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Celsus-Bibliothek in Ephesus

Eine Rückkehr nach Ephesos

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Die wohl wichtigste archäologische Ausgrabungsstelle in der Türkei ist ohne Zweifel die antike Stadt Ephesos. Bequem gelegen und nicht weit vom Ferienort Kusadasi entfernt, ist Ephesos die wohl meist besuchte Attraktion nahöstlicher Geschichte in der Türkei nach Istanbul.

Gern bestätigen wir, dass Ephesos ein Ort voller Wunder ist. Einer dieser Ort, die euch verzaubern werden mit seiner Schönheit und Detailreichtum. Es ist vielleicht nicht so vollständig und gut erhalten wie Pompeji. Aber es gibt hier jedoch immer noch jede Menge zu entdecken. Man kann auf jeden Fall in Ephesos noch sehr gut erkennen, wie die Leute vor 2.000 Jahren eigentlich so gelebt haben.

Alte Keramikröhren aus der Kanalisation von Ephesus

Ephesos – ein Wiedersehen nach zwei Jahrzehnten

Mein erster Besuch von Ephesos fand statt zu Beginn der 90er Jahre. Da war ich noch ein schlacksiger Teenager auf Herbsturlaub mit meinen Eltern. Ich glaube, ich war in meinem zweiten Jahr Lateinunterricht auf dem Gymnasium. Eine schmerzhafte, stressbehaftete Erfahrung, an die ich nur ungern zurückdenke. Der Besuch in Ephesos war allerdings sehr hilfreich für mich und für mein Interesse an der lateinischen Sprache. Auf einmal war es leichter, Leben in die tote Sprache einzuhauchen. Ich konnte sehen, wie die Leute, die diese furchtbar komplizierte Sprache damals sprachen, eigentlich lebten.

Zwei Jahrzehnte später und ich war neugierig, was sich eigentlich so in Ephesos in dieser ganzen Zeit getan hatte. Da hier immer noch gegraben und studiert wird, ist auch eine Ausgrabungsstätte wie Ephesos im stetigen Wandel. Und ich wollte herausfinden, ob auch heute noch, wo ich ein etwas aufgeklärterer Erwachsener bin, Ephesos mich immer noch begeistern kann.

Und so endete ich letzten Sommer also wieder in Ephesos als Teil einer Kreuzfahrt durch das östliche Mittelmeer. Ohne Kinder, aber mit dem Ehemann im Schlepptau, erkundete ich ein zweites Mal diese Stätte meiner Kindheit. Wie sich herausstellte, bin ich jetzt sogar ein noch größerer Fan.

Prachtstraße in Ephesus

Unser Rundgang durch das antike Ephesos

Ich will ganz ehrlich sein. So ganz genau können wir uns nicht mehr daran erinnern, was wir damals so in Ephesos zu sehen bekommen haben. Ein ausführlicher Vergleich ist daher nicht möglich. Doch eines kann ich auf jeden Fall mit Bestimmtheit sagen: Erstaunlicherweise erscheint mir Ephesos heute größer als damals. Vielleicht irre ich mich da, aber eventuell gibt es heute mehr zu sehen als früher.

Von einer Attraktion in Ephesos wissen wir das aber auf jeden Fall mit Bestimmtheit. Die Hanghäuser waren in den 90ern noch nicht zugänglich. Und auch heute kann man sie nur sehen, wenn man einen Aufpreis zahlt.

Folgt uns auf unserem Rundgang von Ephesos, das wir an einem unbeschreiblich heißen türkischen Sommertag erkundet haben.

Wir beginnen unsere Tour beim Hintereingang, nicht dem Haupteingang. Das hat den Vorteil, dass wir die ganze Zeit leicht bergab gehen und nicht bergauf. Ein nur kleines Detail, aber wenn sich das Quecksilber hartnäckig an der 37 festhält, macht so was schon für die allgemeine Befindlichkeit einen entscheidenen Unterschied. Wenn ihr eine Karte braucht, um dem Verlauf zu folgen, schaut einmal hier.

Ein Rundgang von Ephesus

Der Rundgang durch Ephesos ist ziemlich leicht nachzuverfolgen und führt vorbei an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten und bekanntesten Bauwerken. Man kann sich eigentlich auch gar nicht groß in Ephesos verlaufen. Denn alles ist recht gradlinig angelegt. Ihr folgt ganz einfach der Kuretenstraße bis zur Celsius-Bibliothek, dann geht ihr rechts in die Marmorstraße bis zum Theater, und dann noch einmal links in die Hafenstraße. Die Hafenstraße endet dann am Haupteingang, der in diesem Fall euer Ausgang wäre.

Unser Besuch findet an einem der heißesten Tage des Jahres statt. Wir können euch nur ausdrücklich warnen, solltet ihr einen Besuch mitten im Sommer planen. Nehmt auf jeden Fall einen Sonnenhut oder eine Mütze mit. In Ephesos gibt es leider nicht besonders viel Schatten auf den breiten boulevardartigen Straßen.

Hadrianstempel

Die Wunderwerke entlang der Kuretenstraße

Auch wenn wir im Prinzip nur drei Straßen in Ephesos ablaufen, gibt es doch eine Menge unterwegs zu sehen.

Die Kuretenstraße ist wie eine breite Prachtstraße gebaut und hat eine Länge von ungefähr einem Kilometer. Auf beiden Seiten seht ihr Säulen, halb zerstörte Häuser und aufgerichtete Steinquader. Ein eleganter Boulevard, der immer noch mit dem originalen Marmorboden glänzen kann.

Während ihr euch also langsam in Richtung Celsus-Bibliothek fortbewegt,  kommt ihr an einem kleinen Halbrund von Theater vorbei. Hier tagte früher die Stadtverwaltung. Einige Meter weiter und ihr passiert einen Stadtbrunnen, der so hübsch anzusehen ist, als wäre ein kleines Gebäude für sich. Ihr durchschreitet auch ein imposantes Tor, das Herkulestor, und kommt an der Statue eines Arztes vorbei.

Die Steinblöcke, die wie in einem Museum zu beiden Seiten der Straße aufgestellt worden sind, sind voll beschrieben mit Informationen für die ehemaligen Stadtbewohner. Sie erklären die Funktionen von Gebäuden, nennen wichtige Persönlichkeiten der Stadt oder klären über die Gesetze in Ephesos auf. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich als Teenager daran scheiterte, diese Inschriften zu entziffern.

Es gibt jedoch auch Nachrichten auf dem Weg, die verstehen selbst moderne Menschen von heute. Bilder und ihre Symbolik können sehr aufschlussreich sein. Auf einem der Steinklötze zum Beispiel konnten wir deutlich eine Schlange sehen, die sich um einen Stab windet: das heute noch bekannte Zeichen für Medizin. Hier befand sich also in Ephesos einmal das Krankenhaus.

Steinblöcke mit Inschriften in Ephesus

Eine Hauptstadt voller Prunk

Was viele vielleicht gar nicht wissen: Ephesos was lange Zeit die Hauptstadt Kleinasiens. Selbst Laien können heute noch am Aufbau und an der Pracht der Relikte sehen, wie wichtig und wohlhabend die Stadt einmal gewesen sein muss. Während wir die Kuretenstraße so hinabschreiten, entdecken wir die wunderschönen Mosaike auf den Bürgersteigen, die sich immer noch gut erhalten haben. Das erkennbare Detail der Mosaikarbeiten, die verschlungenen Ranken und geometrischen Muster, sind schon erstaunlich.

Direkt hinter dem Bürgersteig beginnen die Hanghäuser. Sie sind wie mit dem Schneidemesser vorne geöffnet, so dass man hineinsehen und deutlich die Gewölbedecken erkennen kann. In den Wänden sehen wir kleine Nischen, die Reste von Türdurchgängen und Schwellen. Diese Gebäude dienten damals als Geschäfte. Wenn ihr bereit seid, Eintritt zu zahlen, dann könnt ihr euch die besser erhaltenen Teile des Komplexes anschauen, die Kanalisationsrohre, Wandmalereien und vieles mehr.

Wir jedoch lassen das Museum links liegen und folgen weiter der Straße bergabwärts. Am Ende stehen wir vor einer der beeindruckendsten Häuserfassaden der antiken Welt: die Celsus-Bibliothek.

Mosaike auf dem Gehweg neben den Hügelhäusern

Die Celsus-Bibliothek

Man braucht nicht viel Fantasie um zu erkennen, dass die Celsus-Bibliothek einmal die drittgrößte der Welt war nach Alexandria und Pergamon. Dieses Gebäude war ein römisches, nicht ein griechisches, was sich für Experten leicht an der Architektur ablesen lässt. Der imposante Bau hinterlässt auf jeden Fall damals wie heute einen bleibenden Eindruck.

Natürlich kann man nicht hineingehen, denn alles, was von der Bibliothek noch übrig ist, ist die Fassade. Erdbeben, Barabareneinfälle und ein Brand zerstörten schon bereits vor 2.000 Jahren das gesamte Bauwerk. Nur dank der Archäologen, die zumindest die Fassade wieder zusammenpuzzeln konnten, bekommt man als Besucher einen angemessenen Eindruck von der Imposanz dieses Gebäudes.

Jedoch finde ich, dass sich die Schönheit des Celsus-Bibliothek besonders im Detail finden lässt. Es ist auf jeden Fall angebracht, sich an dieser Stelle einen schönen Schattenplatz zu suchen, um die müden Füße einmal auszuruhen. Derweil kann man sich die künstlerische Fassade mit ihren Marmorstatuen, Rundbögen und feinen floralen Details genauer ansehen.

Die Celsus-Bibliothek ist genau so, wie ich sie auch nach 20 Jahren immer noch in Erinnerung hatte. Das Gebäude ist und bleibt das schlagende Herz des alten Ephesos. Einer der Hauptgründe, warum überhaupt Besucher hierher strömen. Ein römisches Meisterwerk, das ganz sicherlich einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Details an der Celsus-Bibliothek

Die Bedeutung von Ephesos in der Antike

Zwar ist die Celsus-Bibliothek absolutes Highlight eines jeden Ephesos-Besuchs. Jedoch nimmt unsere Begeisterung nicht ab, als wir durch das herrliche erhaltene Mazaeus-Mithridates-Tor schreiten und so zur Agora gelangen.

Hier ist noch der quadratische Grundriss klar erkennbar. Während wir über die Holzplanken die Eingänge zu den zerstörten Geschäften und Warenhäusern abschreiten, entdecken wir überall Inschriften. Sie erläutern Regelungen im Handelsverkehr, Handelsgesetze und Öffnungszeiten.

Von hier sind es auch nur wenige Schritte bis zum berühmten Amphitheater, das in den Fels gehauen hoch über der Ausgrabungsstätte thront. Es ist so gut restauriert worden, dass hier heute wieder moderne Konzerte aufgeführt werden. Bis zu 24.000 Zuschauer finden Platz im Theater.

In der Antike jedoch, da stand hier einmal der Apostel Paulus, der die Botschaft des Christentums missionierend durch die Welt getragen hat. Durch seine und die Arbeit anderer sollte Ephesos einmal das drittwichtigste Zentrum der Christenheit nach Jerusalem und Antiochia werden.

Frühchristliches Kreuz in den Stein gehauen

Die Straße, die direkt auf das Theater zusteuert, ist die Hafenstraße. Der Name mag seltsam anmuten, ist das Meer doch mindestens zehn Kilometer entfernt. Früher jedoch, da war das Wasser viel näher, so dass Ephesos eigentlich eine pulsierende Hafenstadt war.

Ein anderer Name für diese Straße ist auch Arkadische Straße. Eine Prachtstraße, wie gemacht für Prozessionen. Und so ritten einst auch Kleopatra und Mark Anton einst hier lang, bejubelt von der Bürgerschaft von Ephesos. Ohne Zweifel war so eine Vorstellung eine willkommene Abwechslung vom täglichen Einerlei. Wer mag nicht einmal einen Blick auf königliche Häupter werfen?

Arkadische Straße, auch Hafenstraße genannt

Verlorene Schätze

Es gibt noch so viel mehr in Ephesos zu sehen, aber ich will euch nicht zu sehr mit den Einzelheiten langweilen. Die Stadt ist nämlich auch Heimat eines der Sieben Weltwunder der Antike, dem Artemistempel. Ein beeindruckendes Gebäude mit Säulen, die über 30 Meter hoch waren. Leider ist davon heute nicht mehr viel zu sehen, denn der Tempel ist im Laufe der Zeit auf seine Fundamente reduziert worden. Heute gibt es an dieser Stelle nicht viel mehr als ein Haufen Steine.

Als Teenager war ich natürlich auch angetan von der Anrüchigkeit des Stadtbordells. Das war damals eine bedeutende Institution und bei weitem nicht so verrufen wie heutzutage. Die kleine phallische Statue mit dem überlangen Penis, die an dieser Stelle gefunden wurde, befindet sich heute sicher verwahrt im Ephesos-Museum. Touristen kennen sie wahrscheinlich von den Postkarten, die auch in Kusadasi verkauft werden.

Die Latrinen, also die öffentlichen Toiletten, sind ebenfalls sehr interessant anzuschauen. Damals schien man sich um Privatsphäre noch nicht so die Gedanken gemacht zu haben. Denn zwischen den einzelnen Sitzen gab es keine Abtrennungen. Man saß im Carré und unterhielt sich über Gott und die Welt. Und hier ist ein Fun Fact: Sklaven mussten vor der Benutzung der Toilette für ihren Herren den Marmorsitz vorwärmen. Und ihr dachtet, euer Job wäre ätzend!

Die Zukunft von Ephesos

Die Experten glauben, dass ca. 90% der Stadt immer noch unter Schutt begraben liegt. Es gibt also noch viel mehr zu entdecken als das, was ich euch versucht habe, in diesem Artikel zu zeigen. Zweifellos gibt es noch viele Geheimnisse und tolle Fakten über das antike Leben in Kleinasien, die Ephesos der modernen Welt noch nicht eröffnet hat.

Antiker Brunnen

Vielleicht fragt ihr euch, wann das alles aufgedeckt und für die Öffentlichkeit aufbereitet wird? Nun ja, leider ist es so, dass ordentlich durchgeführte Archäologie eine Menge Geld kostet.

Die Wissenschaftler werden hier nur weiter graben, wenn dafür Gelder bereitgestellt werden. Und wenn die Öffentlichkeit ein echtes Interesse zeigt. Am Ende ist es also auch ein Geschäft.

Aber das muss jetzt nicht heißen, dass das schlecht ist. Ganz im Gegenteil: Dass die Überreste von Ephesos größtenteils unter Gesteinsschichten begraben liegen, bedeutet, dass sie dort auch weiterhin gut aufgehoben sind. Alles, was man an die Oberfläche bringt ist verschiedensten Einflüssen ausgesetzt, man denke nur mal an Umwelteinflüsse, Erdbeben, der Klimawandel, Vandalismus und die leidige Politik.

Eine umsichtige und vorsichtige Aufarbeitung von Ephesos ist sicherlich der richtige Weg, um diesen faszinierenden Ort auch für zukünftige Generationen gut zu erhalten.

Agora von Ephesus

Eine Rückkehr zu einem Ort meiner Kindheit

Die Rückkehr nach Ephesos war sicherlich die richtige Entscheidung für mich. Auch wenn ich zugegebenermaßen ein vielleicht etwas seltsames Kind war. Meine Eltern mussten mich nicht strampelnd und schreiend herschleppen, ich kam freiwillig.

Aber meine fehlende Weltsicht in dem Alter und meine fehlende Reife hinterließen bei mir große Verständnislücken. Noch konnte ich nicht die Verbindungen zwischen verschiedenen Wissensbereichen herstellen, was mir sicherlich geholfen hätte, Ephesos für mich besser zu erschließen.

Die Stadt ist auf jeden Fall ein absolutes Highlight, wenn ihr einen Urlaub in der Türkei plant. Selbst wenn euch die geschichtlichen Details nicht so interessieren, glaube ich, dass ihr Gefallen an der Stadt haben werdet. Ich fand Ephesos selbst bei meinem zweiten Besuch hier immer noch faszinierend.

Und wie steht’s mit euch? Seid ihr schon einmal an einen Ort eurer Kindheit zurückgekehrt und habt diesen mit einer völlig neuen Perspektive wahrgenommen?

Spielt ihr auch mit dem Gedanken, mal als Familie eine Kreuzfahrt mit Kindern zu unternehmen? Warum wir das für eine gute Idee halten, erfahrt ihr hier: Warum Kreuzfahrten perfekt sind für Familien – unsere Erfahrungen.

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AUTHOR - miniglobetrotter

Hallo! Wir sind die Mini Globetrotter - eine 4-köpfige Familie, die es sich in Andalusien bequem gemacht hat.Wir glauben ganz fest daran, dass Reisen mit Kindern nicht nur machbar, sondern wichtig ist. Von unserer Basis in Málaga aus erkunden wir die Welt – von Australien über den Südpazifik bis nach Europa.Lasst euch inspirieren und plant euren nächsten Familienurlaub mit uns!

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