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Der Strand der Kathedralen

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Seit knapp einem halben Jahr leben wir jetzt mit den Kindern in Spanien. Wir kennen uns gut aus im tiefen Süden und entlang der gesamten Mittelmeerstrecke bis nach Frankreich. Doch der atlantische Norden war uns bisher noch unbekannt. Umso überraschter waren wir, als wir feststellen mussten, wie anders Galicien sich doch zum Rest des Landes anfühlte.

Denn Galicien ist saftig grün. Mit dramatischen Küstenverläufen mit dichten Brombeerbüschen und lilafarbenen Heideblumen. Verträumte breite Flussmündungen, über die sich lange Brücken spannen. Vorbei an verschlafenen Orten, an denen die Zeit still gestanden zu haben scheint. Einsame Sandstrände, scheinbar unberührt von der Zivilisation.

Auf unserer Rundreise einmal rund um Spanien und Portugal herum waren wir überrascht, wie sehr dieser Teil des Landes doch Deutschland ähnelte. Immer wieder fühlten wir uns an unsere alte Heimat, das Ruhrgebiet und das Sauerland, erinnert. Nach all den heißen Wochen im andalusischen Sommer wirkte diese gemäßigte, wolkenbehangene grüne Landschaft erfrischend und beruhigend.

Blick über die wilde galicische Küste in Nordspanien

Blick über die wilde galicische Küste in Nordspanien.

Ein Traum für Familien: der Strand der Kathedralen

Wir verließen die Autobahn für einen kurzen Zwischenstopp an einem Strand namens Praia das Catedrais, sinngemäß also der Strand der Kathedralen. Für uns Deutsche ist das ein relativ unbekannter Strand, der kaum in einem Reiseführer erwähnt wird. So könnt ihr euch sicherlich unser Erstaunen vorstellen, als wir auf dem übervollen Parkplatz um einen freien Stellplatz kämpfen mussten. Wie sich nämlich herausstellte, war der Strand bei einheimischen Familien überaus beliebt.

Für einen Moment fühlten wir uns überfordert. Innerhalb weniger Sekunden entschieden wir uns, dass nur ich den Strand erkunden sollte, und dass die Mini Globetrotter mit ihrem Vater bei Snacks und Getränken im Auto warten sollten.

Ein dummer Fehler, wie sich kurz danach herausstellen sollte. Denn der Strand ist perfekt für Kinder.

Was wir nicht ahnen konnten, der Strand ist perfekt für Familien

Was wir nicht ahnen konnten, der Strand ist perfekt für Familien.

Ein Wunderwerk der Natur

Die Klippen hier in der Nähe des Örtchens Ribadeo (in der Provinz Lugo) sind ungefähr 30 Meter hoch. Und doch haben sie keine Chance gegen die starken Mächte der Wellen, die täglich gegen die Felsen schlagen. Ebbe und Flut formen hier die Landschaft, nagen ohne Unterlass an dem harten Stein. Nach und nach werden so neue Formen in den Felsen gebildet, eine schöner als die andere.

Denn der Name Praia das Catedrais ist hier Programm. So, wie die Gezeiten die Felsen nach und auflösen, entstehen durch Zufall die faszinierendsten und außergewöhnlichsten Formen. Nicht selten fühlt man sich dabei an die großen Meisterwerke der Kirchenbaukunst erinnert. Bögen und Brücken, Gewölbe und Höhlen scheinen auf die wunderlichste Art und Weise der Schwerkraft Stand zu halten. Steinpfähle stellen sich stur den Kräften der Wellen entgegen, bilden atemberaubende Labyrinthe und Gänge.

Dieser Strand ist nichts für Schwimmer oder Sonnenhungrige. Dieser Strand ist ein Strand fürs Auge. Licht und Schatten, die Jahreszeiten und Gezeiten ändern ständig das Bild, schaffen immer neue Ansichten. Perfekt für Fotografen und Naturliebhaber. Aber auch für Familien. Denn Kinder lieben es, die vielen verzweigten Winkel des Strandes zu erkunden.

Eine Destination also, an der sowohl Erwachsene als auch Kinder Gefallen finden. Dies ist so ganz nach unserem Geschmack.

Der Strand ist bekannt für seine faszinierenden Felsformationen.

Der Strand ist bekannt für seine faszinierenden Felsformationen.

Erkundung des Praia das Catedrais

Praia das Catedrais (oder auch auf Spanisch Playa de las Catedrales) ist in der Tat so beliebt, dass wir eigentlich unseren Besuch vorher hätten anmelden müssen. Das wussten wir allerdings nicht, und so blieb uns nichts anderes übrig, als per Handy noch schnell das Online-Formular auszufüllen und das Ergebnis auf dem Bildschirm den Aufpassern zu präsentieren.

Eigentlich kein großes Problem, denn der Eintritt ist frei. Doch möchten wir doch dazu raten, diese Formalität bereits vor dem Besuch zu erledigen, denn das Formular fragt viele Daten ab, die sich nicht leicht per Handy ausfüllen lassen.

Glücklicherweise herrschte Ebbe, denn ansonsten wäre der Besuch wohl unmöglich. Also auch das solltet ihr vor eurem Besuch noch einmal ganz genau abklären.

Unten angekommen, stand ich erstmal eine Weile auf dem festen weißen Sand, um die Atmosphäre in mich aufzusaugen. Die Schuhe auszuziehen, um den feinen kühlen Sand zwischen den Zehen zu spüren, erschien da ganz natürlich. Aber da ich alleine war und mit einer Kamera unterwegs, hatte ich wenig Verwendung für ein lose herum baumelndes Paar Schuhe in den Händen. Ich entschied mich schließlich, die Schuhe anzulassen. Der Sand war sowieso so fest, dass man nicht einsank.

Gleich zu Beginn fielen mir die vielen Pfützen auf, die sich überall gebildet hatten. Ganz seicht und mit kristallklarem warmen Wasser gefüllt. Perfekt für Familien mit kleinen Kindern, die noch nicht schwimmen können und einfach nur im schlammigen Sand spielen wollen.

Spätestens hier ging mir dann auf, dass ich die Kinder nicht im Auto hätte zurücklassen sollten. Sie hätten sich hier pudelwohl gefühlt, so wie die anderen Kinder, die dieses wunderschöne Landschaft einfach als Abenteuerspielplatz akzeptierten.

Tausende Babymiesmuscheln halten sich bei Ebbe an den Felsen fest.

Tausende Babymiesmuscheln halten sich bei Ebbe an den Felsen fest.

Kirchenschiffe der Natur

Auf ging es daher voller Bedauern zur Erkundungstour. Bald schon kam ich an zahlreichen Höhlen vorbei – gerade groß genug, dass man hineingehen kann. Die Wände dieser Höhlen treffen im spitzen Winkel aufeinander, bilden gotische Bögen, ganz so wie in einer Kirche.

Ich ging in einige dieser Höhlen hinein, hörte, wie mein Atem von den Wänden widerhallte, roch den schwachen Duft des Meeres. Einige der Höhlen waren so tief, dass man in völlige Dunkelheit versinken konnte. Ein unheimliches Gefühl, so nah am Meer, besonders, wenn man bedenkt, dass diese Höhle bei Flut wahrscheinlich wieder komplett unter Wasser stehen würde.

Die Felsen, die dem Meer am nächsten standen, waren bedeckt mit Millionen und Abermillionen von kleinen Miesmuscheln. Wie außerirdische Blumen klammerten sie sich an den Steinen fest und bildeten seltsam anmutende Formationen.

Für einige Augenblicke verlor ich mich in einem Labyrinth von Gängen. Wie Kirchenschiffe ragten die steilen Klippen um mich herum auf. An einigen Stellen tropfte Wasser herab; an dessen Verlauf hatten sich dicke grüne Teppiche aus Seegras gebildet.

Umgeben von diesen hohen Gesteinsgebilden fühlte ich mich auf einmal sehr klein und unbedeutend, die Steinschlag-Warnungen machten mich unsicher. Deshalb machte ich letztlich kehrt und wandte mich belebteren Abschnitten des Strandes zu, den Grotten.

Die hohen Klippen wirken mit ihrer labyrinthartigen Struktur wie ein weit verzweigtes Kirchenschiff.

Die hohen Klippen wirken mit ihrer labyrinthartigen Struktur wie ein weit verzweigtes Kirchenschiff.

Grotten, die in den Farben von Meerjungfrauen schillern

Die Grotten lagen alle nah beieinander. Kleine nette Ecken voller tiefer Wasserbecken, die sich bis tief in die Höhlen erstreckten. Viele Familien gab es hier, die diese Grotten zusammen für sich entdeckten. Sie schwammen bis zum Ende der Pools, kletterten auf Felsvorsprünge, schossen Fotos von ihren gemeinsamen Abenteuern und der tollen Szenerie.

Wenn man genau hinsah, dann bekam das kristallklare Wasser dieser Becken eine leicht türkise Färbung, die sich über den weißen Sandboden legte. Meine Tochter würde dazu sagen, wie die Tränen von Meerjungfrauen.

Um mich herum war wildes Spielen angesagt. Die Kinder plantschten im Wasser, jagten sich gegenseitig um die Felssäulen, bauten Sandburgen. Ein magisches Wunderland, gebaut mit den Werkzeugen der Natur: Sand und Wasser, Helligkeit und Dunkelheit. Der Spaß, den man allerorten spürte, war ansteckend. Ihr Gelächter hallte an den Felswänden wieder, vibrierte durch die Grotten, pur und unverfälscht.

Meerjungfrauentränen haben dieses Wasser blau gefärbt. Naja, nicht wirklich, aber warum nicht?

Meerjungfrauentränen haben dieses Wasser blau gefärbt. Naja, nicht wirklich, aber warum nicht?

Wenn ihr auch einen Besuch am Playa de las Catedrales im spanischen Galicien plant, dann vergesst nicht, euch vorher euer Tickets zu reservieren. Das geht recht einfach auf Englisch über diese Website.

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Die Felsen am Praia das Catedrais erinnern an gotische Schwibbögen.

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AUTHOR - miniglobetrotter

Hallo! Wir sind die Mini Globetrotter - eine 4-köpfige Familie, die es sich in Andalusien bequem gemacht hat. Wir glauben ganz fest daran, dass Reisen mit Kindern nicht nur machbar, sondern wichtig ist. Von unserer Basis in Málaga aus erkunden wir die Welt – von Australien über den Südpazifik bis nach Europa. Lasst euch inspirieren und plant euren nächsten Familienurlaub mit uns!

2 Comments
  • Oliver Huber | Aug 22, 2017 at 8:02 pm

    Hey,
    super Artikel. Nachdem ich schon immer mal nach Galicien wollte, wird sich dass hier auf jedenfall gemerkt und kommt auf die ToDo List.

    • miniglobetrotter | Aug 22, 2017 at 8:04 pm

      Galicien hat uns wirklich positiv überrascht! Viel Spaß bei der Planung 🙂

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