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Blick von der Strandpromenade

Postkartenromantik in Positano an der Amalfiküste

  |   Europa mit Kindern, Italien, Kreuzfahrten, Nur zu Zweit   |   3 Comments

Wenn euch eure Kreuzfahrt auch nach Neapel führt, dann werdet ihr euch vor Ausflugsideen kaum retten können. Natürlich ist eine der faszinierendsten Ausgrabungsstätten, nämlich Pompeji, ganz in der Nähe. Und dann gibt es auch noch die wunderschöne Amalfiküste mit ihren reizenden italienischen Dörfern und Städtchen. Zu guter Letzt werden auch noch Touren auf die Insel Capri angeboten, die direkt vor der Küste liegt und natürlich auch ihren ganz eigenen Charme hat.

Wir dachten uns jedoch, mal etwas ganz anderes zu versuchen. Wir wollten die Unterwelten Neapels näher kennenlernen und meldeten uns für die entsprechende Exkursion an. Neapel ist natürlich nicht die offensichtliche Wahl bei so vielen anderen Verführungen, denn die Stadt hat sicherlich nicht ohne Grund den Ruf, eine der gefährlichsten Europas zu sein. Doch wir wollten mal etwas ganz anderes erleben und wählten daher die einzige Tour im Programm aus, die eben nicht nach Pompeji fuhr.

Wie sich dann aber herausstellte, wurde unser Geschmack nicht von besonders vielen Mitpassagieren geteilt. Unser Ausflugsziel wurde gecancellt und wir mussten uns spontan umentschieden. Am Ende wählten wir also doch eine von den 25 Touren aus, die nach Pompeji gingen.

Natürlich waren wir deswegen ein wenig enttäuscht. Pompeji war sicherlich ein lohnenswertes Ziel, aber wir wollten ganz einfach mal was völlig anderes erleben. Aber wenigsten erreichten wir einen Kompromiss: Wir wählten eine Fahrt, die ebenfalls das Örtchen Positano an der Amalfiküste beinhaltete.

Und was soll ich sagen? Nach wenigen Minuten auf der Straße war unsere Enttäuschung wie weggefegt und wir hatten doch einen tollen Tag. Und hier erfahrt ihr, warum wir uns ein wenig in Positano verguckt haben.

Von Neapel über die Amalfitano nach Positano

Der Weg geht über Brücken und durch viele Tunnel

Der Weg geht über Brücken und durch viele Tunnel

Die Route von Neapel nach Positano ist wirklich ein Erlebnis. Der Weg beginnt in einem Gebiet, das bekanntermaßen zu Zeiten der Römer vom Vesuv verschüttet wurde. Die Orte hier klingen allesamt sehr bekannt in unseren Ohren. Stabiae und Herculaneum – das Lateinstudium lässt schön grüßen.

Wir folgen dieser Straße und fahren quer durch die Stadtkerne kleiner Orte. In engen Kurven geht es mal hierhin, mal dorthin. Teilweise ist die Straße so eng, dass Bürgersteige gänzlich fehlen und an beiden Seiten nur hohe Steinmauern stehen. Ein echtes Nadelöhr. Eine ziemliche Herausforderung für unseren Busfahrer, doch für uns ein sehr kurzweiliges und unterhaltsames Erlebnis.

Erst nach diesem ganzen Hin- und Hergekurve erreichen wir die Amalfitano, also die Küstenstraße, die die Orte der Amalfiküste miteinander verbindet. Eine spektakuläre Strecke, die von der UNESCO wegen ihrer augenscheinlichen Schönheit und typisch mediterranen Atmosphäre zum Weltkulturerbe erklärt wurde.

Eine spekatkuläre Steilküste mit hoch aufragenden Felsen und winzigen Buchten, in denen die Ortschaften um jeden Zentimeter Platz kämpfen. Jegliche Neubebauung wurde aufgrund des besonderen Status der Amalfiküste verboten, was die Preise heutzutage in die Höhe ragen lässt. Für zukünftige Generationen ist das aber natürlich ein Segen.

Für die Straße ist kaum Platz an der Amalfiküste, ganz zu schweigen von den Dörfern. Die Anwohner haben daher die interessantesten Mittel und Wege gefunden, jeden noch so kleinen Quadratmeter sinnig zu nutzen. Jachthäfen und Strände wurden künstlich in den Buchten aufgeschüttet, alte Steinbrüche finden eine zweite Aufgabe als Parkplätze, und so weiter.

Das unendliche Blau des Mittelmeers

Die Küste im sommerlichen Morgendunst

Die Küste im sommerlichen Morgendunst

Als wir so diese scheinbar unmögliche Straße entlangrollen, unglaublich lange Tunnel passieren und die schmalen Betonbrücken nutzen, die sich lebensgefährlich an die Steilwand klammern, realisieren wir, wie eindimensional unsere Wahrnehmung auf einmal wird. Das liegt vor allem daran, dass die linke Seite dominiert wird von den hoch aufragenden Wänden der Steilküste, was uns den Blick komplett verbaut.

Doch zur Rechten, da sehen wir die dramatische Küstenlinie des südlichen Teil der Halbinsel von Sorrent in ihrer vollen Pracht. Und dazu: das endlose Blau des Mittelmeeres. So früh am Morgen bedeckt ein sanfter Schimmer noch die Meeresoberfläche.

Der Horizont verwischt dabei und lässt das Meeresblau in den Himmel fließen. Kleine Inseln zeichnen sich als Punkte vor der Küste ab wie Flecken in einem Meer aus Indigo. Luxusjachten ziehen ihre Bahnen; das Weiß blendet uns in den Augen. Wir machen verfallene Wachtürme aus auf den hervorragenden Spitzen der Klippen. Dort unten ist ein Einsiedler, der es sich in einer abgeschiedenen Bucht bequem gemacht hat.

Und so geht es immer und immer weiter bis wir schließlich nach vielen, vielen Links- und Rechtskurven, Tunneln und Brücken den Ortseingang zu Positano erreichen. Wir müssen mit dem Bus eine Zwangspause einlegen, denn der Ort ist übervoll mit Bussen und Autos der Tagesausflügler. Ein Stau der ganz anderen Art.

Positano, das vertikale Dorf

Ein Blick von oben auf Positano, während wir in der Autoschlange stehen

Ein Blick von oben auf Positano, während wir in der Autoschlange stehen

Positano ist ein vertikales Dorf. In dieser zerklüfteten und steilen Landschaft, wo die Klippen direkt auf das Meer treffen, ist kein Platz zu verschwenden. Während wir im Bus sitzend darauf warten, in das Dorf gelassen zu werden, haben wir jede Menge Zeit, uns den Ort von oben genauer zu betrachten.

Nur die obersten Straßen sind in der Tat breit genug für den motorisierten Verkehr, und selbst dann ist es selbst für kleinere Autos schwierig. Parkplätze sind natürlich Mangelware. Es gibt einige Plätze entlang der oberen Straßen, aber dann beginnt die Fußgängerzone, die sich bis zum Wasser hinunter erstreckt. Hier sind keine Autos mehr erlaubt.

Positano erlangte erst im Mittelalter Aufmerksamkeit und Bekanntheit, nämlich als es sich zum wichtigsten Handelshafen der Republik von Amalfi mauserte. Viele Waren gingen durch seinen Hafen. Von den Bauern und Händlern aus dem Landesinneren kamen Salz, Getreide und Sklaven. Dieses wurde für bare Münze im Nahen Osten und in Nordafrika umgesetzt, dann wurde damit Seide aus Byzanz erstanden und nach Westeuropa verschifft. Ein äußerst lukratives Geschäft.

Boutiquen und Geschäfte machen die Stadt zum Einkaufsmekka

Boutiquen und Geschäfte machen die Stadt zum Einkaufsmekka

In späteren Zeiten lebte man vor allem vom Fischfang, aber als die Wirtschaft schwächelte, suchten viele Bewohner Positanos ihr Glück anderswo. Viele wanderten nach Amerika aus.

Als in den 60er Jahren der Tourismus die Gegend für sich entdeckte, kam frischer Wind in die verarmten Ortschaften entlang der Amalfiküste. Musiker und Dichter fühlten sich vom romantischen Flair der Gegend inspiriert und trugen die Botschaft weiter. Das italienische Kino präsentierte Positano einem weltweiten Publikum. Die Modeindustrie ließ den rohen und ungetrübten Charme des Ortes hochleben.

Heute ist Positano einer der berühmtesten Orte entlang der Amalfiküste. Ein perfektes Ziel für Flitterwöchner, aber auch ein beliebter Badeort für Familien und Kurztripdestination für Liebhaber italienischer Mode.

Authentisch echt

Teilweise muss man in Positano Treppen nehmen um weiterzukommen

Teilweise muss man in Positano Treppen nehmen um weiterzukommen

Nach einem heillosen Durcheinander, das mindestens ein halbes Dutzend uniformierte Verkehrspolizisten mit Trillerpfeife involviert, können wir endlich an einer Tankstelle den Bus verlassen und die nahegelegene Fußgängerzone aufsuchen.

Diese erscheint uns seltsam bekannt und gar nicht so fremd. Positano wirkt wie viele andere italienische Kleinstädte auch. Uns erinnert es ein wenig an Venedig, mit dem Unterschied, dass Venedig keine Berge hat und Positano keine Kanäle. Die Atmosphäre in den engen Gassen ist auf jeden Fall authentisch und echt, voller kleiner Fehler und gelegentlich kaputter Fassaden und faul riechenden Ecken.

Wir folgen ohne weiterem Plan dem Verkehrsfluss, immer nach unten. Steile Treppen hinab, vorbei an aufgestellten Verkaufstischen mit Schmuck und Souvenirs. Blühender Blauregen bedeckt die Pergolen, die die Einkaufsstraßen überspannen, zaubert Farbe und Schatten auf die Szenerie.

Blauregen spendet Schatten und Farbe

Blauregen spendet Schatten und Farbe

Unsere Route zum Strand macht wenig Sinn, aber irgendwie kommt man trotzdem an. Immer hinunter geht es, weiter und weiter.

Zu beiden Seiten sehen wir Eingänge zu eleganten Boutiquen und interessanten Geschäften, die typische Mischung aus echtem Schick und billigem Touristentand. Wir kommen vorbei an einladend aussehenden Innenhöfen von Luxushotels, im Vorübergehen sehen wir Kellner in gestärkter Uniform, hören das Plätschern von Wasserspielen.

Pizza e limoncello

Durch die steile Landschaft hat man einen herrlichen Blick auf die Umgebung

Durch die steile Landschaft hat man einen herrlichen Blick auf die Umgebung

Unten am Wasser sieht es beinah so aus wie in jedem anderen italienischen Badeort. Der Unterschied ist, dass sich in unserem Rücken der Ort beinah bedrohlich auftürmt.

Wir suchen und finden einen schattigen Platz in einem Pizzarestaurant an der Strandpromenade und tun das, was jeder Italienbesucher einmal tun sollte: wir bestellen uns Pizza. Diese kommt prompt, preiswert und lecker. Unser Glück würde jetzt nur noch eine Sache perfekt machen: der süße alkoholische Drink Limoncello, der hier in der Gegend erzeugt wird. In der fruchtbaren dunklen Vulkanerde werden die Zitronen nämlich beinah so groß wie Kürbisse, und man kann sie bis zu dreimal im Jahr ernten.

Bevor wir uns wieder an den Aufstieg machen, wandern wir noch ein wenig an der Strandpromenade entlang. Die Sonnenliegen und -schirme stehen bereits Spalier für den Ansturm von Tagestouristen. Diese entsteigen auch gleich den zahlreichen Fähren, die am Pier soeben anlanden.

Diese Neuankömmlinge werden begrüßt mit einem wahrlich grandiosen Anblick – die pastellfarbenen Häuser von Positano, die sich an die steilen Hängen klammern, die hübsche Kirche von Santa Maria Assunta, der klassische Italienische Chic, der an die Filme der 60er und 70er Jahre erinnert.

Positano bietet ein Bild wie auf einer Postkarte: Ein hoch aufragendes, vertikales Dorf, das sich dazu verschrieben hat, die Gesetze der Schwerkraft außer Kraft zu setzen. Ein Ort wie im Märchen, der uns weit weg trägt von dem Alltäglichen Einerlei zu einem Traum von La Dolce Vita.

Positano ist ein tolles Ziel für einen Landausflug bei einer Kreuzfahrt. Und Kreuzfahrten, so finden wir, sind toll für Familien. Hier könnt ihr unsere Kreuzfahrt-Erfahrungen als Familie nachlesen. 

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AUTHOR - miniglobetrotter

Hallo! Wir sind die Mini Globetrotter - eine 4-köpfige Familie, die es sich in Andalusien bequem gemacht hat. Wir glauben ganz fest daran, dass Reisen mit Kindern nicht nur machbar, sondern wichtig ist. Von unserer Basis in Málaga aus erkunden wir die Welt – von Australien über den Südpazifik bis nach Europa. Lasst euch inspirieren und plant euren nächsten Familienurlaub mit uns!

3 Comments
  • Wo parken an der Amalfiküste? - Reiseblog Amalfi-Ferien.de | Apr 7, 2017 at 2:07 pm

    […] aus. Parkplätze sind entlang der Amalfitana kaum zu finden. Tipps zum Parken finden Sie auch hier), hier und hier oder hier und hier. Größere Parkhäuser gibt es schlichtweg nicht und die […]

  • Tabitha | Apr 9, 2017 at 3:09 pm

    Die ganze Amalfiküste ist so wunderschön, dass es schwer fällt seinen Lieblingsort zu benennen. Man kann übrigens auch mit dem Boot von Neapel nach Capri übersetzen und von dort nach Positano.

    • miniglobetrotter | Apr 12, 2017 at 10:18 am

      Hallo Tabitha, Vielen Dank für diesen Tipp! Klingt wie eine super Idee, um die Gegend noch viel genauer zu erkunden. Schönen Blog hast du da übrigens!

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