführt, dass mein Sohn eventuell auch mal etwas probiert, was nicht offensichtlich aus Nudeln mit Tomatensauce besteht. Lieber kam er abends halb verhungert nach Hause, so dass er fast im Schulbus aus Unterzuckerung gekotzt hätte.
Nicht, dass er nur auf Süßes stünde, er isst kaum Schokolade oder Süßes, es ist eher so, dass er auf dicke Saucen mit Stückchen aus Hähnchen steht, und das ist so ziemlich alles. Mein Mann ist auch ziemlich speziell und isst wenig Gemüse, das ist also auch noch mal so eine Sache. Die meisten Tage stehe ich also in der Küche und habe die Wahl: Entweder ich koche etwas, was allen schmeckt, oder ich teile das Ganze auf und koche jedem das, was er mag. So, und da helfen diese kleinen Tütchen eben, um dem Kind mehr Abwechslung zu geben als Nudeln mit Tomatensauce, ohne dass ich dabei sechs Herdplatten anschmeißen muss und drei Gerichte gleichzeitig von vorne beginnen muss.
Es ist ein sehr großer wunder Punkt in meiner Familie und hat schon viele Tränen auf allen Seiten provoziert. Mein Mann hat schon gar keine Lust mehr auf „Familienessen“. Kinderkochbücher sind ein absoluter Witz, mein Sohn würde nichts davon anrühren. Ich bin mittlerweile über den Punkt hinaus, wo ich mir von außen ein schlechtes Gewissen einreden lasse (oder Lösungsvorschläge entgegen nehme). Ich bin aber auch nicht böse, dass du diesen Kommentar geschrieben hast.
Mein Sohn zählt zu den stursten Menschen, die ich kenne, ist sehr, sehr sensibel, was Geschmäcker, Geräusche, Nässe, usw angeht, und wenn ich versuchen möchte, dass wenigstens ein bisschen Gemüse über seine Lippen kommt, dann ist das halt der Weg, den ich gehe. Ich denke, jede Mutter tut das, was sie halt tun muss. Dazu zählt auch das Abwägen von Pro und Kontra und das Eingehen von Kompromissen. Ich habe früher echt gern gekocht, frisch, aber wenn ich dann alleine essen muss und um mich herum wird geheult und mir gesagt, dass ich mit Absicht was „Unleckeres“ koche, der Mann das Essen ebenfalls ablehnt, dann vergeht mir auch die Freude oder der Appetit.
Ich hoffe natürlich, dass sich sein Mäkelichkeit mit dem Alter legt, aber momentan ist er immer noch genauso wählerisch wie ein Vierjähriger, und dass, obwohl er schon viele andere Küchen kennengelernt hat (es liegt also nicht speziell an meinen Kochkünsten).
LG aus Berlin!