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Folkloremuseum in Mykonos

Wir brechen eine Lanze – für das Kleinstmuseum

  |   Europa mit Kindern, Griechenland   |   No comment

Um diesen Artikel zu beginnen, muss ich leider ein wenig ausholen. Sorry. Aber bitte klickt jetzt nicht gleich weg, sondern gebt mir ein, zwei Minuten, um mich zu erklären.

Als ich Anfang zwanzig war, verbrachte ich ein paar ziemlich unangenehme Monate im Norden Englands als Assistant Teacher. Aus verschiedenen Gründen erging es mit dabei ziemlich schlecht.

Doch trotz all der Misere, die meinem jugendlichen Übermut einen Stock zwischen die Beine gehauen hatte, gab es auch ein paar gute Dinge, die mir während dieser Zeit widerfuhren. Es gab liebe Leute um mich herum. Zum Beispiel gab es da einen Geschichtsstudenten von meiner Uni, der zu dieser Zeit nicht weit entfernt zufällig an der Manchester Uni aus Auslandssemester ablegte.

Zwar hatten wir in Bochum nicht besonders viel miteinander zu tun gehabt, aber wie das so ist – in der Ferne hält man zusammen. Und so traf ich ihn auch dreimal in Manchester. Mittlerweile habe ich zwar seinen Namen wieder vergessen, aber eine Sache, die er mir damals beibrachte, habe ich bis heute nicht vergessen.

Als Geschichtsstudent mochte er alle Arten von Museen. Aber es gab eine Art von Museum, die mochte er besonders. Das Museum, das du in kleinen Städten findest. Oder irgendwo auf dem Lande. Privat geführt und von einem Heer von Freiwilligen liebevoll betreut. Die Art von Museen, die nicht da sind, weil es einen großen Kultus-Topf gibt, sondern weil es Leute gibt, denen das Ausgestellte etwas bedeutet.

Bis dahin hatte ich an solche Orte nicht einen einzigen Gedanken verschwendet. Aber irgendwie hatte mein Bekannter recht. Diese Museen haben eine gewisse Magie. Die Leidenschaft, die man hier erfährt, der persönliche Touch, die vielen kleinen Einzelheiten, die in solchen Museum gesammelt werden, sind einzigartig.

Wohnzimmer

Ein kleines Juwel hinter einer unscheinbaren Fassade

Als wir vor ein paar Monaten auf Mykonos waren, fanden wir genau so ein Museum, wie ich gerade beschrieben habe. Und darüber möchte ich nun eigentlich in diesem Artikel reden. Ein kleines Juwel von einem Museum, das wir euch gern weiterempfehlen möchten, egal ob ihr allein oder mit Kindern unterwegs seid.

Das Folklore-Museum befindet sich direkt am Wasser in Mykonos-Stadt, so ziemlich auf halber Strecke zwischen dem Alten Hafen und Klein-Venedig. Von außen betrachtet sieht es aus wie ein typisches altes Haus dieser Insel – weiß gekalkte Mauern, bunt gestrichene Fensterrahmen und eine dicke Holztür. Doch innen, da sieht es so aus, als wäre die Zeit ganz einfach stehengeblieben.

Es ist super einfach, dieses Museum zu besuchen. Nicht nur ist es zentral gelegen, es ist zudem auch kostenlos. Selbst wenn ihr also nur fünf Minuten im Folklore-Museum verbringen wollt, ihr habt nichts zu verlieren. Allerdings bezweifel ich, dass es bei fünf Minuten bleiben wird!

Denn innen erwartet euch ein wunderschön erhaltenes griechisches Wohnhaus. Von oben bis unten vollgestopft mit lokalem Kunsthandwerk und typischen Alltagsobjekten – also alles, worauf die Mykonos-Bewohner mit Recht stolz sind. Klasse war auf jeden Fall der Freiwillige, der das Museum an diesem Tag betreute. So wie all die anderen Freiwilligen, die wir überall auf der Welt in Museen dieser Art angetroffen haben, war auch dieser Mann wie eine sprudelnde Quelle des Wissens. Zeigt ein wenig Interesse, und ihr erfahrt die wunderlichsten Dinge.

Private Tellersammlung

Ein ehemaliges Kapitänshaus, das uns viele Geschichten erzählen möchte

Und so erfuhren wir also, dass das Folklore-Museum von Mykonos ein ehemaliges Kapitänshaus ist. Das ist der Grund, warum es eher klein und nicht wie ein Museum gebaut ist, eher wie ein Wohnhaus. Das macht es irgendwie gleich weitaus interessanter und viel attraktiver. Direkt im Erdgeschoss gibt es zwei, drei Räume, die man sich ansehen kann, vollgestopft mit Möbeln aus dem 19. Jahrhundert. Hier findet ihr einen Wohnraum, ein Schlafzimmer und – unser Lieblingsraum in diesem Haus – eine Küche. Wohin man auch schaut, überall sieht man Stickdecken, Öllampen und Gemälde.

Die Zimmer im Folklore-Museum sind winzig, und die klobigen Antiquitäten scheinen auch den letzten Rest Platz voll einzunehmen. Auf der Insel geschaffene Kunst ziert die Wände, die Regalbretter biegen sich vor lauter Schnickschnack – alles aus der Sammlung des letzten Bewohners. Ein wenig verstörend wirkt da die Schaufensterpuppe, die auf einem der Ess-Stühle Platz genommen hat. Porzellanteller reihen sich aneinander und bedecken eine ganze Wand. In den Schubladen lagern Silbervotive der griechisch-orthodoxen Kirche. Augen und Münder und andere Körperteile, für die um schnelle Heilung gebetet wurde.

Die kleine Küche ist ganz einfach perfekt. Sie ist so authentisch eingerichtet, dass man denken könnte, die Hausfrau sei nur mal eben vor die Tür getreten. Dunkel und mit einem großen Herd, auf dem die Mahlzeiten für die Familie gekochten wurden. Am anderen Ende befindet sich ein kleines Fenster und dahinter das endlose Blau des Mittelmeers. Es steht offen, und so kann die kühle Meeresluft für ein bisschen Erfrischung an diesem heißen Sommertag sorgen. Ein kleiner geschlossener Balkon für das Aufbewahren von Lebensmitteln, eine hängende Box an der Decke, um Essen vor Mäusen sicher zu lagern, Töpfe und Pfannen und Töpfergut überall. Ein Waschbecken, das so hübsch geformt ist, dass man es glatt für eine römische Wandfontäne halten könnte.

Weitere Schätze erwarten uns im Kellergeschoss. Hier befindet sich ein uralter Brunnen. Er ist ein Überbleibsel eines venezianischen Forts, das sich einmal hier befunden hat. Jetzt hat man ihn Mermelechas-Brunnen getauft, nach einem bekannten einheimischen Piraten. Stellt euch mal vor, ihr hättet so einen Schatz in eurem Keller! Und wenn euch sowas auch interessiert (uns nicht so), im Keller befindet sich eine Modellschiffsammlung.

Küche

Kleine Museen sind wichtige Zeitzeugen

Ich schätze, was wir euch mit diesem Artikel sagen wollen ist, dass man so kleine Museen wie das Folklore-Museum auf Mykonos nicht einfach übersehen darf. Es ist so leicht, einfach an diesem Museum vorbeizulaufen ohne es richtig wahrzunehmen. Die Sache ist die: Wenn wir aufhören, uns für solche Dinge zu interessieren, werden sie irgendwann einmal verschwunden sein. Und das wäre wirklich schade. Nicht nur für uns, sondern auch für die folgenden Generationen.

Wenn ihr also demnächst nach Mykonos kommt, besucht auf jeden Fall auch mal dieses kleine Museum. Ein paar Minuten reichen, um dem Folklore-Museum den Respekt zu erweisen, den es verdient hat.

Das Folklore-Museum in Mykonos-Stadt ist täglich von April bis Oktober zwischen 16:30 und 20:30 geöffnet. Sonntag Ruhetag. Der Eintritt ist gratis, aber eine kleine Spende ist natürlich immer gern gesehen.

griechische WandleuchterSilbervotiveSchlafzimmerFleisch-SafeKeller mit BootsausstellungHolztür mit schönen SteinrahmenPiratenbrunnen

AUTHOR - miniglobetrotter

Hallo! Wir sind die Mini Globetrotter - eine 4-köpfige Familie, die es sich in Andalusien bequem gemacht hat. Wir glauben ganz fest daran, dass Reisen mit Kindern nicht nur machbar, sondern wichtig ist. Von unserer Basis in Málaga aus erkunden wir die Welt – von Australien über den Südpazifik bis nach Europa. Lasst euch inspirieren und plant euren nächsten Familienurlaub mit uns!

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