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Das Outback ist schon komisch

Das wunderbar verrückte Outback in all seiner Pracht (Outback Teil 7)

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Wir lieben das Outback. Also, nee, jetzt mal ganz ehrlich.

Wie kann jemand nur behaupten, das Outback sei ein langweiliger Ort? Von außen betrachtet und für Leute, die noch nie da waren, mag es vielleicht so den Anschein haben. Viele denken bestimmt, wie kann das Outback mit seiner Leere, Abgeschiedenheit und seinem feindlichen Klima ein begehrenswertes Reiseziel sein?

Aber wir sehen viel Potenzial im Outback. Es ist doch so viel anders als alles, was man sonst so auf der Welt zu sehen bekommt. Endlose Stunden auf einer schnurgraden Straße mit nichts als leeren Landschaften voller stachliger Büsche und verrottenden Tierkadavern und einem unendlichen Himmel über dir. Das muss man ganz einfach erlebt haben.

Dies ist der 7. Teil unserer Outback-Roadtrip-Serie. Nach einer kreisrunden Tour des berühmten Red Centre befinden wir uns mittlerweile auf der nördlichen Route zwischen Alice Springs und Tennant Creek. Der Stuart Highway ist in Outback-Relation übrigens nicht besonders abgeschieden, weswegen wir auch keine Probleme damit haben, mit den Mini Globetrottern diese Strecke abzufahren. Der Highway geht sogar weiter bis nach Darwin und ist daher eine überlebenswichtige Verkehrsader im australischen Straßennetz. Viele Road Trains – überlange LKWs – nutzen die Straße tagtäglich.

Road Train auf dem Stuart Highway

Ein Big Man am Aileron Roadhouse

Wir sind also nicht allein, auch wenn die Anzahl der Siedlungen auf der Strecke eher spärlich ist. Es ist nicht gerade so, dass es hier unterwegs viel Abwechslung gibt. Keine Touristenattraktionen, für die es sich lohnt anzuhalten. Doch trotz allem: es gibt auf dieser Strecke einige Dinge zu sehen, die sieht man wohl nirgendwo sonst auf der Welt. Man denke da zum Beispiel an Aliens, abgelegene Outback-Pubs und riesige Statuen.

Unser erster Stop ist beim Aileron Roadhouse, ca. 135km nördlich von Alice Springs. Da es nicht besonders viele Tankstellen im Outback gibt, ist es ratsam bei jeder Gelegenheit wieder vollzutanken, und das ist auch der Grund für unseren Stop. Wir haben noch viele Meilen vor uns und erkunden das Roadhouse nicht in seiner ganzen Pracht, aber eines wird selbst auf Entfernung sichtbar. Auf dem Hügel hinter dem Gebäude steht eine Riesenstatue, der „Big Man“. Ein knapp bekleideter Aborigine-Krieger, der mit einem Speer in der Hand die Landschaft inspiziert.

Typisches Roadhouse in Australien

Was für ein fantastisches Beispiel für australische Riesenstatuen, die sich oft entlang der Highways als Touristenattraktion finden lassen. Da gibt es zum Beispiel die Big Banana, den Big Lobster, die Big Mango oder auch den Big Merino. Manche Leute machen sich einen Spaß daraus, alle abzufahren. Nun, wir können nun wenigstens schon mal den Big Man von der Liste streichen.

Erst viel zu spät sehen wir den Rest von Big Mans Familie. Frau und Kinder stehen einig versammelt in Nähe des Roadhouses, nur wenige Schritte von unserem geparkten Wohnwagen entfernt. Und nicht weit davon entfernt finden wir zwei menschliche Eidechsen, eine davon mit einem BH. Na, wenn das mal keine schöne Kunst ist? Wir ersparen euch das Foto.

Der Big Man

Mangowein aus der Wüste

Und weiter geht die Fahrt! Einige Zeit später kommen wir an der Red Centre Farm an. Äh… Moment einmal. Befinden wir uns nicht quasi in der Wüste? Stimm genau! Und glaubt jetzt nur nicht, dass die Red Centre Farm in einem fruchtbaren Tal gelegen ist, umgeben von anderen grünen Farmen und viel Wasser. Dem ist mitnichten so. Diese Farm befindet sich mitten im Nichts, umgeben von gebackener, staubiger Erde. Drumherum kein Wasser, keine Siedlungen, keine Geschäfte. Nichts.

Der Anblick der Reihen von Weinstauden, trocken unter der harschen Outback-Sonne, eingestaubt und halb verwittert, ist schon ganz schön seltsam. Ganz offensichtlich leidet der Wein unter der enormen Hitze in dieser Gegend. Wir sind hier ganz sicherlich nicht im Moseltal gelandet.

Aber es geht noch weiter. Nicht nur wird auf dieser Farm Wein angebaut, sondern auch Mangos. Nun ja, das ist schon ziemlich verrückt.

Wir halten an und besuchen den kleinen Farm-Shop, der gleichzeitig wohl auch so was wie ein Supermarkt für die Bewohner der Umgebung ist. Hier erhält man konservierte Lebensmittel aus eigenen Erzeugnissen, also müssen wir natürlich einen genaueren Blick drauf werfen.

Am Ende kaufen wir eine Flasche Red Centre Wein. Nicht weil wir glauben, dass er gut schmecken wird, sondern weil er ganz einfach ein seltenes Kuriosum ist. Eine tolle Erinnerung an diesen seltsamen Ort mitten im Nichts. Für die Kinder erstehen wir Mango-Eiscreme und Mango-Sorbet, was dann auch gleich vor Ort noch im Wohnwagen verzehrt wird.

Von allen Dingen, die wir bereits auf unseren Reisen erlebt haben, hätten wir niemals gedacht, dass wir einmal mitten im heißen Zentrum Eis aus lokal angeboten Mangos erstehen würden. So kann man also überrascht werden. Auf der anderen Seite, als wir 2014 da waren hingen überall „Zu Verkaufen“-Schilder. Vielleicht also doch kein so tolles Verkaufsmodell.

Barrow Creek Hotel

Verrücktes Outback-Hotel par excellence

Aber wir sind noch lange nicht fertig. Weiter geht’s auf dem Stuart Highway Richtung Norden. Unser nächstes Ziel ist das Barrow Creek Hotel, ein typisch verrückter Outback-Pub.

Hotel heißt natürlich nicht Hotel, wie wir das jetzt so in Deutschland verstehen würden. Hotel ist oftmals ganz einfach nur ein Pub, also ein Ort, wo man Erfrischungen und Alkohol erhält. Das Barrow Creek Hotel wurde 1932 erstmalig eröffnet und ist so ein bisschen wie eine Schatztruhe.

Die Geschichte ist die, dass die umherziehenden Schafscherer auf der Suche nach Arbeit an diesem Hotel etwas Wertvolles zurückließen. Das gab ihnen die Sicherheit, dass sie sich beim nächsten Besuch immer noch einen Drink leisten konnten.

Der Besitzer des Ladens ist super nett und sehr aufgeschlossen. Ganz offensichtlich liebt er es, sich mit den modernen Reisenden zu unterhalten, die durch seine Gegend kommen. Reisende aus aller Welt sind ihm nicht unbekannt. Seine erste Frage ist, woher wir denn kämen.

Wir erklären unseren deutschen Hintergrund, und prompt zeigt er uns in seinem Pub jedes einzelne deutsche Teil, das Reisende zurückgelassen haben. Und wie man an den zugepflasterten Wänden erahnen kann, sind das viele: Führerscheine, Münzen, Banknoten, Nummernschilder, Aufkleber, Postkarten, Graffiti, Verkehrsschilder… und das sind nur die Sachen, die die Deutschen bei ihm zurückgelassen haben! Die Wände dieses Pubs können sich mit Museen auf aller Welt messen. Und dann legt er uns auch noch eine Münze in die Hand, die wir selber schon seit Urzeiten nicht mehr gesehen haben. Eine D-Mark!

Barrow Creek Hotel ist voller Schätze von Reisenden

Eine historische Telegrafenstation

Direkt neben dem Pub befinden sich einige alte Gebäude. Sie machen zusammen die alte Barrow Creek Telegrafenstation aus.

Heutzutage ist es ein bisschen schwierig sich vorzustellen, wie wichtig damals solche Telegrafenstationen mitten im Outback waren. Die Leitung von Darwin nach Adelaide verkürzte die Wartezeit auf Nachrichten vom Mutterland Großbritannien und aus Europa um Monate!

Das bedeutet also, dass die zwei, drei Leute, die diese Telegrafenstation betreuten sowie all die anderen tapferen Mitarbeiter ungemein wichtig waren für den wirtschaftlichen Fortschritt im jungen Australien. Während wir so die alten Steingebäude betrachten, denken wir an all die Nachrichten, die hier wohl einmal durchgefiltert wurden. Todeskundgebungen von Königen, das Ende des 1. Weltkriegs, der Beginn des 2. Weltkriegs.

Leider ist es nicht möglich, einen Blick in das Gebäude zu werfen, aber wir können wenigstens einmal drumherum gehen. Ein paar Schilder geben Auskunft über die Geschichte der Station, die erst 1960 geschlossen wurde. Auf halber Strecke zum Pub entdecken wir zwei Grabsteine von Telegrafenmitarbeitern, die anno dazumal von Eingeborenen ermordet worden sind.

Ein hartes Leben in unerbittlicher Einsamkeit. Gefährlich und wirklich nicht zu beneiden.

Barrow Creek Telegrafenstation

Die Alien-Hauptstadt Australiens

Unser letzter Stopp des Tages stellt sich dann aber wieder als ganz anders heraus, als wir uns das so gedacht haben. Unser Abendstopp ist direkt neben dem Stuart Highway ein Campingplatz mit Namen Wycliffe Well. Selbst wenn ihr nicht hier übernachten wollt, solltet ihr hier eine Rast einlegen. Denn Wycliffe Well ist berühmt dafür, die UFO-Hauptstadt Australiens zu sein. Yup, ihr habt richtig gehört.

So wird nämlich behauptet, dass schon etliche unbekannte Flugobjekte in der Umgebung gesichtet worden sind. Warum genau Aliens diesen gottverlassenen Ort aufsuchen sollten, ist unbekannt. Aber es ist eine nette kleine Geschichte. Schon die Tankstelle selbst ist eine lustige Attraktion, perfekt für die Kinder. Kleine grüne Außerirdische luken da über die Dachkante, und vor der Tür ist ein echtes UFO geparkt. Die Kinder haben einen Riesenspaß!

Alien-Hauptstadt Australiens

Wir buchen uns für die Nacht ein und rollen auf den schattigen, freundlichen Campingplatz. Zwar befinden wir uns nicht mitten in der Stadt mit all ihren Lichtern und Verführungen, aber es gibt eine Menge zu erkunden auf diesem Campingplatz. Überall stehen Statuen: Elvis, Hulk, usw. Es gibt eine kleine Bimmelbahn, grasende Rinder, Vogelvolieren, Emus, und wohl sogar ein überdachter Swimmingpool.

Die Sonne steht schon ziemlich tief am Himmel, also werfen wir das Abendessen an, damit noch genug Zeit für einen Abendspaziergang im goldenen Abendlicht bleibt.

Direkt nebenan finde ich den berühmten See Lake Wycliffe. Ein See, fragt ihr jetzt vielleicht. Ja, ein See.

Aber als ich dem See näher komme denke ich zuerst, dass da wohl jemand mit viel Mühe versucht hat, uns durch den Kakao zu ziehen. Ein großes Schild berichtet stolz und ausführlich von den Kosten und der Arbeit, die in die Erstellung dieses Sees gegangen ist. Es gibt sogar einen Warnhinweis, dass Schwimmen auf eigene Gefahr ist. Nachdem ich einige Zeit damit verbracht habe, das Schild in all seiner Ausführlichkeit zu lesen, drehe ich den Kopf, um mir den See einmal genauer anzusehen. Und… er ist weg!

Nicht ein einziger Tropfen Wasser befindet sich im Aushub. Der Boden ist knochentrocken. Wenn dies ein Scherz sein soll, dann aber ein sehr ausgefeilter und teurer. Aber ich denke nicht. Wahrscheinlich gibt es im Lake Wycliffe doch ab und zu mal Wasser, nur nicht an dem Tag, an dem wir vorbeischauen.

Wycliffe Lake

Ein kostenloses Hupkonzert am Abend

Es wird Nacht im Outback, und die Einheimischen schauen vorbei. Die kleine Tankstelle erfüllt wie so viele Geschäfte im Outback gleich mehrere Funktionen. In diesem Fall ist sie auch eine Art kleiner Supermarkt. Als der Abend sich über den Campingplatz senkt, fahren Autos vor, gefahren von Aborigines. Man trifft sich halt, tauscht Grüße und Neuigkeiten aus, protzt mit den PS seiner Karre, hupt wild herum. Ein ziemliches Spektakel, aber wohl offensichtlich Routine. Die Tankstelle wirkt wie ein Marktplatz, man trifft sich und klatscht mit seinen Nachbarn.

Alles ok, denken wir. Die sind zwar ein bisschen laut so mitten im Nichts, aber wahrscheinlich ist es die Wüste, die diesen Eindruck noch verstärkt.

Doch nach einiger Zeit wird der Geräuschpegel lauter. Das Hupen wird häufiger, dann auch länger. Autos fahren weg, neue kommen hinzu, mit einer Geschwindigkeit, die die Staubwolken nur so auffliegen lässt.

Das Hupen nimmt eine aggressive Qualität an. Es schallt durch die Wüste, fängt an, uns auf die Nerven zu gehen. Hup, hup, huuuuup, huuuuuuuuup.

Eine Erklärung wäre die, dass die Tankstelle für die Nacht geschlossen hat, und dass die Einheimischen sich damit irgendwie nicht abfinden wollen. Sie wollen, dass die Besitzer bittschön ihren warmen Kuschelplatz vor dem Fernseher verlassen und ihnen Chips, Cola oder Cup-Nudeln verkaufen. Oder was auch immer man sonst um diese Uhrzeit noch kaufen möchte.

Stille senkt sich übers Land, während die Einheimischen rumhupen

Doch nichts passiert. Und weiter geht’s mit der Huperei.

Vielleicht ist es ein Art seltsames Outback-Ritual, das wir nicht verstehen. Vielleicht ist das jede Nacht so. Die Nachbarn kommen nach Einbruch der Dunkelheit zusammen, tauschen Nachrichten aus und verhalten sich dann wie Kleinkinder, die von einer Person in Machtstellung nicht das bekommen, was sie jetzt gerade gerne hätten. Das Hupen geht weiter. Der Tankstellenbesitzer gibt nicht nach.

Wir Campingplatzbewohner versuchen, den Trubel vor den Toren zu ignorieren. Der Zaun wurde bestimmt nicht ohne Grund aufgestellt, denken wir. Hier drinnen sind wir bestimmt sicher vor dem Mob. Wahrscheinlich geben sie gleich auf und gehen wieder. Friedfertig, still und leise.

Nach einer Stunde verliert sich auch das letzte Auto am Horizont, eine dichte Staubwolke hinter sich herziehend. Jetzt ist es still. Das Outback übernimmt wieder.

Da draußen ist eine andere Welt. Das verrückte Gesicht Australiens. Außerirdische, Outbackgestalten, Sammler, das Unbekannte und Unerwartete. Man denkt, im Outback ist alles uniform und langweilig, und doch gibt es hier die seltsamsten Erlebnisse.

Wir lieben das Outback mit all seinen verrückten Seiten. Wie steht’s mit euch?

Camping im Outback mit Kindern – na und wie das geht! Und hier geht es zu Teil 8: Des Teufels Murmeln

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AUTHOR - miniglobetrotter

Hallo! Wir sind die Mini Globetrotter - eine 4-köpfige Familie, die es sich in Andalusien bequem gemacht hat. Wir glauben ganz fest daran, dass Reisen mit Kindern nicht nur machbar, sondern wichtig ist. Von unserer Basis in Málaga aus erkunden wir die Welt – von Australien über den Südpazifik bis nach Europa. Lasst euch inspirieren und plant euren nächsten Familienurlaub mit uns!

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