Setenil de las Bodegas ist nur eine Autostunde von den Touristenhochburgen Marbella, Malaga und Sevilla entfernt, und doch abseits der Touristenpfade. Das kleine andalusische Dorf mit seinen faszinierenden Höhlenwohnungen steht im Schatten seines weitaus bekannteren Nachbarn, Ronda. Doch das, wie ich finde, zu Unrecht. Denn Setenil hat so einiges zu bieten, nicht nur die sehr ungewöhnlichen Höhlenwohnungen.

Oben von der Burg aus kann man alle Winkel des stillen Ortes genau erkunden. Es ist kaum zu glauben, dass der international bekannte Touristenort Ronda nur wenige Kilometer entfernt ist.
Am Tag unseres Besuchs strahlen die weißen Häuser von Setenil de las Bodegas in der Provinz Cádiz so sehr um die Wette, dass es in unseren Augen schmerzt. Wir befinden uns am höchsten Punkt des Dorfes, dort, wo die Mauren einst eine Burg mit Blick auf den Río Trejo erbaut haben.
Auf den ersten Blick sieht dieses Dorf aus wie so viele andere in Andalusien. Ein Wasserfall aus weißen Häusern, der sich vom Fuße der Burg bis ins tiefe Tal ergießt. Rustikal, andalusisch, sonnig. Entlang der Wände leuchten rote Geranien in Töpfen, handbemaltes Keramik verziert die Dachgesimse, warmes Terrakotta bedeckt die Dächer. Und doch: etwas ist anders in Setenil de las Bodegas, dem Dorf unter dem Felsen.

Setenil de las Bodegas ist ein eher unbekanntes weißes Dorf in Andalusien, das aber eine ganz besondere Eigenheit aufzuweisen hat.
Inhalt
- 1 Das unbekannte Dorf, einen Tagesausflug von Sevilla entfernt
- 2 Setenil de las Bodegas: Ein Rundgang
- 3 Vor uns ergießt sich ein Meer aus weißen Häusern
- 4 Einblick in die ungewöhnlichen Höhlenwohnungen
- 5 Lebst du auf der Sonnen- oder auf der Schattenseite des Lebens?
- 6 Ein lohnenswertes Ausflugsziel in Andalusien
Das unbekannte Dorf, einen Tagesausflug von Sevilla entfernt
Was man auf den ersten Blick von hier oben nicht sehen kann ist, dass Setenil de las Bodegas ein Dorf mit Höhlenwohnungen ist. Ein bisschen so wie in der Gegend nördlich von Granada rund um die Stadt Guadix, aber doch ein wenig anders. Denn hier wurden die Höhlenwohnungen nicht komplett aus dem Stein geschlagen. Vielmehr ist es so, dass die Bewohner sich die natürliche Form der Felsen zunutze gemacht haben. Die Behausungen befinden sich nämlich in der Kuhle unter dem Felsüberhang entlang des Río Guadalporcún.
Eine einzigartige Art, mit der Landschaft zu verschmelzen, etwas, das man nur hier zu sehen bekommt. Und doch lebt Setenil de las Bodegas ganz unberechtigterweise im Schatten eines viel berühmteren Nachbarn. Die Stadt Ronda mit ihrer spektakulären Puente Nuevo wird Jahr für Jahr von Zehntausenden von Besuchern aus aller Welt aufgesucht. Doch nach Setenil de las Bodegas verirrt sich fast niemand.

Ein Rundgang durch Setenil geht nicht ohne Treppen und Steigungen; doch der Blick von den Terrassen der Burg ist die Mühe wert.
Setenil de las Bodegas: Ein Rundgang
Wir sind da anders. Wir ignorieren die Ausschilderung nach Ronda, nehmen die Abfahrt nach Setenil. Ein Dorf aus Licht und Schatten, von den luftigen Höhen der umgebenden Bergen, auf denen die Burg ruht, bis zu der tiefen Dunkelheit der Schluchten und Täler darunter.
Wir folgen den Hinweisschildern zum öffentlichen Parkplatz und lassen das Auto an einem sicheren Ort mit Blick auf die Stadt. Von hier sind es nur wenige Schritte bis zum Flussufer, von wo aus wir wieder den nächsten Berg hinaufklettern. Vorbei geht es an stillen Häuserfronten mit heruntergelassenen Jalousien und verschlossenen Türen.
Es sind kaum Leute unterwegs, und noch weniger Autos. Mit jeder Minute werden die Straßen scheinbar steiler, so typisch für viele der Dörfer in Andalusien. Wir nehmen die Stufen, folgen jeder Haarnadelkurve. Unsere Füße werden schwerer, unser angestrengter Atem hallt durch die leeren Straßen.
Wir befinden uns nicht einfach auf einem Spaziergang durch ein Dorf. Dies ist ein echter Work-Out. Mittlerweile bilden sich Schweißflecken auf unseren Rücken und wir müssen nach Atem ringen. Aber die ganze Anstrengung ist nicht umsonst. Natürlich werden wir angemessen belohnt. Vom höchsten Punkt in Setenil de las Bodegas aus können wir nun das weiße Häusermeer überblicken. In eleganten Kurven folgen die Straßen den Hängen der Berge, den Bewegungen des Flusses. Wie Pinselstriche auf einer Leinwand.
Vor uns ergießt sich ein Meer aus weißen Häusern
Wir sind nicht die einzigen Gäste an diesem Tag. Auch eine spanische Schulklasse hat Setenil als Ziel für ihren Klassenausflug auserkoren. Die Teenager nutzen die unerhörte Freiheit des Wandertags um zu flirten und herumzualbern. Auf den Terrassen über dem Ort verhandeln sie ihre Freundschaften neu, ausgelassen lärmend und lachend. Die bergige Landschaft trägt ihre Stimmen bis ans andere Ende des Dorfes. Die Bergwände verstärken ihre Stimmen, tragen sie weiter und immer weiter. Hier oben über den Dächern von Setenil, mit dem Ausblick auf Olivenhaine und staubige Hügel, fühlen wir uns alle leicht und befreit.
Von unserem sonnigen Platz an der Burg geht es zurück zum tiefsten Punkt in Setenil de las Bodegas. Wir kommen vorbei an Wohnhäusern, die mit den Felswänden zu verschmelzen scheinen. Ein wirklich ungewöhnlicher Anblick.
Und dann, am Ufer des Río Guadalporcún erreichen wir endlich die berühmten Höhlenwohnungen von Setenil. Keiner weiß so recht, wie alt diese Häuser sind und wie lange man schon in diesen Behausungen wohnt. Aber wird wohl davon ausgehen können, dass der Ursprung dieser Höhlenwohnungen Tausende von Jahren zurückgeht.

In einem der alten Höhlenwohnungen entdecken wir einen Souvenirladen mit Tellern und anderen typisch spanischen Andenken.
Einblick in die ungewöhnlichen Höhlenwohnungen
Die Häuser in Setenil de las Bodegas haben eine normale Fassade, und das ist es, was sie so besonders macht. Sie haben Türen und Fenster, sogar obere Stockwerke mit Balkonen und die Andeutung eines mit Keramikschindeln gedeckten Dachs. Doch im Gegensatz zu anderen Höhlenwohnungen sind dies Freiräume unter einem Felsvorsprung, die man mit einer Mauer nach außen hin abgeschlossen hat. Hinter den Häuserfronten haben die Bewohner dann oftmals noch tiefer in den Stein hineingegraben.
Wir betreten eines dieser Häuser am Fluss, dort, wo der Felsen tief über einer einspurigen Straße hängt. Früher war dies einmal ein Wohnhaus, aber heute kann man dort Keramik und Souvenirs kaufen, was wir auch prompt tun. Einige der Merkmale des ehemaligen Wohnhauses sind erhalten geblieben: So sehen wir noch die Reste einer Küche in einer Ecke des Ladens.

Seit Jahrtausenden leben die Menschen in Setenil in Höhlenwohnungen, die unter den Felsuntergang errichtet wurden.
Lebst du auf der Sonnen- oder auf der Schattenseite des Lebens?
Am Ufer des Flusses unterscheiden die Leute zwischen der sonnigen Seite und der schattigen Seite. Die Schlucht hier ist so tief, dass nur eine der beiden Uferseiten Sonnenlicht abbekommt. Diese Seite ist die wärmere im Sommer. In den Wohnungen macht das jedoch keinen großen Unterschied, denn in der Umarmung des Felsens herrscht immer die gleiche Temperatur. Wir überqueren eine kleine Fußgängerbrücke und finden einen Platz einem einer der Restauranttische am Flussufer. Wir sind auf der Sonnenseite von Setenil.
Man ist sich nicht so ganz sicher, was der seltsam lange Name Setenil de las Bodegas bedeutet. Der zweite Teil des Namens, “de las Bodegas” ist wahrscheinlich eine Anspielung auf die Weingüter, die sich einmal in der Gegend befunden haben. Der erste Teil des Namens, “Setenil”, könnte lateinischen Ursprungs sein. Vielleicht bezieht er sich auf die Burg oben auf dem Berg, die sich erst nach sieben Anläufen (“septimus”) erobern ließ. Es ist aber auch gut möglich, und sogar wahrscheinlicher, dass das Wort sich ableitet von den unterirdischen Kellern, in denen Wein gelagert wird.
Wie auch immer: Wir bestellen uns zwei Gläser Wein und ein paar Tapas und genießen unter dem Felsvorsprung die angenehme Stille außerhalb der Saison. Lange Ranken hängen über unseren Köpfen von der Felswand wie eine Gardine; es fühlt sich alles so herrlich sicher und geschützt an, so als würde der Schutz des Steines etwas sehr Primitives in uns wecken, uns Geborgenheit schenken, die wir sonst nur selten erfahren.

Im Schutz der Felsen finden wir unseren Tisch und genießen Tapas und Wein in ungewöhnlicher Atmosphäre.
Ein lohnenswertes Ausflugsziel in Andalusien
Setenil de las Bodegas mit seiner Maurenburg, seinen verwinkelten Gassen und den unter den Fels gebauten Höhlenwohnungen ist ein absolut lohnenswertes Ziel in Andalusien, fernab internationaler Touristenströme, die in großen Bussen vornehmlich nach Ronda gebracht werden.
Solltest du sowieso Ronda auf dem Schirm haben (hier ist ein detaillierter Bericht, was man wie in Ronda alles erleben kann), dann lässt sich Setenil mit dem Mietwagen ebenfalls gut hinten anfügen.
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