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Gaudi, die Stadt mit den Höhlenwohnungen

Die Höhlenwohnungen von Guadix

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Guadix ist einer dieser Orte in Andalusien, die leider total übersehen werden. In kaum einem Reiseführer findet er Erwähnung. Schade eigentlich. Denn wir fanden Guadix so spannend, dass wir nach 15 Jahren noch einmal dorthin fahren mussten. Diesmal mit den Kindern. Denn in Guadix gibt es etwas, das man so nicht überall finden kann. In Guadix leben nämlich noch so einige Leute in Höhlenwohnungen.

Diese Leute nennt man in der Fachsprache wohl auch Troglodyten, weswegen man manchmal diesen Begriff findet. Traditionell waren es eher die Künstler, Kunsthandwerker und Zigeuner, die man in solch ursprünglich rudimentären Unterkünften fand. Heute sieht das freilich ein bisschen anderes aus.

In Guadix gibt es jedenfalls ein ganzes Viertel davon. Die Wohnungen sind von Hand aus dem weichen Gestein herausgeschlagen worden. Auch heute noch leben viele Tausend Menschen in diesen Höhlenwohnungen. Und drumherum findet man Kneipen, Restaurants, Museen, eine Kirche und Schule.

Also kurz zusammengefasst: Guadix hat etwas, das kaum ein anderer Ort hat. Und doch weiß kaum jemand davon. Grund genug für uns, euch diesen faszinierenden Ort einmal genauer vorzustellen.

Die Altstadt von Guadix: Eine Kirche, ein Platz und eine maurische Burg

Die Kathedrale von Guadix

So wie in vielen anderen Städten in Andalusien auch, findet man in Guadix das typische Dreiergespann Kathedrale-Hauptplatz-Maurenburg. Wir parkten im Schatten der Kathedrale und beschlossen, uns zu Fuß auf den Weg ins Höhlenviertel, dem Barrio de Cuevas, zu machen. Das hatte auch den Vorteil, dass wir uns nicht mit dem Auto durch die uralten engen und teilweise recht verwirrenden Straßen der Stadt durchwuseln mussten.

Die Kathedrale von Guadix war zwar an diesem Tag für Besucher geschlossen, aber auch die Außenfassade fanden wir reichlich beeindruckend. Fast 200 Jahre dauerte der Bau dieses Gotteshauses, und so findet das kundige Auge hier einen wilden Mix aus Elementen der Gotik, der Renaissance und des Barocks.

Hauptplatz von GuadixDirekt gegenüber vom Hauptportal entdeckten wir einen Bogengang unter dem Gebäude hindurch. Neugierig gingen wir mit den Kindern hindurch und entdeckten einen sehr klassischen rechtwinkligen Platz – den dekorativen Hauptplatz von Guadix. Er war jetzt im Dezember sehr schön festlich dekoriert.

Wieder zurück zum Kathedralenvorplatz und weiter ging es zu unserem eigentlichen Ziel, dem Höhlenviertel von Guadix. Die Kids konnten es kaum erwarten! Hierzu orientierten wir uns einfach an der protzigen Maurenburg, die genau zwischen uns und dem Endziel lag, umrundeten die Basis und gingen weiter Richtung Süden. Nach 20 Minuten waren wir endlich angekommen.

Die Höhlenwohnungen von GuadixDie Höhlenwohnungen von Guadix

Und so erlagen wir dem Charme von Guadix zum zweiten Mal. Für die Kinder war es ja das erste Mal. Wir folgten den Schildern zu einem „Mirador“, also einem Aussichtspunkt, der gleichzeitig das Dach von einer der Höhlenwohnungen war. Von hier aus hatten wir einen fantastischen Rundumblick auf das Viertel.

Vor uns tat sich eine Landschaft voller runder kleiner Hügelchen auf. Da hinein gegraben waren Hunderte von Wohnungen. Meist verriet die typisch spanische weißgekalkte Fassade, dass man ein Wohnhaus vor sich hatte. Vor den Eingängen waren kleine ummauerte Vorderhöfe.

Panorama vom HöhlenviertelEin Wald aus kleinen weißen Schornsteinen zeigte an, dass sich im Untergrund weitere Höhlenwohnungen befanden. Im Hintergrund sahen wir das schroffe Bergpanorama, das Guadix umschloss. Im Norden waren Kathedrale und Maurenburg klar zu erkennen.

Die Landschaft wirkte heimelig und gemütlich. Vergleiche zu einem Schlumpfdorf kamen auf. Wir sahen Ställe mit Eseln und kräftigen kleinen Pferden, Restaurants und Bars, eine Kirche und sogar eine Schule. Dies war ein lebendiges Viertel voller Menschen, einladend und einzigartig.

Ein Blick ins Innere

Blick über die StadtNatürlich kann man in Guadix auch einmal einen Blick in das Innere dieser Höhlenwohnungen werfen. Das geht, indem man das örtliche Museum besucht, oder, noch besser, man lässt sich von einem der Bewohner ins Haus einladen. Das ist ganz einfach. Unsere Einladung erhielten wir bereits in der Sekunde, in der wir uns zur Aussichtsplattform begaben, denn eigentlich stiegen wir damit auf das Dach eines Höhlenbewohners.

Der ältere Mann lud uns ein, seine Wohnung von innen zu inspizieren. Er sprach zwar nur Spanisch, aber man arrangierte sich. Er erklärte, dass die Temperatur in der Höhle immer gleichbleibend sei, gemütliche 20 Grad. Besonders im heißen andalusischen Sommer war dies natürlich sehr angenehm. Wir besichtigten den Wohnraum mit dem kantigen Familientisch und der Fernsehecke, blickten in zwei kuschelige Schlafzimmer mit Fernsehern, warfen einen Blick ins Bad.

Ein Blick ins Innere einer der Höhlenwohnungen

Keiner der Räume hatte natürlich ein Fenster, denn sie waren in den Fels gegraben worden. Aber der Raum, der nach vorne herausging, war eine moderne Küche, und die hatte tatsächlich ein Fenster. Am Kühlschrank fanden wir sogar eine Grußkarte in krakeliger Kinderhand, auf der auf Spanisch stand, „Für den besten Opa der Welt“.

Wir bedankten uns für die freundliche Einladung des netten Herren, hinterließen ein paar Münzen als Dank, und sahen beim Hinausgehen noch die manuelle Waschmaschine mit Schrubbelbrett und den privaten Brunnen im Vorhof. Flüchtig fragten wir uns, wie alt wohl diese Wohnung sein musste?

Mit der Bimmelbahn zurück, doch wir kommen wieder

Mit der Bimmelbahn geht's zurück zum Auto

Da den Kindern die Beine schwer wurden (wir hatten zuvor schon einen anderen Ort besucht und hatten Erbarmen mit ihnen), nahmen wir die motorisierte Bimmelbahn zurück zum Kathedralenplatz. Dabei hatten wir dann praktischerweise auch noch eine kurze Stadtrundfahrt mit blechernen Erläuterungen aus dem Lautsprecher dazu.

Guadix hat uns auch bei diesem zweiten Besuch sehr gut gefallen. Vielleicht sogar noch besser. Auch die Kinder waren sehr erstaunt darüber, wie bequem und gemütlich man in einer Höhlenwohnung wohnen konnte. In der Umgebung von Guadix gibt es zahlreiche Möglichkeiten, auch selbst einmal in einer Höhlenbehausung zu übernachten. Wir werden uns das mal genauer anschauen. Auch die Burg von Guadix kann besucht werden und wartet auf unseren nächsten Besuch.

Maurische Burg in GuadixZurück ging es durch das winterliche Andalusien in Richtung Costa del Sol, wo wir wohnen. Die Sonne stand nun im Dezember schon ziemlich tief und leuchtete die Berge um uns herum goldgelb an. Immer wieder sahen wir Höhlenwohnungen neben der Autobahn – Guadix ist zwar der größte Ort für Höhlen, aber nicht der einzige.

In den Tälern lag dichter Rauch durch die zahlreichen Winter- und Kaminfeuer, die in der kalten Jahreszeit so üblich sind in Andalusien. Ein pastellfarbener Schleier lag über den Feldern, welch ein wunderschöner Ausklang für unseren Familienausflug nach Guadix!

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AUTHOR - miniglobetrotter

Hallo! Wir sind die Mini Globetrotter - eine 4-köpfige Familie, die es sich in Andalusien bequem gemacht hat. Wir glauben ganz fest daran, dass Reisen mit Kindern nicht nur machbar, sondern wichtig ist. Von unserer Basis in Málaga aus erkunden wir die Welt – von Australien über den Südpazifik bis nach Europa. Lasst euch inspirieren und plant euren nächsten Familienurlaub mit uns!

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