Blog

Herrliche maurische Elemente

Strahlender Schmuck der Erde… die Mezquita in Cordoba

  |   Spanien, Städtereisen mit Kindern   |   No comment

Nicht viele Orte in der Welt hinterlassen bei mir einen so bleibenden Eindruck, dass ich mir vornehme, auf jeden Fall noch einmal zurückzukehren. Die Mezquita in Cordoba, Kern des UNESCO-Weltkulturerbes “Das Historische Zentrum von Cordoba” ist so ein Ort. Worte reichen kaum aus, die Schönheit dieses Bauwerks zu erfassen. Sprachlosigkeit macht sich breit, wenn man versucht, Eindrücke festzuhalten.

Ohne Frage, die Mezquita ist ein unübertroffenes Beispiel menschlicher Schaffenskraft. Ein Meisterstück, so formvollendet und seiner Zeit voraus, dass selbst im fernen Deutschland eine Nonne um das Jahr 1000 herum schriftlich festhielt, es sei ein “strahlender Schmuck der Erde… überall von Reichtum glänzend”.

Herrlich ausgearbeitete Kuppel

Herrlich ausgearbeitete Kuppel.

Rückkehr zu einem unvergesslichen Ort

Nach 15 Jahren hatte ich es endlich geschafft: ich stand wieder vor den Toren der Mezquita von Cordoba. Doch weh, oh weh! Leider hatte ich vergessen, meine Hausaufgaben zu machen und zu schauen, ob wir auch das richtige Wochenende für einen Besuch mit der Familie ausgewählt hatten. Ich brannte nämlich darauf, den Kindern dieses wunderbare Bauwerk zu zeigen. Wo kann man den Mini Globetrottern besser die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Islam und Christentum zeigen?

Doch daraus wurde nichts. In Cordoba fand nämlich zur gleichen Zeit das Fest der Patios statt, und die Stadt war voll mit Besuchern und Reisegruppen. So verzichteten wir schweren Herzens mit Blick auf die überlange Schlange und nahmen uns vor, ein anderes Mal vorbeizuschauen.

Glücklicherweise bekam ich dann die Möglichkeit, die Mezquita doch noch nach kürzester Zeit zu besuchen. Zwar ohne Kinder, aber jetzt kann ich euch wenigstens zeigen, warum ich glaube, dass die Mezquita eine tolle Sehenswürdigkeit in Cordoba für Familien ist.

Wie ein Palmenhain in Syrien.

Wie ein Palmenhain in Syrien.

Ein bleibendes Symbol für die Geschichte einer Mischkultur Spaniens

So sehe ich das: Wenn es nur ein oder zwei Sehenswürdigkeiten gibt, die ihr euch in Andalusien anschauen wollt, dann sollte die Mezquita in Cordoba auf jeden Fall eine von den beiden sein. Denn, wie ich finde, die Mezquita ist einer dieser Orte, die einen ganz einfach nicht mehr loslassen.

Es sind nicht nur die gigantische Größe und die Ehrfurcht erregenden Dimensionen, die den Besucher hier umwerfen. Auch optisch macht das Gebäude mit seinem wilden Mix aus Baustilen was her. Es ist tatsächlich ein lebendes Symbol für das Nebeneinanderleben von Kulturen hier im Süden von Spanien, und das über Jahrhunderte hinweg. Also ein altbekanntes Thema, das wieder ungeahnte Brisanz hat.

Nicht zu vergessen: die Mezquita kommt ein wenig daher wie ein Kinder-Überraschungsei. Und so sollte man es auch den Kindern verkaufen. Die äußere Hülle eine islamische Mezquita, doch innen befindet sich eine ganze Kathedrale. Da fällt es einem schwer zu entscheiden, welches schöner ist.

Ein Altar mitten in der Gebetshalle.

Cordoba, das Zentrum der westislamischen Welt

Damit man die symbolische Bedeutung der Mezquita von Cordoba verstehen kann, muss man sich die Geschichte der gesamten Stadt einmal genauer anschauen.

Viele Jahrhunderte lang war Cordoba die Hauptstadt des Kalifats von Cordoba, das über einen großen Teil der iberischen Halbinsel herrschte. Damit ihr eine Vorstellung von der Größe und Bedeutung der Stadt bekommt: die moderne Stadt heute hat eine Einwohnerzahl von ca. 300.000. Zur Zeiten der muslimischen Herrschaft lebten mindestens zweimal so viele Menschen in der Stadt. Manche Experten gehen sogar von knapp einer Million Einwohnern aus. Cordoba war also zur Jahrtausendwende eine der größten Städte der Welt.

Während zu diesem Zeitpunkt Städte wie London und Paris noch dreckige Dörfer mit schlammigen Straßen und windschiefen Häusern waren, strahlte der Glanz von Cordoba schon über Ländergrenzen hinweg. Dies war das weltweite Zentrum für Medizin und Wissenschaften. Drei Religionen lebten nebeneinander in einem Klima angespannter Duldung. Juden und Christen waren zwar Bürger zweiter Klasse, aber wenigsten wurden sie nicht verfolgt oder ausgebeutet, wie es so oft in anderen Gemeinschaften der Fall gewesen war.

Die Fundamente der Mezquita wurden in diesem politischen Klima und mit diesem kulturellen Hintergrund gelegt. Sie steht heute an einer Stelle, die schon seit Menschengedenken für religiöse Zwecke verwendet worden war. Selbst als die ersten Grundsteine 784 gelegt wurden, stand hier immer noch eine kleine Kirche. Viele Jahre lang beteten Christen und Muslime sozusagen Seite an Seite. Leider wird den Muslimen heute diese Möglichkeit versagt, denn die Mezquita ist nur noch den Christen geweiht.

Die Säulen entstammen römischen Ruinen aus Iberien

Die Säulen entstammen römischen Ruinen aus Überein.

Spaziergang durch einen antiken Säulenwald

Ich betrat das Bauwerk durch den hübschen Orangenhof und arbeitete mich Schritt für Schritt durch die prächtige Halle vor. In einem meiner Reiseführer wurde vorgeschlagen, die Begehung entgegen des Uhrzeigersinns zu machen, da man so quasi durch die verschiedenen Epochen des Gebäudes hindurchwandelt. Es gibt vier Bauphasen, jede von ihnen einzigartig und ganz nach dem Geschmack der jeweiligen Herrscherklasse, die ja Stifter und Initiator der Bautätigkeiten gewesen waren.

Am auffälligsten und gleichzeitig ein Wahrzeichen der Mezquita und damit der gesamten Stadt Cordoba sind die 856 Säulen mit ihren rot-weiß gestreiften Rundbögen. Ältere Bögen sind dabei aus zwei verschiedenfarbigen Steinen gefertigt worden, aber die jüngeren Versionen sind ganz einfach in den zwei Farben angemalt worden. Das sieht man halt sehr gut, wenn man die Halle richtig herum abgeht. Die Streifen wurden vielleicht in Anlehnung an das Design im Felsendom ausgewählt. Poetischer klingt es jedoch, wenn man behauptet, die Streifen sollen dem Besucher vorgaukeln, er würde durch einen Palmenhain in Syrien schreiten. So beschrieb es jedenfalls vor langer Zeit einmal jemand, der die Mezquita besucht hatte.

Die Säulen zählen zu den ältesten Gebäudeteilen der Mezquita. Sie sind von den Römern gefertigt worden und kommen von den verschiedensten antiken Stätten auf der iberischen Halbinsel. Die Herrscher hatten sie seinerzeit aus den Ruinen zusammengeklaubt und den Bauherren gestiftet. Daher sieht jede Säule einzigartig aus. Onyx wechselt hier mit Marmor und Granit, und selbst die Höhen sind unterschiedlich. Dies verleiht der Säulenhalle einem leicht verspielten Ausdruck.

Doch trotz der Unterschiede – die Säulen brechen den großen Raum in regelmäßige Abschnitte auf, so dass Sichtachsen entstehen. Die Halle wirkt dadurch weniger bedrohlich, denn man findet sich in kleinen Miniräumen wieder, die bei der Orientierung helfen.

Doch die enorme Bedeutung des Bauwerks tritt nicht nur anhand der überdimensionierten Proportionen zutage. Auch die Materialien, die für den Bau und die Ausgestaltung verwendet wurden, waren sorgfältig ausgewählt worden. Wo auch immer man blickt, fallen einem Dekorationen aus Gold, Elfenbein, Silber und Kupfer auf. Eins der schönsten Elemente der Moschee ist aufgrund ihrer überladenen Ausgestaltung wohl der Mihrab-Durchgang. Wahrscheinlich eines der schönsten Dinge, die ich jemals in meinem Leben gesehen habe.

Die gold glänzende Mihrab-Nische

Die gold glänzende Mihrab-Nische.

Die Umdeutung der Mezquita nach dem Fall des Kalifats

Die Herrschaft der Mauren endete in Cordoba im Jahr 1236, als die von den katholischen Königen angeführte Reconquista auch diesen Teil des Landes erreichte. Ferdinand III von Kastilien war von einem Tag auf den anderen der neue Besitzer des Bauwerks. Vier Jahrhunderte lang war es Gebetsraum, Schule und Gerichtssaal in einem gewesen. Schnell wurde die Moschee umgeweiht und zu einer katholischen Kirche umfunktioniert. Adlige Familien des Umgebung setzen mit ihren Seitenkapellen der Mezquita ihren Stempel auf. Glücklicherweise geschah dieser Wandel nicht so drastisch wie er hätte passieren können. Selbst heute noch sind viele original islamische Elemente deutlich sichtbar.

Nichtsdestotrotz finden sich zahlreiche christliche Elemente in diesem Gebäude. Alle scheinen mit den maurischen Hinterlassenschaften um die Wette zu eifern. Jede der einzelnen Seitenkapellen zum Beispiel sind ein Meisterwerk, das für sich selbst stehen könnte. Die Königliche Kapelle jedoch ist die schönste von allen. Leider liegt sie hinter hohen Mauern verborgen und nur die Lücken hoch oben lassen beim Blick auf die prächtig ausgearbeitete Kuppel im Mudejar-Stil erahnen, was sich hinter den Mauern wohl verbergen muss.

Ihr sucht noch nach erstklassigen familienfreundlichen Unterkünften im Zentrum von Cordoba? Schaut euch doch einmal diese beliebten Hotels in der Nähe der Mezquita an und helft diesem Blog, indem ihr uns einen Teil der Buchungskommission durch Buchung über den Link zukommen lasst. Vielen Dank! (Affiliate-Link).

Eine Kuriosität: Die Kirche in der Moschee

Der seltsamste Teil des Bauwerks ist jedoch die Renaissance-Kathedrale, die man direkt in ihrer Mitte förmlich eingepflanzt hat. König Karl V hatte den Bau veranlasst, war dann aber vom Ergebnis ziemlich enttäuscht. Auch wenn die Kathedrale zweifellos beeindruckend und schön ist, fand der König, dass etwas so Einzigartiges wie die Mezquita nun von etwas so Gewöhnlichem wie der Kirche heruntergezogen würde.

Da hatte er sicherlich nicht ganz unrecht. Zwar haben sich die Baumeister der Kathedrale zweifellos sehr viel Mühe gegeben, und für sich genommen ist auch dieses Bauwerk eine kleine Meisterleistung. Jedoch ist die Respektlosigkeit, mit der diese Kathedrale mitten in die Mezquita gebaut wurde, schon kaum mehr zu übertreffen.

Auf der anderen Seite kann man es aber auch so sehen: Die Hinzugabe eines katholischen Gebäudes innerhalb einer muslimischen Hülle zaubert schon so etwas wie Magie zu diesem Ort hinzu.

Die Renaissance-Kathedrale

Die Renaissance-Kathedrale ist leider etwas gewöhnlich geraten.

Ein Symbol und gleichzeitig Metapher für die Menschheit

Die Mezquita, wie wir sie heute vor uns finden, die maurische Basis mit dem katholischen Flickenwerk kleiner Kapellen und der großen Kathedrale in der Mitte, ist tatsächlich ein Symbol für Südspanien. Und dabei ist sie noch viel mehr.

Sie ist eine Metapher für die Menschheit. Die launische Natur der menschlichen Zivilisation. Die unglaublichen Höhen, die die menschliche Willenskraft erreichen kann. Die allgemein gültigen Annahmen von Schönheit und die Liebe zu einem Gott. All dies kommt an diesem einen Ort zusammen.

Wichtige Infos

Während ich diese Zeilen schreibe, kostet der Eintritt zur Mezquita EUR 10,00 pro Erwachsenen. Kinder unter 10 Jahren haben freien Eintritt, und Kinder bis 14 Jahre zahlen den halben Preis. Geführte Touren durch das Gebäude beginnen bei EUR 40,00 pro Person. An Sonntagen ist die Mezquita nur beschränkt zugänglich, deshalb schaut besser vorher nach und plant dementsprechend. Tickets sind bis zu 30 Minuten vor Schließung an der Kasse erhältlich. Kostenloser Eintritt zwischen 8.30 Uhr und 9.30 Uhr morgens.

Das könnte euch auch interessieren

Cádiz für einen Tag: Andalusien mit Kindern entdecken

Der vergebliche Versuch, der Semana Santa zu entkommen

Eine Rückkehr nach Ephesos

 

AUTHOR - miniglobetrotter

Hallo! Wir sind die Mini Globetrotter - eine 4-köpfige Familie, die es sich in Andalusien bequem gemacht hat. Wir glauben ganz fest daran, dass Reisen mit Kindern nicht nur machbar, sondern wichtig ist. Von unserer Basis in Málaga aus erkunden wir die Welt – von Australien über den Südpazifik bis nach Europa. Lasst euch inspirieren und plant euren nächsten Familienurlaub mit uns!

No Comments

Kommentar verfassen

Abonniere unseren Newsletter!

Tipps, Tricks und Geschichten zu Familienreisen nah und fern. Gewürzt mit tollen Bildern und gespickt mit vielen eigenen Erfahrungsberichten.

Lass dir die neuesten Artikel wöchentlich per E-Mail zuschicken. Wir versprechen, das bleibt unter uns ;)


Impressum/Datenschutz

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen