Blog

Kirche in Plaka

Ruinen, Wachwechsel und die Plaka: Ein Rundgang durch Athen

  |   Europa mit Kindern, Griechenland, Nur zu Zweit, Städtereisen mit Kindern   |   No comment

Ich bin mir nicht so ganz sicher, was wir eigentlich von Athen erwartet hatten. Wir legten mit dem Kreuzfahrtschiff letzten Sommer hier an auf der Suche nach klassischen Schätzen und griechischem Flair. Wir erwarteten Tonnen von Geschichte. Schließlich ist Griechenland ja die Wiege der modernen Zivilisation.

Unsere Erwartungen orientierten sich dabei besonders an dem, was wir bereits in Rom erlebt hatten. Ruinen und Säulen an allen Ecken, bröckelnde Fassaden und eine verwinkelte Altstadt mit verwirrendem Straßenverlauf und jede Menge Leben. Wenn man mal bedenkt, dass Athen ja um so einiges älter ist als Rom, könnte man ja annehmen, dass Athen so etwas wie Rom sein sollte, nur besser. Falsch gedacht!

Denn als wir mit dem Bus ins Stadtzentrum fuhren, entlang breiter Hauptstraßen mit dem zu erwartenden Verkehr, wurde uns schnell klar, dass Athen doch vor allem eins war: eine moderne Stadt. Aber modern nicht im positiven Sinne. Nicht, dass ihr jetzt denkt, hier finden sich gläsernde Luxustempel, die bis hoch in den Himmel ragen. Es sind vielmehr die 60er Jahre Bürokomplexe und billigen Wohnblöcke, die in Athen überwiegen. Gesichtslos, langweilig, lieblos zusammengezimmert, verblichen, enttäuschend hässlich.

Athen ist eine moderne Stadt, aber es gibt auch ein paar gute Ecken

Wenn man mal genauer darüber nachdenkt, dann ist es nicht verwunderlich, dass diese Stadt weniger historische Bausubstanz aufzuweisen hat als Rom. Man bedenke zum Beispiel mal die vielen Erdbeben in der Region. Aber auch der Fall der Antike, der ständige Wechsel von Herrschergeschlechten. Diese Dinge gehen nicht ohne Krieg und Zerstörung vonstatten. Hinzu kommt noch eine notorisch schlechte wirtschaftliche Situation, und schon hat man eine Stadt, deren Straßenbild dominiert wird von langweiligen Häuserfassaden und funktionalen Geschäftsgebäuden.

Nach der anfänglichen Enttäuschung ließen wir uns aber dann doch auf das Abenteuer ein. Sicherlich gab es immer noch viel zu entdecken, was auf die einstiege Pracht dieser ehemals bedeutenden Metropole hinweisen würde.

Unser Stadtrundgang ohne die Kinder durch das Athener Stadtzentrum führte uns entlang einzigartiger Ruinen und angemessener moderner Interpretationen. Wir erkundeten auch die reizende Altstadt Plaka mit ihren zahlreichen Geschäften und Restaurants.

Folgt uns auf unserem Erkundungsgang durch die griechische Hauptstadt, die am Ende doch viel interessanter war als wir es am Anfang für möglich gehalten haben!

Metrostation Syntagma-Platz

Metrostation Syntagma-Platz

Das Gute an Athen ist, dass man relativ preiswert herumkommen kann. Noch dazu kann man einige Wunder der Antike für umsonst besichtigen, wenn man sich auf das Abenteuer U-Bahn in Athen einlässt. Wer zum Beispiel mit dem Kreuzfahrtschiff in Piräus ankommt, der zahlt nur EUR 1,40 für die Fahrt ins Stadtzentrum. In Australien, wo wir derzeit wohnen, können wir von solchen Preisen nur träumen. Und wie gesagt: Nebenher kann man auch noch ein paar antike Schätze bewundern, denn die Metrostation Syntagma-Platz hat da so einiges ausgestellt.

Dabei muss man noch nicht einmal ein Ticket lösen. Einfach mit der Rolltreppe unter die Erde fahren und fertig. Was hier ausgestellt wird, ist was die Arbeiter während der Bauarbeiten an dieser Stelle gefunden haben. Und da wir uns mitten im Stadtzentrum befinden, ist die Ausbeute ziemlich beachtlich.

Da gibt es in dieser ultramodernen Metrostation Begräbnisstätten und Hausfundamente hinter dicken Glasscheiben, Amphoren und Gefäße, Bodenmosaike und vieles mehr. Alles sorgfältig aufbereitet und aufbewahrt in Glasvitrinen, ganz so wie in einem Museum. Und alles umsonst – vorbeischauen lohnt also!

Posen mit der Nationalgarde

Griechische Parlamentsgarde

Ach ja, der Wachwechsel. Wenn ihr den Wachwechsel in London kennt, dann kennt ihr wohl bereits das aufwändigste und spektakulärste Wachwechselerereignis auf der Welt. Niemand, aber wirklich niemand kann da den Briten das Wasser reichen. So elegant, so understated, so klassisch. Welch Gegensatz zu dem Wachwechsel, den wir vor dem griechischen Parlament bewundern durften.

Mal ganz ehrlich: die Uniform ist schon ein bisschen ein Witz. Sorry, aber schaut euch mal die Pompoms auf den Schuhen an. Und die schwarzen Hosenbänder mit den dicken Quasten über weißen Strumpfhosen. Die Jacke, die wie ein Rock endet. Diese schwarze Schärpe, die von der roten Kappe hängt wie ein langer Seiten-Pferdeschwanz.

Aber das ist noch lange nicht alles. Wenn ihr mal Zeit habt, schaut euch die minitiös choreographierte Wachwechselzeremonie an. Diese findet einmal die Stunde vor dem Denkmal des Unbekannten Soldaten statt. Ohne Sinn und Verstand folgen die Evzones einem strengen Ritual, das aus Stechschritten, Rückwärtsschritten, Tapdance-Schritten und sinnlosem Gewehrschwingen besteht.

Griechischer Wachwechsel

Der lustigste Wachwechsel der Welt

OK, wir wollen jetzt wirklich niemandem auf die Füße treten. Aber mal rein objektiv betrachtet, dieser griechische Wachwechsel wirkt einfach nur lustig. Und man muss sich echt fragen: war es Absicht? Wenn man mal näher darüber nachdenkt, die Griechen wurden in früher Neuzeit von zahlreichen ausländischen Königen regiert. Vielleicht hat man sich da gedacht, jetzt zeige ich euch mal, wer hier der Herrscher ist. Ich führe jetzt einen Wachwechsel ein, der so irre aussieht, dass ihr einheimisches Volk nur noch staunen könnt!

Sei es wie es sei, die Auffnahme in die Präsidentenwache ist eine tolle Sache für junge Griechen und eine große Ehre. Und einfach ist es auch nicht, diese Aufgabe auszuführen. Während der einstündigen Wache wird stillgestanden. Und wenn wir sagen “stillgestanden”, dann meinen wir das auch so. Eine Fliege auf der Nase, dumme Touristen, Schweiß im Auge – einfach ignorieren und bloß nicht bewegen. Stellt euch das mal vor: 2010 wurde ganz in der Nähe dieser Stelle eine Bombe entdeckt. Die beiden Wachmänner weigerten sich, ihre Position zu verlassen, selbst als die Bombe dann hochging.

Die zwei Wachleute werden übrigens von einem Oberst betreut, der sich zum Glück bewegen darf und zur Not aushelfen darf. Wenn einer der Soldaten ein Problem hat, klopft er mit dem Gewehr auf den Boden. Der Oberst tritt daraufhin näher und inspiziert den Wachmann. Da er sich ja nicht bewegen kann, darf er auch nicht reden. So muss der Oberst durch genaues Hingucken selbst herausfinden, was das Problem sein könnte, was sicherlich nicht immer einfach ist.

Als wir dabei waren, entschied sich der Oberst, überhaupt nicht zu helfen. Er starte nur in das Gesicht des leidenden Wachmanns, der angestrengt mit den Augen blinzelte (wohl Schweiß in den Augen). Dann beschloss er sich, diesen aus kurzer Entfernung einmal kräftig anzubrüllen, er solle sich nicht so anstellen. Schließlich schritt er von dannen zu seinem kleinen Wärterhäuschen und überlies den Wachmann seinem Schicksal.

See im Nationalgarten

Nationalgarten und das Regierungsviertel

Vom Parlament aus gingen wir zum benachbarten Nationalgarten. Eine super Abkürzung, wenn man einen kurzen Blick auf die Regierungsgebäude auf der anderen Seite werfen will. Vor dem Eingang fanden wir einen kleinen Imbiss-Stand, der süße Brotkringel mit Sesam verkaufte: Koulouria. So lecker! Ein toller Morgensnack, der nicht nur preiswert, sondern auch leicht und seltsam süchtig machend war.

Der Nationalgarten war das Erbe einer waschechten deutschen Prinzession und Königin. Amelie von Oldenburg war die Frau von König Otto, der Mitte des 19. Jahrhunderts Griechenland regierte. Leider ließen sich die königlichen Pläne der Dame nie so richtig umsetzen, denn viele Pflanzen gingen prompt in dem harschen griechischen Sonnenlicht wieder ein. Und trotzdem ist die Anlage ziemlich gut gelungen. Wäre da nicht die Finanzkrise, die die öffentlichen Gelder hat versiegen lassen.

Die Pflege des Gartens schien leider auf ein Minimum zurückgeschraubt worden zu sein. Der See war von einem brackigen Braun, die Wegeinfassung bröckelte, und die öffentlichen Toiletten… nun ja.

Kreisrunder Innenhof im Zappeion

Doch nicht alles ist verwahrlost

Immerhin hat der Nationalgarten ein Prunkstück in seiner Mitte vorzuweisen. Das Zappaieon ist ein neoklassischer Hallenbau, der sich ganz prima in das moderne griechische Thema einfügt. Früher fanden hier vor-moderne Olympische Spiele statt (also nicht die antiken), heute ist es eine Veranstaltungshalle für die verschiedensten öffentlichen Anlässe.

Ein Blick ins Innere zeigt einen herrlichen offenen Innenhof, der kreisrund von Säulen umschlossen wird. Die Malerei an den Decken ist farbenfroh und frisch, die Architektur insgesamt wunderschön harmonisch.

Am östlichen Parkausgang warfen wir auch noch einen kurzen Blick auf die Wirkungsstätte des griechischen Präsidenten und die ehemalige Königsresidenz. Beides war von zahlreichen Sicherheitskräften umstellt: Polizisten, Wachleute, Agenten in schwarzen Anzügen, Militärpolizei – alles war vertreten.

Panathinaiko-Stadion

Das Panathaiko-Stadion

Nur einen Katzensprung entfernt fanden wir das Panathaiko-Stadion. So neu und modern und hübsch, dass es ganz sicherlich nicht mehr als Ruine durchgehen konnte. Es befand sich jedoch genau dort, wo die alten Griechen ihre Spiele abhielten. Bis ins 19. Jahrhundert hinein konnte man das Original auch noch sehr gut erkennen. Für die modernen Olympischen Spiele wurde das Stadion dann mit einem modernen Replikat überbaut. Erstaunlicherweise komplett in Marmor.

Auffällig ist die längliche Form des Stadions – damals liefen die Läufer nämlich immer nur geradeaus und nicht im Kreis. Das kann man ganz deutlich an der Form noch heute erkennen. Während der Olympischen Spiele 2004 wurde hier nicht ganz zufällig das Bogenschießen abgehalten.

Olympeieon in Athen

Tempel des Olympischen Zeus

Wenige Schritte weiter, und wir befanden uns vor den Toren eines weiten leeren Feldes. Hier stand einmal der gigantische Tempel des Olympischen Zeus, auch Olympieion genannt. Ein weiterer Zeitzeuge, der ganz klar vor Augen führt, was die Jahrhunderte dieser Stadt angetan haben.

Früher einmal, da war dieser Tempel der größte seiner Art in der klassichen Welt. Heute stehen nur noch eine Handvoll Säulen. Man braucht schon ziemlich viel Fantasie, um das Ganze wieder einigermaßen zusammenzupuzzeln.

Wie bereits oben erwähnt, hat Athen über die Jahrhundert hinweg eine Menge Pracht durch Krieg und die Naturgewalten verloren. Dies wird besonders deutlich beim Zeustempel. Zerstört durch Barbareneinfälle im 3. Jahrhundert, nutzten es die Athener lange Zeit als Steinbruch. Erdbeben und Stürme taten dann ihr Übriges. Leider hielt es keiner für eine gute Idee, den Tempel wieder aufzubauen, und so gleicht das ganze heute mehr einem Ruinenfeld als einer pompösen religiösen Stätte.

Ein paar Schritte weiter und wir waren beim Hadrianstor. Kein echtes Tor, sondern nur ein Triumphbogen, und dafür ein ganz schön mickriges. Zwei Etagen, eine dünne Wand, ein paar Säulen, das wars. Nicht, dass es in der Antike irgendwie anders ausgesehen hätte. Auch damals schon war nicht viel mehr dran am Hadrianstor als heute.

Leider hilft es nicht, dass die Athener um das Ding einen rostigen Zaun gezogen haben, und die Straße fügt auch keine Romantik hinzu. Aber immerhin hat man von hier aus einen guten Blick auf die herrliche Akropolis.

Alte Kirche in Plaka

Plaka – die Athener Altstadt

Wir folgten der Richtung des Tores und betraten die Athener Altstadt, auch Plaka genannt. Die Plaka war ganz einfach zu finden, man musste sich nur an der Akropolis orientieren.

Vorbei waren die luftigen Weiten der Gärten und des Regierungsviertels. Schnell tauchten wir in ein Labyrinth aus engen Gassen, Treppen und kleinen Geschäften ein. Ein Traum für jeden, der gern auf Schnäppchenjagd geht, denn hier konnte man alles erstehen: Lederwaren, lustige T-Shirts und provokante Souvenirs reihten sich aneinander.

Nach und nach änderte sich jedoch die Auslage, als wir uns der beeindruckenden Kathedrale näherten, der Mitropolis. Nun fanden wir faszinierende Schaufenster voll Roben, Hütten, Silber, Kronleuchtern und Ikonen.

Wie im gesamten Mittelmeerraum ist die Kathedrale natürlich Zentrum des öffentlichen Lebens, und so schien jeder um uns herum eine eigene Meinung zur ihrem Aussehen zu haben. Die kürzlich vollendete Restaurierung gefällt jedenfalls nicht jedem. Teilweise mussten wir den Kritikern Recht geben. Uns erschien die Mitropolis zu poliert, zu sauber und zu kalt. Irgendwie fehlten Charme und Charakter.

Besonders, wenn man die kleine Kirche direkt daneben näher in Augenschein nimmt. Die Panagia Gorgoepikoos ist eine viel kleinere, viel ältere Kirche. Ein echter Zwerg neben dem modernen Prachtbau. Jedoch viel organischer, viel lebendiger, viel intimer als der imposante Bau deneben.

Wir schlossen unseren Tag in Athen ab mit einem Besuch des Flohmarkts. Ein perfekter Ort, um alles Mögliche zu finden, von Antiquitäten zu alten Musikinstrumenten zu Spielzeug und Münzen. Ein herrlicher Abschluss unseres Rundganges, der uns träumen ließ von längst vergangenen Zeiten, dem Zauber der Geschichte und dem Klang verstummter Zeitzeugen.

Wir haben Athen als Teil einer Kreuzfahrt erlebt. Der Vorteil, wenn man mit Kindern reist, ist dabei der: Man kann Landgänge auch ohne Kinder unternehmen, so dass Hitze, Menschenmengen, exotisches Essen und Schlangenstehen auf einmal gar kein großes Problem mehr darstellt. Dies sind nur ein paar Punkte, warum wir als Familie gute Erfahrungen mit Kreuzfahrten gemacht haben. Mehr Info findet ihr hier.

Das könnte euch auch interessieren:

Warum ihr die Akropolis besser nicht besichtigen solltet

Wo Ägeus sich ins Meer stürzte und Lord Byron in Melancholie verfiel

Mykonos: 46 Reisebilder zum Träumen

Weitere Griechenland-Artikel

Hier sind noch einige weitere Fotos von unserer Athen-Tour:

Fundstücke in der MetrostationSäulengangDeckendetail im ZappeionZappaeionHadrianstorreligiöse WarenPassage in Plakat Nähe KathedraleGeschäft mit KirchengutKleine MitropolisMitropolis in AthenDetail KathedraleGalerie in der KathedraleInnenraum der KathedraleStatue eines Byzantinischen EroberersBlick über Ruinen in AthenMünzen auf dem FlohmarktAltes Schaukelpferd auf dem FlohmarktAnzügliche Souvenirs in Griechenland

AUTHOR - miniglobetrotter

Hallo! Wir sind die Mini Globetrotter - eine 4-köpfige Familie, die es sich in Andalusien bequem gemacht hat. Wir glauben ganz fest daran, dass Reisen mit Kindern nicht nur machbar, sondern wichtig ist. Von unserer Basis in Málaga aus erkunden wir die Welt – von Australien über den Südpazifik bis nach Europa. Lasst euch inspirieren und plant euren nächsten Familienurlaub mit uns!

No Comments

Kommentar verfassen

Abonniere unseren Newsletter!

Tipps, Tricks und Geschichten zu Familienreisen nah und fern. Gewürzt mit tollen Bildern und gespickt mit vielen eigenen Erfahrungsberichten.

Lass dir die neuesten Artikel wöchentlich per E-Mail zuschicken. Wir versprechen, das bleibt unter uns ;)


Impressum/Datenschutz

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen