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Larapinta Drive

Mit dem Wohnwagen nach Kings Canyon (Outback Teil 2)

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Dies ist die Fortsetzung von unserer Erzählung, wie wir mit zwei Kindern unter acht durch das australische Outback gereist sind. Die Strecke führte von Alice Springs über Uluru bis nach Cairns im tropischen Norden von Queensland.

Wenn ihr den ersten Teil verpasst habt, dann fangt bitte hier an.

Planierte Straße von Alice Springs bis Herrmansburg

1. Tag: Alice Springs nach Kings Canyon (324km, 9 Stunden)

Unsere Reise begann in Alice Springs, mitten im australischen Outback. Gut erholt machten wir uns früh am nächsten Morgen auf in die Wüste Richtung Uluru (auch Ayers Rock genannt, aber der Name ist heute überholt und gilt als politisch unsensibel).

Unser Plan war es jedoch, zuerst eine andere Sehenswürdigkeit in der Nähe anzusteuern, nämlich Kings Canyon. Von Alice Springs aus gesehen sah Kings Canyon auf der Karte im Reiseführer näher dran aus und klang ebenfalls sehr vielversprechend.

Leider übersahen wir dabei ein kleines Problem: Auf halber Strecke von Alice Springs nach Kings Canyon ist die Straße nicht mehr asphaltiert und nur noch eine Sandpiste. Das ist natürlich, wenn man mit dem Wohnwagen unterwegs ist, ein Riesenproblem. Aber dazu später mehr.

Hermannsburg

Tankstellen sind moderne Oasen im Outback

Wir nahmen also irrtümlich die falsche Route über einen kleinen Ort namens Hermannsburg. Der Name klingt nicht ohne Grund sehr deutsch: Ursprünglich war die Ortschaft von lutherischen Missionaren gegründet worden.

Heute gibt es noch einige historische Gebäude in Hermannsburg zu sehen, aber wir fuhren gar nicht weit genug in den Ort rein, um eine ausgiebige Stadtrundfahrt zu genießen. Stattdessen hielten wir ziemlich nah am Highway an der hiesigen Tankstelle.

Tankstellen im Outback sind so etwas wie Oasen. Sie sind überlebenswichtig. Wer im Outback reist und es vergisst, an einer Tankstelle aufzutanken, riskiert es schnell, ohne Sprit dazustehen. Deshalb machten wir hier halt, auch wenn der Tank nicht annähernd leer war.

Meist übernehmen Tankstellen auch noch weitere Funktionen. Diese hier war zum Beispiel gleichzeitig ein Supermarkt (zugegebenermaßen mit ziemlich leeren Regalen, aber wohl der einzige in der Umgebung). Manchmal sind Tankstellen auch Restaurant oder Cafe, Postamt, Campingbüro, Internetcafe, Hotel und vieles mehr.

Tankstelle und Rastplatz in Hermannsburg

Hermannsburg: der letzte Außenposten vor dem Nichts

Hermannsburg war ein ziemlich trauriger Ort. Hinweisschilder verboten es, in die umliegenden Straßen zu fahren, um dort Fotos von den Häusern zu machen. Hier lebten überwiegend Aborigines. Gegenüber der Tankstelle war ein kleiner eingezäunter Spielplatz mit einer gelbgestrichenen ausgedienten Planierraupe. Wahrscheinlich war diese ein Überbleibsel und ein Geschenk an die Gemeinde, als die Straße von Alice Springs nach Herrmannburg fertig geteert worden war.

Unsere Kids spielten ein wenig auf den Geräten, um sich die Beine für die bevorstehende Strecke zu vertreten, und ich schaute ihnen dabei zu. Nur eine weitere Mutter saß mit mir auf dem staubigen Spielplatz: ihre Hauptfarbe ein tiefes Schwarz so wie die der Kinder, ihre Sprache nicht Englisch, ihre Kleidung ärmlich. Und doch verband uns das Muttersein über alle Kulturunterschiede hinweg. Es war schwer zu glauben, dass ich mich noch im selben Land befand – der Unterschied zu Sydney hätte kaum größer sein können.

Spielplatz in Hermannsburg mit Planierraupe

Der halbleere Supermarkt sprach ebenfalls Bände. An den Wänden hingen Aufklärungsschilder mit vielen Bildern zur gesunden Ernährungsweise, ganz so wie in einer Grundschule. Die Regale wie gesagt fast leer, Süßigkeiten klau-sicher hinter der Kasse verstaut. Das Münztelefon hatte ein Schild, das davor warnte, nicht die Sozialgeld-Karte zu missbrauchen und immer den Besitzer der Karte um Erlaubnis zu bitten, bevor man damit telefonierte. Kindern wurde die Benutzung des Telefons ganz untersagt.

Vor der Eingangstür entdeckten wir beim Rausgehen dann noch ein weiteres Schild: eine Erklärungstafel, die erläuterte, wie die Polizei mit der Gemeinschaft zusammenarbeitet. Seltsam für unsere Ohren formuliert – “people tell stories” etc. O-ha, dachten wir. Wir waren wirklich im tiefsten Outback angekommen.

So arbeitet die Polizei im Outback

Jetzt wissen wir, dass eine Abkürzung nicht immer gleich eine Abkürzung ist

Gut, aber war es wie gesagt, dass wir mit den Besitzern der Tankstelle sprachen, denn so erfuhren wir, dass der nächste Abschnitt der Reise, gut 200km, auf einer unbefestigten Straße vonstatten gehen würde. Mit einem Blick auf unseren Wohnwagen versicherte uns der Betreiber, dass wir trotz allem die Strecke schaffen sollten. Es hatte schon lange nicht mehr geregnet und der Untergrund war trocken. Naiv wie wir waren, ließen wir uns auf das Abenteuer ein.

Die klügere Entscheidung wäre es gewesen, wieder umzukehren in Richtung Alice Springs, um dann den Highway südlicher Richtung nach Uluru zu nehmen. Das hätte allerdings einen großen Umweg für uns bedeutet und wir hätten eventuell unseren vorgebuchten Stellplatz auf dem Campingplatz am Abend verloren. Das wollte wir auch nicht riskieren.

So entschieden wir uns also, die Sache durchzuziehen. Solltet ihr, liebe Leser, eine ähnliche Tour durchs australische Outback planen, dann macht es also bitte nicht wie wir. Fahrt von Alice Springs über den Lasseter Highway zuerst nach Uluru und besucht Kings Canyon als Abstecher von dort aus. Die Distanz nach Uluru beträgt ca. 300km und dauert um die 4 Stunden. Was noch wichtiger ist: diese Straße ist dann auch asphaltiert.

Nun ja, wir trafen also die folgenschwere und total bekloppte Entscheidung, von Herrmannsburg direkt nach Kings Canyon zu fahren.

Unbefestigte Straße

Der größte Fehler, der uns auf der Strecke passieren sollte: Der Larapinta Drive

Die Straße, die diese beiden Punkte miteinander verbindet, heißt Larapinta Drive und führt durch ein Aborigines-Reservat, weswegen wir einen Pass kaufen mussten. Alles kein Problem, nur ein wenig Geld, das in die Kasse der örtlichen Gemeinde fließt. Wir wurden niemals kontrolliert, ob wir diesen Pass auch dabei hatten, aber man kann ja nie wissen. Jedenfalls war dies noch ein weiterer Grund, warum es sinnvoll ist, im Outback an möglichst jeder Tankstelle zu halten, denn ansonsten hätten niemals von diesem Pass gehört.

Obwohl die Entfernung von Hermannsburg nach Kings Canyon nur 200km beträgt, benötigten wir an diesem Tag knapp 8 Stunden. Mit schlappen 30 Stundenkilometern klapperten und schepperten wir über die furztrockene Piste.

Ironischerweise dauerte somit unsere Fahrt so ziemlich genauso lange wie die lange Strecke im Süden, die insgesamt 600km beträgt.

Lasst es uns ganz deutlich sagen: Diese Aktion war nicht wiederholenswert und kann überhaupt nicht empfohlen werden!

Outbackszenerie

Die ganze Zeit hatten wir Angst, dass ein scharfer Kiesel einen unserer Reifen durchstechen würde. Später kamen auch noch tiefe Becken mit Sand hinzu, in denen wir Angst hatten stecken zu bleiben. Beides wäre mit zwei Kindern im Outback katastrophal gewesen. Wer hätte uns aus dieser Einöde schon abschleppen können?

So machten wir auf der gesamten Strecke nicht einen einzigen Stop aus Angst, dass der Wagen sich festfahren könnte.

Auf der stark erodierten Straße mit Wellenmuster zu fahren war, wie sich mit einem großen Kühlschrank über Wellblech zu bewegen. Es klapperte, knarzte und rumpelte an allen Ecken.

Ich muss sagen, die Kinder waren während der gesamten 8 Stunden absolute Engel. Wegen der Schüttelei gab es nicht viel, was wir tun konnten, um den Kleinen die Zeit zu vertreiben. Und so produzierten wir jede Menge lustige Wackelbilder am Esstisch – eine grade Linie ziehen war nicht drin. Wir unternahmen Gedankenspiele, aßen Snacks und sangen Lieder. Glücklicherweise wurde keiner seekrank bei der ganzen Schaukelei.

Berge im Hintergrund und endlose Weiten

Auch wenn’s schön anzusehen war, so schön brauchten wir es dann doch nicht

Zum Glück waren wir nicht völlig alleine. Autos mit Allradantrieb kamen auf dem festen Untergrund prima klar und rasten an uns alle paar Minuten vorbei. Wir hielten einige davon an und stellten sicher, dass die Fahrer uns wahrnahmen, nur für den Fall, dass wir es nicht zu unserem Ziel schafften.

Rein vom Optischen war die Strecke übrigens überwältigend schön. Aber wenn die Angst mitfährt, kann man die Szenerie natürlich nicht so besonders gut genießen.

Als die Sonne langsam am Horizont verschwand, machte ich dann aber doch vom Satelitentelfon Gebrauch, um das Kings Canyon Resort anzurufen. Zum einen war es ein gutes Gefühl, den Leuten dort Bescheid zu sagen, dass wir uns so richtig schön in die Kacke geritten hatten. Zum anderen fühlten wir uns sicherer, weil wir wussten, dass uns jemand erwarten würde.

Kurz vor dem Ziel verwandelte sich die Straße dann wieder in einen Asphaltstreifen, aber nur um eine kleine Anhöhe zu erklimmen. Dann bliebt der Asphalt zu unserer großen Enttäuschung wieder weg und wir mussten noch einmal über die Sandpiste ruckeln.

Mit den letzten Sonnenstrahlen machten wir unseren dramatischen Auftritt ins Kings Canyon Resort, wo wir uns dann spontan dazu entschieden, für den nächsten Morgen zwei Helikopterrundflüge zu buchen.

Ich schätze, Nahtod-Erfahrungen sorgen ganz natürlich dafür, dass man wieder mehr im Vollen leben will.

Camping im Outback mit Kindern – na und wie das geht! Und hier geht es zu Teil 3: Kings Canyon aus der Vogelperspektive und ein blutroter Uluru

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Sonnenuntergang kurz vor Kings Canyon

AUTHOR - miniglobetrotter

Hallo! Wir sind die Mini Globetrotter - eine 4-köpfige Familie, die es sich in Andalusien bequem gemacht hat. Wir glauben ganz fest daran, dass Reisen mit Kindern nicht nur machbar, sondern wichtig ist. Von unserer Basis in Málaga aus erkunden wir die Welt – von Australien über den Südpazifik bis nach Europa. Lasst euch inspirieren und plant euren nächsten Familienurlaub mit uns!

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