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Blaue Kuppel

Kreuzfahrt-Traumziel Santorin: Weiße Häuser, blaue Kuppeln und jede Menge Esel

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Santorin ist ein echtes Traumreiseziel. Die typischen weiß getünchten Häuser der Zykladen, das tiefe Blau des Mittelmeers, spektakuläre Sonnenuntergänge mit süßem griechischen Wein als Untermalung.

Wir besuchten die Insel diesen Sommer so, wie viele andere Gäste auch: auf einem Kreuzfahrtschiff. Ja, ihr dürft uns jetzt dafür verurteilen, aber was sollen wir lügen? Wenn ihr euch fragt, wo die Kinder dabei waren – die hatten wir solange bei der Oma abgestellt. Ja, so sind wir halt.

Man kann nicht verneinen, dass Kreuzfahrten manchmal immens praktisch sind. Wir reisen gern auf einem Kreuzfahrtschiff. Schon klar, es gibt da so einige Nachteile, besonders wenn man an einem Ort verweilt, der von einem Kreuzfahrtschiff angesteuert wird. Da kommen auf einmal Menschenmassen angestürmt und setzen den ganzen Ort lahm. Und am Abend ist der Spuk meist schon wieder vorbei.

Wenn ihr noch nie auf einem Kreuzfahrtschiff wart, dann werdet ihr uns jetzt wahrscheinlich dafür hassen. Aber wir geben es trotzdem gern zu, wir bereuen nichts. Ganz im Gegenteil: Wenn man mit einem Kreuzfahrtschiff unterwegs ist, kann man manche Reiseziele sehr bequem ansteuern, auch wenn man sonst dafür nur wenig Zeit hätte. Wir finden es auf jeden Fall super-praktisch.

Santorin

Santorin als lohnenswertes Kreuzfahrtziel

Natürlich hätten wir gern Santorin ganz anders besucht. Eine Woche in einem der weiß getünchten Boutiquehotels mit Pool, ganz romantisch und erlesen, mit Blick auf den Krater. Aber sowas können wir uns leider nicht leisten. Und Zeit hatten wir auch nicht dafür. Außerdem gibt es im Mittelmeer noch so viel mehr zu erkunden.

Alles, was wir uns von Santorin wünschten an diesem Tag waren schöne Ausblicke, gutes Essen und griechische Kultur. Und das haben wir dann auch alles bekommen, kondensiert auf einen einzelnen, wunderschönen Kreuzfahrttag.

Auch wenn ihr immer wieder was anderes lest und die ‚Hater‘ ziemlich laut sind: Santorin ist ein toller Kreuzfahrthafen. Allerdings sollte man etwas wissen, wenn man im Alten Hafen der Insel ankommt. Ein bisschen Planung kann immens helfen, das beste aus so einem kurzen Tag in Santorin herauszuholen.

Santorin ist leider besonders im Sommer hoffnungslos von Besuchern überlaufen. Nicht ohne Grund wird immer wieder laut überlegt, die Touristenströme in der Hochsaison mehr zu regulieren. Es täte dem Ruf der Insel sicherlich gut.

Blick auf Thira vom Kreuzfahrtschiff aus

Eine Insel aus Feuer

Als wir am späten Morgen in den Hafen einliefen, wurde uns sofort bewusst, dass der Besuch von Santorin nicht ohne Anstrengungen vonstatten gehen würde. Die Insel ist nämlich so ein bisschen wie eine Banane geformt, ein Halbkreis, der sich um einen versunkenen Krater herum gebildet hat. Der Hafen befindet sich in genau diesem Krater, man schaut also die Kraterwände an, wenn das Schiff einläuft.

Die Dörfer der Insel inklusive der Hauptort Thira befinden sich allesamt auf einer Höhe von 400m über Normalnull. Sie schmiegen sich in atemberaubender Art und Weise an den Hang und folgen dem Rand des Kraters. Das beschert dem Besucher zwar tolle Ausblicke aufs Meer von allen Seiten, wer aber mit dem Kreuzfahrtschiff ankommt, der muss sich mental auf einen steilen Aufstieg vorbereiten.

Wir ihr vielleicht wisst, ist Santorin das Ergebnis zahlreicher Vulkanausbrüche und -explosionen. Einige davon schienen sogar von den alten Chinesen bemerkt worden zu sein, denn diese geologischen Aktivitäten finden sogar im fernen China in alten Aufzeichnungen Erwähnung. Manche behaupten sogar, dass die Legende von Atlantis in Santorin ihren Ursprung nahm. Wie auch immer, diese geologische Besonderheit macht Santorin zu einem äußerst attraktiven, aber auch herausfordernden Reiseziel.

Der Eselpfad

Nicht gerade die freundlichste Begrüßung

Nachdem das Schiff Anker geworfen hatte, setzten wir mit dem Boot über. Direkt am Wasser an der Anlegestelle Skala war wenig Platz, was erklärte, warum die Dörfer so hoch gelegen waren. Am Ufer gab es nicht mehr als einen Steg, ein paar Souvenirbuden und die Bodenstation der Seilbahn.

Wir hatten kaum Fuß an Land gesetzt, da war uns schon klar, dass der Besuch der Insel nicht ohne Probleme ablaufen würde. Im Gegensatz zu vielen anderen Kreuzfahrtdestinationen kann man in Santorin nämlich leider nicht einfach so an Land gehen und ins nächste Dorf laufen. Vor uns lag der Eselpfad, eine in den steilen Fels gehauene Zickzackstraße, die von Eselkarawanen und Touristen gemeinsam genutzt wurde.

Die Alternative, die weitaus bequemere Seilbahn, kam für uns nicht in Frage. Wort ging rum, dass die Wartezeit auf eine Gondel so um die zwei bis drei Stunden betragen sollte. Auf keinen Fall würden wir so lange auf die Fahrt nach oben warten. Die armen Esel schieden auch aus. Sie wirkten ganz einfach nur gequält in der drückenden Mittsommerhitze, und die Touristen auf ihren Rücken sahen auch nicht viel glücklicher aus.

Hätten wir auf dem Schiff eine Tagesrundreise gebucht, dann hätte man uns an anderer Stelle abgesetzt. Von dort aus hätten wir dann einen Reisebus bestiegen und wären bequem und klimatisiert den Abhang hochchauffiert worden. Aber wir buchen für gewöhnlich keine Rundreisen auf Kreuzfahrtschiffen; nur wenn es sich nicht anders vermeiden lässt.

Unten am Wasser gab es nur wenig Schatten und ein einziges Geschiebe und Gedränge, und so machten wir uns also kurzerhand an den Aufstieg nach Thira.

Seilbahn in Santorin

Achtung auf dem Eselpfad

Es ist schon erstaunlich, wie schwierig es einem die Santoriner machen, ihre Insel zu erkunden. Da muss man sich echt fragen, ob die Griechen eigentlich überhaupt einen gesunden Geschäftssinn haben. Ganz ehrlich: Wenn das eure Insel wäre, würdet ihr dann nicht auch alles dafür tun, dass die Leute, die Geld in der Tasche haben, schnell an die Orte gelangen, an denen sie es auch ausgeben können?

Nicht nur mussten wir den Eselpfad hochkraxeln, wir mussten ihn auch noch mit den Eseln teilen (natürlich!), und dabei Eseläpfeln und Unebenheiten ausweichen. Mit Flip-Flops kaum zu erledigen. Alle paar Meter dann das Klingeln von Glöckchen – eine weitere Karawane, die sich die Vorfahrt einfach erzwang, wahrend das fußläufige Volk sich an die Wände pressen musste.

Wir können normalerweise so einiges ab, aber die Hitze, die Leute und der Gestank von den Fäkalien trieb uns schon an die Grenze. Ein paar Mal mussten wir Halt machen, um uns im spärlichen Schatten einer Biegung auszuruhen und die Übelkeit zu bekämpfen. Die einzige Befriedigung konnten wir darin erhalten, dass die Touristen auf den Eseln auch nicht viel glücklicher aussahen.

Als wir dann endlich die ersten Häuser von Thira erreichten, staunten wir schon wieder über den schlechten Geschäftsinn der Griechen. Das erste Geschäft am Ortsrand hätte uns locker 5 EUR für eine kalte Flasche Wasser abknöpfen können. Hat es aber nicht.

Touristen auf Eseln

Thira ist nett, Oia ist netter

Der Mensch ist schon ein seltsames Wesen. Er bewegt sich für gewöhnlich nicht einen Schritt weiter als er muss. Das muss auch der Grund sein, warum die engen Straßen von Thira völlig überrannt waren. Nix da mit tollen Ausblicken, schönen Fotos, und gemütlichen Spaziergängen entlang der engen Gassen. Die Menschenmassen verlangten, dass wir uns weiter bewegten. An Anhalten und Genießen war nicht zu denken.

Zwar hat Thira auch seine schönen Seiten, vor allem die Restaurants, die den Krater überblicken, wirkten sehr anheimelnd und gemütlich. Aber wenn man diese ersten Meter erstmal hinter sich gelassen hat, stößt man schnell auf die normalen Straßen mit ihren Bussen und Autos, und dann sieht der Ort auf einmal genauso langweilig aus, wie jede andere griechische Kleinstadt.

Das war nicht das Santorin, das wir sehen wollten. Wir wollten schöne Ausblicke und Romantik. Unsere darbenden Herzen wollten Entspannung und Kultur. Was wir ganz sicher nicht wollten, war ein kleiner Ort, der schon vor Jahrzehnten seinen Charme an den motorisierten Verkehr und elektrischen Straßenlaternen verloren hatte.

Und so leisteten wir uns also ein Taxi, um nach Oia im Norden der Insel zu kommen. Wie sich herausstellte, waren das 20 sehr gut investierte Euros.

Eselkarawane in Thira

Romantik pur in Oia

Im Gegesatz zu Thira war Oia wie ein frischer Wind. Nach nur dreißig Minuten wurden wir von dem Taxifahrer an einer zentralen Stelle abgesetzt mit dem Versprechen, uns rechtzeitig wieder abzuholen. Was uns sofort auffiel: Im Gegensatz zu Thira verliefen hier die Hauptstraßen auf dem Bergkamm, waren breit und ebenerdig. Perfekt zum Flanieren.

Der Charme des Örtchens wurde uns gleich offenbar. Die Pflastersteine sahen aus wie Marmor. Die Häuser am Abhang unterhalb der Straßenebene erlaubten herrliche Blicke auf den Krater. Die billigen Souvenirshops von Thira wurden von Designer-Boutiquen und Kunstgalerien verdrängt. Es machte richtig Spaß, die Auslagen zu begutachten.

Oia mag jetzt vielleicht auch nicht so abgelegen und still sein, wie man das sich vielleicht wünschen wurde, aber wir fanden hier doch entscheidend weniger Besucher vor als in Thira. Die Atmosphäre war richtiggehend einladend, wir fühlten uns sogleich wie zu Hause.

Es war in Oia und nicht in Thira, wo wir die typischsten Erlebnisse hatten, wie man sich das so von den Zykladen vorstellt.

Typische Ansicht in Oia

Orthodoxe Kirchen mit blauen Kuppeln, die den Krater überblicken. Weiß getünchte Häuser mit geschnitzten blauen Holztüren. Eine verwirrende Zusammenstellung aus Terrassen, Treppenaufgängen, Dächern und Hinterhöfen.

Wir entdeckten ein paar Ruinen zwischen den Häusern, nicht weiß getüncht, sondern verfallend, mit eingestürzten Mauern und Kaminen, die wie Masten aus dem Steinmeer herausragten. Vielleicht Opfer der ständigen Erdbeben hier, verlassen und abgeschrieben. Ein starker Kontrast zu den Luxushotels und Edelboutiquen, eine willkommende Abwechslung zu dem anderweitig perfekten Ausstehen der Insel.

In Oia machten wir Hunderte von Fotos. Bunte Blumen in übergroßen Töpfen, strategisch plaziert vor blendend weißen Mauern. Blicke durch Fenster und Lücken auf das strahlend blaue Wasser des Mittelmeeres. Kaputte und verwitterte Holztueren, die sich standhaft weigern, den Luxushotels um sie herum Platz zu machen. Ihr könnt unseren Lieblingsfotos am Ende des Artikels begutachten, wenn ihr möchtet.

Blick auf Oia

Wir erstanden ein hübsches Souvenir – eine kleine Schale aus Vulkangestein mit einem blauen Boden aus Glas. Dann suchten wir uns ein schattiges Plätzchen in einem Restaurant mit Blick auf den Krater.

Man kann ja bekanntlich nicht nach Griechenland reisen und den einheimischen Delikatessen die kalte Schulter zeigen. Und so bestellten wir uns noch ein paar Ouzos, Oliven, Brot und Tzatziki und ließen es uns gutgehen. Mit einem herzhaften “Yiamas!” prosteten wir uns zu und genossen unsere Zweisamkeit an einem der schönsten Orte der Welt.

Leider mussten wir vor Sonnenuntergung wieder zurück sein. Diesen sahen wir dann vom Balkon unserer Kabine aus. Zwar nicht perfekt, aber trotzdem ein gelungener Ausgang für einen perfekten Kreuzfahrttag auf Santorin.

Sonnenuntergang über SantorinAusblick in OiaBoutique-Hotel SantorinAlt und neu vereint in SantorinBunte BlumenGriechisch-Orthodoxe KircheAlte blaue TürBlick durch die Tür auf den KraterKreuzfahrtschiff in Santorin

 

AUTHOR - miniglobetrotter

Hallo! Wir sind die Mini Globetrotter - eine 4-köpfige Familie, die es sich in Andalusien bequem gemacht hat. Wir glauben ganz fest daran, dass Reisen mit Kindern nicht nur machbar, sondern wichtig ist. Von unserer Basis in Málaga aus erkunden wir die Welt – von Australien über den Südpazifik bis nach Europa. Lasst euch inspirieren und plant euren nächsten Familienurlaub mit uns!

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