Blog

Ausblick von der Terrasse bis zur Costa del Sol

Kurztrip nach Mijas an der Costa del Sol

  |   Spanien   |   No comment

Die spanischen Sommerferien liegen wir ein Schatten über uns. Drei Monate keine Schule. Drei Monate von Zuhause arbeiten mit zwei Kindern im Schlepptau. Zwei Kinder, die wohlgemerkt noch recht neu im Land sind und noch nicht besonders viele Freundschaften geschlossen haben. Da juckt es einem schon mal in den Fingern, noch schnell ein paar Dinge zu tun, die mit zwei jammernden Kindern nur halb so viel Spaß machen.

Und so entschlossen mein Mann und ich uns kurzfristig zu einem Kurztrip nach Mijas. Dies ist ein weißes Dorf an der Costa del Sol, so nah bei uns, dass man es von unserer Straße aus sehen kann. Ein weißes Dorf in den Bergen, malerisch dahindrapiert wie auf dem Präsentierteller. Wer kann dieser Versuchung schon widerstehen?

Versteht mich nicht falsch. Natürlich ist das hier ein Familienreiseblog, und wir promoten natürlich gerne das Reisen mit Kindern. Aber wir finden auch, dass man manche Orte besser zunächst einmal alleine erkundet, ohne Kinder. Nicht, dass Mijas nicht auch familienfreundlich wäre.

Souvenirladen

Souvenirladen.

Das weiße Dorf an der Costa del Sol

Natürlich ist mir bewusst, dass die Chancen schlecht stehen, dass ihr das jetzt hier lest und sagt, ach ja, ich wohne ja auch ganz in der Nähe! Deshalb hier ein paar Worte zur Erläuterung. Mijas ist ein typisches andalusisches Bergdorf, jedoch mit dem Vorteil, dass es nur ca. 10 Minuten Fahrt von den Küstenorten der Costa del Sol entfernt liegt. Macht nicht den Fehler und verwechselt dieses Mijas mit dem Mijas an der Küste. Dieses ist nämlich weitaus weniger romantisch und urtypisch.

Die Nähe zu den Badeorten, die im Sommer bei Touristen so beliebt sind, hilft natürlich dabei, diesen Ort zu einem lohnenswerten Tagesziel aufzuwerten. Wer noch nie ein andalusisches weißes Dorf gesehen hat, mag hier vielleicht anfangen.

Doch seid gewarnt. Die Nähe zum Massentourismus ist leider auch ein großer Nachteil für dieses Bergdorf. Denn auch wenn Mijas bildschön ist und viel zu bieten hat, es wirkt halt alles ein bisschen fake. Authentizität und Tradition sind ein wenig verloren gegangen. Fast so, als ob die Leute in Mijas eigentlich nicht wirklich hier lebten, sondern als ob sie Darsteller in einem Freizeitpark wären. Hier finden sich so viele stereotypische Eigenschaften eines andalusischen Dorfes, dass es fast schon so scheint, als ob man damit den Touristenmarkt bedienen wollte. Das wird besonders deutlich beim dem total überladenen und überdimensionierten Rathaus des Ortes.

Typische Ortsstraße mit weißen Häusern.

Typische Ortsstraße mit weißen Häusern.

Doch wenn man sich bemüht und einmal den frischen Anstrich außer Acht lässt, dann findet man doch so einiges an Geschichte in Mijas. Hier leben schon seit Jahrtausenden Menschen. Die Römer und Phönizier waren garantiert nicht die ersten, die die Berge an der Costa del Sol ihr Zuhause nannten, und später siedelten hier natürlich auch die Westgoten, die der Region Andalusien ihren Namen gaben.

Als die Mauren Spanien eroberten, erlaubten sie zwar den Christen, auch weiterhin in ihren Häusern zu leben. Diese mussten jedoch ganz schön hohe Abgaben für dieses Privileg zahlen. Die Mauren war es schließlich, die Mijas seinen Namen gaben. Sie nannten den Ort “Tamisa”, woraus sich später der heutige Name formte. Wenn man aufmerksam durch die Straßen der Ortschaft geht, kann man den Namen auch heute noch an vielen Stellen geschrieben sehen.

Wie in anderen andalusischen Dörfern auch ist das maurische Erbe natürlich besonders deutlich zu erkennen anhand der Bauweise der Häuser. Diese bauten nämlich ihre Dörfer gern eng, mit relativ abweisenden Fassaden, flachen Dächern, weißen Fronten. Doch auch ältere Spuren lassen sich ausmachen, zum Beispiel in Resten der alten Verteidigungsanlagen, die fast 2,000 Jahre zurückreichen. Die recht gut erhaltenen Wachtürme hingegen sind neueren Datums – sie entstanden im 19. Jahrhundert als Gegenmittel zu den häufig einfallenden Piraten.

Unser Tagesausflug nach Mijas

Wir parken unser Auto direkt zu Beginn des Ortes in der Nähe des Hotels Trh Mijas. Es gibt zwar Buslinien, die Mijas mit dem Rest der Küstenregion verbinden, aber ein Mietwagen ist schon eine praktischere Alternative. Allerdings kann es im Sommer so voll werden, dass das Parken zur Geduldsprobe wird.

Von unserem Parkplatz aus folgen wir der Hauptstraße, die parallel zum Berghang verläuft, der Avenida de Méjico. Dies ist in der Tat die Hauptstraße, die in den Ort führt. Je weiter wir gehen, desto enger wird die Straße und desto älter werden die Häuser.

Hinter dem Plaza de la Paz verwandelt sich die Straße dann in eine Fußgängerzone. Die Häuser stehen nun so eng beisammen, dass ein Durchkommen mit dem Auto sowieso eine kleine Herausforderung wäre. Zu beiden Seiten sind die Häuser nun zwei Stockwerke hoch und absolut urtypisch: geschlossene Rolladen und eiserne Gitter, verrammelte Holztüren.

Blick über Mijas

Blick über Mijas.

Wir kommen an einer Reihe von Geschäften und Restaurants vorbei. In den Auslagen finden wir vor allem lokal hergestelltes Kunsthandwerk, angenehm geschmackvolle Souvenirs und teure Designermode. Es ist ganz offensichtlich: Mijas ist nicht einfach so ein Touristenort. Hierhin sollen vor allem Gäste mit einem dicken Portemonnaie gelockt werden.

Dabei ist es echt kaum zu glauben, dass Mijas bis vor 60 Jahren noch nicht einmal Telefone hatte. Bevor die erste Telefonleitung installiert worden war, und bevor die Costa del Sol sich zu einem Urlaubsparadies für Mittel- und Nordeuropäer entwickelt hatte, lebten die Einwohner von Mijas in ständiger Angst vor Armut und Hunger. Viel gab es nicht, was diese Lage hätte ändern können. Die meisten Familien waren in ihrer Existenz abhängig von kaum ertragsreicher Land-, Holz- und Viehwirtschaft.

Wenn man sich das mal so durch den Kopf gehen lässt, dann muss man schon sagen, dass es schon ganz schön erstaunlich ist, was man in Mijas innerhalb von ein, zwei Generationen erreicht hat.

Die kleine Katholische Kirche in Mijas

Die kleine Katholische Kirche in Mijas.

Der reizende Ortskern

Nach einigen Minuten erreichen wir über unsere Straße die reizenderen und authentischeren Teile der Dorfes. Der Bereich, der sich noch nicht total dem Tourismus verschrieben hat. In der Nähe des Plaza de Toros entspannen wir unter schattigen Pinien und beobachten die Leute, die hier ihrem Tagewerk nachgehen.

An diesem Platz findet sich auch eine kleine katholische Kirche, die Iglesia de la Inmaculada Concepcíon. Der auffällige Glockenturm ist ein Überrest der Maurenburg, die sich hier einmal befand. Wir gehen zwar nicht hinein, aber das ist ja auch gar nicht weiter schlimm, denn – wie wir immer wieder voller Freude feststellen – Mijas ist ja nur 10 Minuten von unserem neuen Zuhause entfernt. Wir können also wiederkommen. Und dann nehmen wir auch die Kinder mit.

Nicht weit von der Kirche entfernt befindet sich zudem die Stierkampfarena. Ich werde hier jetzt nicht eine Diskussion zum Thema Stierkampf anfangen. Lasst uns diesen Ort einfach nur als das betrachten, was er ist. Ein ungewöhnlich geformtes Gebäude mit fantastischen Postern an den Außenwänden. Riesigen Buchstaben, aus Fliesen zusammengesetzt. Blaue Hängetöpfe voller Geranien. Selbst von draußen kann man deutlich den Ehrenplatz auf der Tribüne erkennen – hier steht groß geschrieben “El Presidente”. An den Ausgängen die Bezeichnungen für Sonnen- und Schattenplätze.

Erkundung des Ortes zu Fuß - hier: die Stierkampfarena.

Erkundung des Ortes zu Fuß – hier: die Stierkampfarena.

Und weiter dann, vom Rande der Terrasse aus, genießen wir den atemberaubenden Blick auf die spanische Sonnenküste. Die Luft ist heute so heiß, dass sie flirrt und das Bild vor unseren Augen verschwimmt. Feuchtigkeit liegt als leichter Dunstschleier über den Feldern. Und ganz am Horizont ist die feine blaue Linie des Mittelmeers auszumachen. Der Ausblick von Mijas allein belohnt schon für den Trip in diesen Ort.

Wir wenden den Blick zur anderen Seite und betrachten die hoch aufragenden Bergwände der Sierra de Mijas. Ebenfalls wunderschön anzusehen dank der perfekt geformten Pinien, die wie kunstvoll platzierte Akzente die Hänge zieren.

Und fast hätten wir es nicht bemerkt: Ungefährt auf halber Strecke zum Gipfel sehen wir eine kleine weiße Kapelle. Dies ist der Schrein von Calvario, Ort der Besinnung für die Karmeliten. Von Mijas aus kann man wohl angeblich zu Fuß diese Kapelle erreichen, indem man einem mit Eisenkreuzen markierten Weg folgt.

Eine weitere Möglichkeit, dem kommerzialisierten Trubel im Ortszentrum zu entgehen, ohne dabei die Schönheit außer Acht zu lassen. Und für uns noch ein Grund, mit den Kindern noch einmal hierher zurückzukehren.

Ein kleiner Schrein in der Sierra de Mijas

Ein kleiner Schrein in der Sierra de Mijas.

Der Ausverkauf von Mijas

Von unserem Aussichtspunkt aus steigen wir hinab in Richtung Plaza de la Constitucíon, einem hübschen kleinen Platz, der leider zu diesem Zeitpunkt von Bauarbeiten heimgesucht wird. Von hier sind es nur wenige Meter bis zum Plaza Virgen de la Peña, einem weiten, offenen Platz mit einem Park in der Mitte und Parkplätze drumherum. Dies ist im Prinzip das moderne Zentrum von Mijas. Hier findet man dann auch die andere Seite des Ortes, die kommerzialisierte. Esel und Pferdekutschen warten auf Kundschaft, und nur wenige Schritte weiter findet man das unglaublich kitschige Rathaus und das Touristikbüro.

Auch an dieser Stelle gibt es einen schönen Ausblick zu bewundern, aber irgendwie können wir unser Gefühl nicht abschütteln, dass wir eigentlich gar nicht hier sein wollen. Sind es die Bustouristen, oder der Autoverkehr? Die Eseltaxis oder die zahlreichen Cafés? Wir haben zum ersten Mal das Gefühl, auf unsere Brieftasche achten zu müssen. Nichts gegen Tourismus, aber das hier ist uns ein wenig zu viel.

Eseltaxi

Eseltaxi

Am Ende dann waren wir aber doch froh, dass wir den Spontantrip nach Mijas gewagt haben. Versteht mich nicht falsch: Mijas ist schon ein tolles Ziel für einen Tagesausflug. Er ist bildhübsch und hat einen tollen Ausblick aufzuweisen. Es gibt eine große Auswahl an erstklassigen Geschäften und guten Restaurants. Kopfsteinpflaster und weiß getünchte Dorfstraßen.

Aber zur gleichen Zeit ist Mijas ein Ort, der sich komplett dem Tourismus überlassen hat. Bis zu einem Punkt, der den Ort leider auch gleichzeitig zur Farce macht.

Wir haben bereits so einige hübsche weiße Dörfer in Andalusien besucht. Meist finden wir dort einen gemäßigten oder sogar gar keinen Tourismus vor. Oftmals bröckelt hier die Farbe, Häuser stehen leer, Kabel und Leitungen hängen gefährlich an den Fassaden runter. Das sind die Orte, die wir wirklich mögen.

Für einen Tagesausflug von einem der Badeorte an der Costa del Sol aus – Benalmádena, Fuengirola, Torremolinos oder auch Marbella, ist Mijas eine bequeme Wahl. Um die wahre Seele von Andalusien zu entdecken, empfehlen wir euch lieber andere Orte.

Das könnte euch auch interessieren

Cádiz für einen Tag: Andalusien mit Kindern entdecken

Auf Kaninchenjagd in den Alpujarras – eine kulinarische Reise

Meine Stadt, meine Schule, mein Haus: Unser neues Leben an der Costa del Sol

AUTHOR - miniglobetrotter

Hallo! Wir sind die Mini Globetrotter - eine 4-köpfige Familie, die es sich in Andalusien bequem gemacht hat. Wir glauben ganz fest daran, dass Reisen mit Kindern nicht nur machbar, sondern wichtig ist. Von unserer Basis in Málaga aus erkunden wir die Welt – von Australien über den Südpazifik bis nach Europa. Lasst euch inspirieren und plant euren nächsten Familienurlaub mit uns!

No Comments

Kommentar verfassen

Abonniere unseren Newsletter!

Tipps, Tricks und Geschichten zu Familienreisen nah und fern. Gewürzt mit tollen Bildern und gespickt mit vielen eigenen Erfahrungsberichten.

Lass dir die neuesten Artikel wöchentlich per E-Mail zuschicken. Wir versprechen, das bleibt unter uns ;)


Impressum/Datenschutz

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen