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Der schnurgerade Barkly Highway

Der Beweis, dass wir Deutschen überall sind (Outback Teil 10)

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Wir sind nun schon einige Tage unterwegs auf unserem Outback-Trip vom Uluru nach Cairns im tropischen Queensland. Nach einer erholsamen Nacht mitten im Nirgendwo auf dem Barkly Homestead setzen wir die Mini Globetrotter in unseren großen Wohnwagen, um endlich die tiefste Einöde des australischen Kontinents hinter uns zu lassen.

Sie ist kaum vorstellbar, diese Leere und Weite. Unser Wohnwagen ist wie unsere rollende Oase. In ihr bewegen wir uns durch eine Wüste aus Nichts, immer gen Osten und in Richtung Küste. Zwar ist das warme Wasser des tropischen Pazifiks noch mehrere Tausend Kilometer entfernt, aber wir bemerken, wie sich klammheimlich das Klima verändert.

Die Luft am Morgen erscheint bereits milder und wärmer. Der Wind, der über die staubigen Ebenen und das trockene Gras streicht, verliert seinen Biss. Die Schatten sind weniger kühl.

Bis zur Grenze nach Queensland sind es noch weitere 267 Kilometer. Ein Klacks, in Outback-Dimensionen gesprochen.

Eine der menschenleersten Stellen im australischen Outback

Ein Baum, ein Baum!

Ein Baum, ein Baum!

Auf dem Weg dorthin durchfahren wir eine endlose Ebene, das Eyre Basin. Es ist eine andere Art von Landschaft hier. Weiter, endloser, mit einem Horizont, der unsere Bedeutungslosigkeit zu belächeln scheint.

Unser Highway ist hier wie eine schwarze Linie, die sich schnurgerade nach Osten durch ein Meer aus kniehohem gelben Gras windet. Er ist eine Rettungsschnur, an der wir uns entlanghangeln mit jedem gerollten Kilometer. Die Flachheit der Landschaft ist atemberaubend. Für lange Zeit ist es eine Szenerie, die nur aus drei Elementen besteht: die schwarze Linie der Straße, das wogende Meer aus gelbem Gras, und unser kleiner Wohnwagen mittendrin. Nur selten unterbricht ein Baum diese Dreisamkeit.

Zwischen dem Northern Territory and Queensland

Wir staunen und bewundern die Schönheit dieser rohen Landschaft, die ehrlichen Farben unter dem strahlend blauen Himmel. Dies ist wie der Mittlere Westen der USA kurz vor der Erntezeit, wenn das Getreide reif auf den riesigen Ackerflächen steht.

Ostback-Landschaft am Barkly Highway

Outback-Landschaft am Barkly Highway

Doch es ist nur eine Illusion. Hier gibt es kein Getreide, nur kalorienarmes Gras. Das Land um uns herum ist zwar Kulturland, aber es ächzt und stöhnt unter den Hufen von Tausenden von Rindern. Wir sehen diese Tiere überall. In großen Herden ziehen sie dahin, von einem Wassertrog zum nächsten. Sie liegen faul im Schatten der wenigen Bäume, kauen wieder an dem harten gelben Gras.

Und mit den Rindern kommen die Gerätschaften der Landwirte. Komplexe Mechanismen um die Rinderherden zusammenzutreiben und auf Roadtrains zu verfrachten.

Ja, natürlich gibt es hier in dieser ländlichen Einöde auch diese riesigen Laster. Mehr als genug. Und sie werfen auch weiterhin kleine Kieselsteine mit mörderischer Wucht auf unsere Windschutzscheibe.

Eine interessante Abwechslung für die Kinder bieten die zahlreichen Termitenhügel am Straßenrand. Viele von ihnen sind über einen Meter hoch. Witzbolde nutzen diese Hügel gern, um die Szenerie aufzuheitern und kleiden sie darum in T-Shirts, setzen ihnen Mützen und Bauarbeiterhelme auf. Jeder Hügel sieht dadurch anders aus und bringt die Mini Globetrotter zum Kichern. Ja, das ist australischer Outbackhumor vom Feinsten!

Willkommen in Queensland

Schild in Camooweal

Schild in Camooweal

Schließlich überqueren wir die Grenze nach Queensland. Ein unspektakuläres Event, nur ein rostiges und hässliches Schild in der Landschaft. Wir verpassen dabei völlig die Fotogelegenheit.

Der nächste Ort nach der Grenze lässt nicht lange auf sich warten. Ab hier beginnt wieder die Zivilisation, wenn auch mit vorsichtigen Schritten. Der Ort heißt Camooweal, eine Ansammlung von vielleicht einem Dutzend Häusern, einer Tankstelle mit Schnellimbiss und einem Pleite gegangenen Heimatmuseum.

Im Schnellimbiss dann treffen wir auf unsere erste Deutsche nach mehr als 2.000 Kilometern. Offensichtlich eine Rucksacktouristin, die sich per Work und Travel noch ein paar Dollar dazuverdienen will. Sie nimmt unsere Bestellung auf, freut sich auf die deutschsprachige Gesellschaft. Wir finden es bemerkenswert, dass man wirklich in jeder Ecke auf der Welt mindestens einen Deutschen antreffen kann. Selbst in einem verlorenen Grenzort mit weniger als 180 Einwohnern.

Camooweal, historische Grenzstadt im Nichts

Camooweal, historische Grenzstadt im Nichts

Wir verlassen das kleine Örtchen Camooweal, um rechtzeitig in Mount Isa aufzuschlagen. Mit jedem Kilometer merken wir, dass wir tiefer in die Zivilisation eintauchen, was sich nach den letzten Tagen im Outback irgendwie wohltuend und heimelich anfühlt.

Die Zivilisation hat uns wieder, in Mount Isa

Mount Isa begrüßt uns mit Bergen

Mount Isa begrüßt uns mit Bergen

Die Landschaft verwandelt sich vor unseren Augen spürbar. Vorbei sind die Zeiten der baumlosen Ebenen. Mount Isa ist eine Bergwerksstadt, und sie liegt daher im Hügelland. Die Straße beginnt sich um die Anhöhen herumzuwinden, wir fahren Kurven, erklimmen Höhen.

Es erfordert unsere ganze Konzentration, denn hinter jeder Kurve kann und wird eine Kuh stehen. Wir müssen uns vorsichtig herantasten, damit wir nicht aus Versehen ein Rindvieh auf den Stoßdämpfergrill nehmen.

Am späten Nachmittag erreichen wir Mount Isa. Eine betriebsame Kleinstadt und regionales Zentrum mit allem, was man so zum Leben braucht. Vorbei ist die Romantik des Outbacks. Ganz so wie an anderen Orten in Australien auch wird das Straßenbild dominiert von Einkaufszentren, Krankenhäusern, Parkplätzen, preiswerten Hotels und Motels. Mount Isa lebt von riesigen Bergwerken, worauf die meisten Familien hier ihre Existenz begründen.

Als wir Mount Isa nach einem kurzen Stopp verlassen, folgen wir einer alten Handelsroute, die die Stadt mit der Küste verbindet. Kameltreiber haben vor Hundert Jahren diese Straße mit ihren Karawanen begründet, als sie Mineralien und Erze zu den Häfen von Queensland transportierten. Heute erledigt diese knochenbrecherische und gefährliche Arbeit die Eisenbahn, natürlich weitaus schneller, kostengünstiger und effizienter.

The Curry ist wie Mount Isa, nur hübscher

Die Landschaft rund um Cloncurry

Die Landschaft rund um Cloncurry

Uns kann Mount Isa nicht bezaubern. Nach der Stille und der bezaubernden Natur des Outback ist die Stadt ein Kulturschock. Deshalb machen wir uns gleich auf zu einer weitaus kleineren Bergbaustadt, Cloncurry, das die Einheimischen auch liebevoll „The Curry“ nennen.

The Curry ist eine nette kleine Stadt. Als wir ankommen, versammelt sich die Einwohnerschaft gerade auf dem Rasen vor dem kleinen Heimatkundemuseum. Ein Besuch hier lohnt sich, wenn man ein wenig über die Siedlungsgeschichte des Ortes erfahren möchte, denn hier finden sich so einige Schätzchen.

Unter anderem gibt es hier einen Baumstumpf zu sehen, den die Erforscher Burke und Wills auf ihrer Mission zur Erforschung des Kontinents mit Zeichen beritzt haben. Auch Burkes Wasserschlauch ist zu sehen, das Paradestück des kleinen Museums. Beide Erforscher überlebten die Mission übrigens tragischerweise nicht.

Der Baum der Entdecker Burke und Wills, die ihre Erforschungstour nicht überlebt haben

Der Baum der Entdecker Burke und Wills, die ihre Erforschungstour nicht überlebt haben

Neben diesen Stücken gib es im Museum von Cloncurry außerdem zahlreiche Objekte der Aborigines zu sehen sowie viele, viele Mineralien. Auf dem kleinen Markt vor dem Museum erstehen wir als Souvenir für nur $5 einen rohen Stein mit einer Opalader – ein tolles Andenken für einen unvergesslichen Trip.

Von Cloncurry aus geht es weiter nach Osten. Wir werden am nächsten Tag diese Bergbauregion hinter uns lassen und zum Entzücken der Kinder ein völlig neues Territorium betreten – das Dinosaurierdreieck von Australien.

Unser gesamtes Outback-Abenteuer

Das Museum in Cloncurry hat einige historische Schätze parat

Das Museum in Cloncurry hat einige historische Schätze parat

AUTHOR - miniglobetrotter

Hallo! Wir sind die Mini Globetrotter - eine 4-köpfige Familie, die es sich in Andalusien bequem gemacht hat. Wir glauben ganz fest daran, dass Reisen mit Kindern nicht nur machbar, sondern wichtig ist. Von unserer Basis in Málaga aus erkunden wir die Welt – von Australien über den Südpazifik bis nach Europa. Lasst euch inspirieren und plant euren nächsten Familienurlaub mit uns!

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