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Tarifa mit Kindern

Tarifa mit Kindern (mit einem Abstecher nach Bolonia)

  |   Spanien, Städtereisen mit Kindern   |   2 Comments

Das Licht, es war so anders auf der westlichen Seite von Andalusien. Wenn man auf der N-340 von Algeciras gen Westen fuhr in Richtung Tarifa, bemerkte man unterwegs kaum, dass sich um einen herum etwas veränderte. Die Übergänge waren kaum spürbar, so leicht. Und doch: Von einem Moment zum nächsten änderten sich die Farben. Das Klima wurde ein anderes, die Landschaft bekam einen neuen Anstrich. Von einem gemäßigten mediterranen Gefilde tauchten wir ein in die wilde und ungezähmte Umarmung des Atlantiks.

Im Sommer bedeutete dies ein Licht, das heller und strahlender war als anderswo. Aber jetzt im Dezember, da tobten die winterlichen Winde, und dunkle Wolken hefteten sich bedrohlich ans unendliche Firmament. Unser Spanien, wie wir es kannten und liebten, lag nun in unserem Rücken und wartete auf unsere Rückkehr am Abend.

Aber auf der westlichen Seite Andaluisens wurden wir bereits mit offenen Armen erwartet. Vor uns lag mit den Kindern ein ganzer Tag voller Spaß und Abwechslung, Freiheit und frische Luft. Alles gewürzt mit dem exotischen Ausblick auf den afrikanischen Kontinent auf der anderen Seite der Meerenge, eine dunkle Silhuette, die sich am Horizont ganz deutlich vom Blau des Ozeans absetzte.

Blick Richtung Afrika

Tarifa: Die Stadt mit den drei Gesichtern

Die Straße vor uns wandte sich in Schlangenlinien um die Südspitze Spaniens. Hier trafen zwei verschiedene Wetterfronten aufeinander, manchmal unvorhersehbar, manchmal gewaltvoll. Windfarmen fingen diese Energie ein. Die Windräder standen wie Leuchttürme auf den Kuppeln der einsamen Hügel mit Blick auf die Straße von Gibraltar. Nur noch eine letzte Kurve durch diese windgepeitschte Landschaft und dann, endlich, öffnete sich der Blick vor uns. Vor uns tat sich das breite Panorama des Atlantiks auf, ein endloser Strand und in der linken Ecke der Umriss der Stadt Tarifa.

Tarifa: Eine Stadt mit drei Gesichtern. Die einmalige Lage an der Südspitze Spaniens, die bewegte Geschichte, und die surferfreundliche Natur. Am offensichtlichsten dabei: Die Lage am Ende Europas, nur wenige Kilometer vom britischen Gibraltar entfernt. Wir parkten das Auto in der Nähe des alten Wachturms und machten ein Wettrennen mit den Kindern zur Isla de las Palomas. Eine Straße verband das Eiland mit dem Festland, trennte das Mittelmeer vom Atlantik.

Der Wind zerrte an unseren Anoraks, als wir uns der verlassenen Insel näherten. Hier befand sich einmal ein Militärgelände, und noch heute war die Insel Sperrgebiet. Zu unserer Linken konnten wir bis nach Marokko schauen – es war so nah, dass die Fähre nur 35 Minuten von hier benötigte. Zu unserer Rechten blickten wir auf einen endlosen Sandstrand mit weichem, weißen Sand, der sich bis zum Horizont erstreckte. Jetzt im Winter fanden wir hier zwar keine Badegäste, aber es gab ein paar Spaziergänger, Hundefreunde, Reiter auf Pferden.

Der winterliche Strand bei TarifaBlick auf die KarteDer Atlantik bei TarifaRückweg zur Stadt

Verlassene Gebäude und eine Geschichte der Eroberung

Ein Zaun hinderte ein Weitergehen, und so drehten wir wieder um und gingen zurück zur Stadt. Der nächste Teil unseres kleinen Abenteuers wartete bereits auf uns: Tarifas bewegte Geschichte.

Denn hier in diesem kleinen Ort gab es davon natürlich eine ganze Menge. Angesichts der strategisch günstigen Lage war das Land rund um Tarifa schon immer sehr begehrt gewesen. Wir gingen vorbei an einem alten Wachturm. Zwar eine moderne Konstruktion aus dem frühen 20. Jahrhundert, aber verschmückt mit typischen Mudejar-Elementen der arabischen Zeit wie Spitzbogenfenstern und runden Balkonen. Er ähnelte darin eher einem Palast als einem funktionalen Gebäude. Doch die hastig errichteten Mauern und die ruppig wirkenden Türen darin ließen uns nicht im Zweifel darüber, dass Besucher hier nicht erwünscht waren.

Ein gruseliger, verlassener Ort mitten in der Stadt, wo Möwen kreisten wie an einem verwunschenen Turm, mysteriös und voll unbeantworteter Fragen.

Der verwunschene Wachturm

Der geschichtsträchtigste Ort jedoch in Tarifa war die alte Burg von Guzman El Bueno. Dieser maurische Kasten war mehr als ein Tausend Jahre alt, doch seinen heutigen Namen bekam er von dem Mann, der Tarifa von den Mauren zurückerobert hatte. Dabei ging er so selbstlos vor, dass er sogar zum Wohl der Allgemeinheit seinen eigenen Sohn opferte.

Wir erkletterten die alten Burgmauern für einen herrlichen Ausblick auf den kleinen, aber geschäftigen Hafen. Blickten über die Straße von Gibraltar hinweg bis nach Afrika. Lange Containerschiffe durchkreuzten das Bild, fuhren mal hierhin, mal dorthin. Auf dem Gelände der Burg entdeckten wir mit den Kindern alte Kanonenkugeln und arabische Inschriften, bröselige Überreste jahrhundertealter blauer Fliesen rund um die Fenster, römische Fundamente unter dem Boden der Kapelle.

Guzman El BuenoBetreten der BurgKanonenkugelnReste von Jahrhunderte alten FliesenDicke Mauern der maurischen BurgDie Mini Globetrotter erkunden die Burg von Guzman El BuenoAusblick genießen über Tarifa

Eine Stadt voller Ecken und Kanten

Wir verließen die Burg von Guzman El Bueno durch den Hinterausgang und standen sogleich auf dem hübschen kleinen Plaza de la Ranita, dem Platz mit dem Froschbrunnen. Diese Frösche waren aus Keramik, teilweise zerbrochen, und sprudelten fröhlich Wasser in ein sternförmiges Becken. Wir entdeckten Treppen, die in die Altstadt führten und stiegen hinab in das familiäre Umfeld von engen Gassen und weißen Häuserwänden.

Tarifa war nicht wirklich eine schöne Stadt. Hier gab es viele Ecken und Kanten, leerstehende Gebäude mit kaputten Balkonen und zerbrochenen Fensterscheiben, bröckelndem Putz und verwittertem Holz. Vieles davon könnte sicherlich restauriert werden, aber wir liebten die authentische Atmosphäre. Man konnte Tarifa einen gewissen Charme nicht absprechen. Eine Stadt wie ein Rohdiamant. Von der abgesperrten Isla de las Palomas zum verwunschenen Wachturm und nun zur leicht verfallenen Altstadt, entdeckten wir viele Seiten einer sehr ehrlichen und nicht polierten Persönlichkeit, die sich um Äußerlichkeiten wenig scherte.

Und das hier war der dritte Grund, warum wir Tarifa an diesem Tag ins Herz schlossen: Trotz ihrer ganzen bewegten Geschichte war dies eine junge Stadt.

In Tarifa gab es eine lebendige Surfer-Kultur. Hippies und Surfer, Backpacker und junge Leute aus aller Welt strömten hierher für den Wind und die Wellen, und viele von ihnen blieben länger. Die Bars in der Altstadt verkauften Cocktails, die nach Sand und Salz klangen. In kleinen Geschäften wurden farbenfrohes Kunsthandwerk und Mode feilgeboten. Handgemalte Schilder priesen Waren in allen Farben des Regenbogens an. Vor den Toren der Altstadt warteten die modernen Geschäfte der großen Sport- und Surfermarken auf Kundschaft.

Der FroschbrunnenEin restaurierter BrunnenCharmantes Haus in der AltstadtBunter Hippie-LadenDie Altstadt AusgehmeileVerspielte Deko

Römische Ruinen vor traumhafter Kulisse

Wir kehrten zum Auto zurück und entschieden uns für einen letzten Stopp vor der Heimfahrt. Die römischen Ruinen von Baelo Claudia im Dorf Bolonia waren unser Ziel. Die wahrscheinlich am besten erhaltenen römischen Ruinen in ganz Spanien, eine komplette Stadt mit Bädern, einem Tempel, einem Forum, einem Markt und sogar einem kleinen Theater. Wir betraten den Ort durch das ultramoderne Besucherzentrum samt Museum, das sich perfekt in die Landschaft einfügte.

Unser Besuch war mehr wie ein entspannter Spaziergang im Park. Im Hintergrund toste die Brandung und kreischten die Möwen wie ein immerwährender Soundtrack. Die Mini Globetrotter liebten die vielen kleinen Details, die man auf dem Weg entdecken konnte. Die originalen Pflastersteine, den Einblick in die komplizierte Unterbodenheizung der Bäder, die kreisrunden Salinenpfannen zum Pökeln von Fisch. Die Offenheit der Lage, die salzige Luft, das Bergpanorama um uns herum, all dies wandelte unsere Geschichtsstunde in ein erfrischendes Erlebnis für die ganze Familie. Die Kinder rannten begeistert die Wege hinunter, immer auf der Suche nach neuen Entdeckungen, zeigten mal auf dieses, dann auf jenes.

Auf unserem Rückweg kamen wir ein letztes Mal an Tarifa vorbei. Der Wind hatte zugelegt, und es ging eine Steife Brise. Am Horizont entdeckten wir da auf einmal Hunderte von Gleitschirmen in der Luft. Wir legten einen kurzen letzten Stopp ein für diese Schirme und beobachteten entzückt ihren Tanz vor dem stürmischen Abendhimmel. Wie Noten auf einem Notenblatt spielten sie für uns in der Brise eine lautlose Symphonie, fröhlich und unbeschwert.

Ein perfektes Ende zu einem perfekten Tag auf der anderen Seite von Andalusien.

Baelo Claudia in Bolonia bei TarifaUrsprüngliches PflasterBlick über den MarktRömische Ruinen bei TarifaDie römische Stadt lag direkt am MeerGleitschirmfliegen am StrandFarbenfrohes SpielBuntes Farbenspiel am Himmel über Tarifa

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AUTHOR - miniglobetrotter

Hallo! Wir sind die Mini Globetrotter - eine 4-köpfige Familie, die es sich in Andalusien bequem gemacht hat. Wir glauben ganz fest daran, dass Reisen mit Kindern nicht nur machbar, sondern wichtig ist. Von unserer Basis in Málaga aus erkunden wir die Welt – von Australien über den Südpazifik bis nach Europa. Lasst euch inspirieren und plant euren nächsten Familienurlaub mit uns!

2 Comments
  • mexikanischgeplant | Dez 20, 2017 at 6:22 pm

    Was für ein schöner Blog! Ich bin gespannt, wohin es bei euch als nächstes geht. Danke für die tolle Inspiration!

    • miniglobetrotter | Dez 20, 2017 at 6:38 pm

      Vielen Dank fürs Feedback! Hat uns sehr gefreut, dass es dir gefallen hat 🙂

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