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Die Burg von Bodrum

Reisetipp Bodrum: 4 Gründe für einen Besuch der Kreuzfahrerburg

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Im türkischen Städtchen Bodrum steht eine Burg, die wirkt seltsam deplatziert. Eigentlich könnte das alte Gemäuer auch prima irgendwo in England, Deutschland oder Frankreich stehen. Tut’s aber nicht. Warum diese Burg so ausschaut wie sie ausschaut, und warum ihr mit euren Kindern diese Sehenswürdigkeit besuchen solltet, das erklären wir euch im Folgenden in unserem Reisetipp für Bodrum.

Eigentlich ist Bodrum eher bekannt dafür, Heimat eines der Sieben Weltwunder der Antike zu sein. Das Mausoleum von Halikarnassos faszinierte über Jahrhunderte die Besucher dieses kleinen Städtchens an der Ägäis.

Doch leider ist heutzutage nicht mehr sehr viel davon übrig. Die Jahrtausende waren nicht besonders freundlich zu diesem überragenden Bauwerk, und heute ist davon nicht viel mehr zu sehen als ein Haufen Steine.

Mittelalterlicher Turm

Doch wo ist es hin, werdet ihr fragen. Nun, im Mittelalter bedienten sich hier die Tempelritter nach eigenem Gutdünken. Und so finden sich heute so einige Steine und Fundstücke des Mausoleums in der alldominierenden Burg des Ortes wieder.

Anstelle eines Besuchs des Mausoleums empfehlen wir daher als Reisetipp die Kreuzfahrerburg. Wir haben dafür auch vier gute Gründe mitgebracht.

Nummer 1: Spuren der Vergangenheit

Wappen der Johanniter

Die Burg ist ein tolles Beispiel für erlebte Geschichte und daher ein tolles Ausflugsziel für Familien.

Und das ist der Hintergrund: Im Spätmittelalter herrschte Krieg im östlichen Mittelmeer. Die westlichen Königreiche kämpften um die Vormachtstellung im Nahen Osten. Sie wollten das Heilige Land für sich beanspruchen und versuchten daher mit aller Kraft, die Ottomanen soweit wie möglich zurückzudrängen.

Maßgeblich an den militärischen Aktionen beteiligt waren die Tempelritter, auch bekannt unter dem Namen Johanniterorden. Eine Art europäische Kooperation unter den herrschaftlichen Ständen des Mittelalters, vom Papst gefördert, halb kriegerisch, halb religiös. Ursprünglich verantwortlich für die medizinische Versorgung der Kreuzfahrer im Heiligen Land, hatten diese nach dem Fall Jerusalems die Aufgabe übernommen, Kreuzfahrer in der Mittelmeerregion zu schützen und Angriffe der Ottomanen zurückzudrängen.

Minarett im Zentrum der Burg

Dazu bauten sie Festungen und gründeten einen Hauptstandort auf der Insel Rhodos. Doch die Übermacht der maurischen Herrschaft erwies sich als zu groß. 1523 mussten die Johanniter die Festung in Rhodos aufgeben und umsiedeln. Sie fanden ein neues Zuhause auf Malta. Zusammen mit Rhodos fiel damit aber auch die Burg von Bodrum an die Ottomanen ab.

Bodrums Burg ist ein eindrucksvolles, mächtiges Bauwerk, das zu einem Großteil aus Steinen vom antiken Mausoleum erbaut worden ist. Natürlich ist das schade, aber man kann es den Johannitern nicht verdenken. Die Steine des Mausoleums waren halt schon fertig beschlagen, transportfähig, leicht zu bergen und schnell zu transportieren.

Tipp: Man sieht die Spuren dieses Bauwerk-Recyclings immer noch in den verwendeten Steinen, was man gut mit Kindern erkunden kann. Wer genau hinschaut, entdeckt Inschriften auf Griechisch – Erinnerungen aus der Zeit der antiken Griechen. Daneben mittelalterliches Latein, hinterlassen von den Johannitern. Und außerdem jede Menge schnörkeliges Arabisch, das die Ottomanen diesem Gebäude aufs Auge gedrückt haben.

Nummer 2: Eine Mittelalterburg vom Feinsten

Wehrgang

Wenn euch die Geschichte nicht reizt, dieses faszinierende Bauwerk zu besuchen, dann vielleicht die herrliche Mittelalterarchitektur, die hier so schön erhalten wurde.

Wenn ihr findet, dass die Burg von außen schon groß aussieht, dann wartet, bis ihr sie von innen seht. Es gibt hier weitaus mehr zu entdecken, als man auf Anhieb erwarten würde. Und wenn man möchte, kann man hier getrost einen ganzen Vormittag verbringen ohne dass einem langweilig wird.

Die Johanniterburg in Bodrum ist nämlich in der Tat eine perfekte mittelalterliche Festung par excellence. Türme und Befestigungsmauern, Schießscharten und Aborte, die Kapelle, ein Verlies, Zinnen und Wappen – all dies und mehr kann man hier mit den Kindern entdecken. Es ist ein Glück, dass diese Burg nicht bei einer Belagerung fiel, sondern dass sie im Zuge von Verhandlungen den Ottomanen ohne weiteren Widerstand übergeben wurde.

Bankett im Englischen Turm

Ganz so wie die Burgen in England oder in Mitteleuropa kommt auch diese hier mit all den Dingen, die man braucht, um Feinde abzuwehren und Eindringlinge zu verwirren.

Am liebsten mochten wir jedoch den Englischen Turm. So genannt, weil das Englische Kapitel der Johanniter diesen ihr eigen nannte. Und so wirkt ein Besuch des Inneren seltsam deplatziert und fremd unter der brennenden türkischen Sonne. Englische Flaggen und Wappen finden sich her genauso wie ein riesiger Kamin. Ein ausgestopfter Löwenkopf und Hellebarden dekorieren die Wände, in den Fensternischen stehen die Namen von englischen Edelleuten eingeritzt.

Wer diesen Turm besucht, braucht nicht mehr nach England fahren. Die englischen Ritter haben es perfekt geschafft, ihre Heimat nach Kleinasien mitzunehmen.

Nummer 3: Versunkene Schätze aus den Tiefen des Mittelmeers

Antike Schmuckschatulle

Auch ohne das Museum für Unterwasserarchäologie wäre unserer Meinung nach ein Besuch der Bodrumer Burg ein tolles Erlebnis. Das Museum innerhalb der Mauern kommt daher wie ein Bonusangebot daher, das es in sich hat.

Seien wir mal ehrlich. Archäologische Museen können schon ganz schön langweilig sein, besonders für Kinder. Wer findet schon eine Ansammlung von Glasvitrinen voller Scherben, Münzen, Knochen und Speerspitzen interessant? Zum Glück hat das Museum in Bodrum da mehr zu bieten, und deshalb ist es unser Top-Reisetipp für Bodrum.

Jahrhunderte des Schiffsverkehrs vor den Küsten Kleinasiens haben dazu geführt, dass sich heute eine wahre Schatzkammer voller Schiffswracks auf dem Meeresgrund befindet. Die Schiffe kamen aus aller Herren Länder, und sie führten die unterschiedlichsten Ladungen mit sich. Amphoren natürlich, aber auch Glaswaren. Münzen und kleine Statuen, Waffen. Alltägliche Dinge wie Kosmetiktigel. Die Gegenstände, die die Forscher vor der Küste Bodrums geborgen haben, sind wirklich faszinierend und einzigartig.

Unser Lieblingsstück war auf jeden Fall eine kostbare Juwelenschatulle in Form eines Seevogels. Die Flügel oben auf der Box haben einen kleinen Mechanismus, der es erlaubt, die Flügel beiseite zu schieben, um an den Inhalt der Box zu kommen. Auch beachtlich: Äxte mit handgeschnitzten Fischen auf der Klinge, vielleicht um den Besitzer oder Hersteller auf dem Werkzeug zu markieren. Hübsch angestrahltes Glas, ausgestellt in einem dunkeln Raum, der die eingearbeiteten Farben gut herausbringt.

In der Kapelle der Burg kann man die engen Verhältnisse auf einem antiken Handelsschiff hautnah miterleben. Ein nachgearbeitetes Schiff ist dort so ausgestellt, so dass man die Räumlichkeiten gut begehen kann. Ein anderes Schiff findet sich längsseitig aufgeschnitten an einer Wand. Hier kann man gut sehen, wie ein Schiff nach dem Versinken aufbricht und seine Ladung über den Meeresgrund verstreut.

Unterwasser-Archäologie ist eine ganz eigenständige Disziplin, die mit ihren eigenen Herausfordungen und Ansprüchen zu kämpfen hat. Dies in einem Museum zu erfahren ist spannend und definitiv einzigartig.

Nummer Vier: Ein traumhafter Ausblick und ein mediterraner Garten

Treppenaufgang im Garten

Gut, das war jetzt eine Menge Geschichte und Mittelalterkram. Vielleicht steht ihr da nicht so drauf. Das ist auch okay.

Aber es gibt noch einen vierten Grund, warum sich ein Besuch der Bodrumer Kreuzfahrerburg lohnt. Der Garten innerhalb der alten Mauern ist nämlich auch einen Besuch wert. Angeblich soll man hier alle Pflanzenarten finden, die sich in der Mittelalterregion angesiedelt haben. Dazu kommen noch die hübschen Pfauen, die man hier allerorten antrifft.

Ein Besuch des Gartens ist ein Fest für die Sinne. Ein Treppauf-Treppab mit herrlichen Blickwinkeln und neuen Perspektiven. Ein schönes Ziel für einen entspannten Spaziergang unter schattenspendenen Bäumen und mit dem Gesumm von Insekten.

Doch was das absolute Highlight des Burg ist, ist der Ausblick von der Umfriedungsmauer. Der Blick von hier ist atemberaubend schön, das Wasser so blau, das man einfach hineinspringen möchte. Glasklar und türkis schimmernd, so dass man einfach einhalten und eine kurze Pause einlegen muss, um die Schönheit dieses Ortes ganz in sich aufzunehmen.

Dies sind unsere vier Gründe, warum sich ein Besuch der Burg von Bodrum lohnt. Und zum Abschluss unseres Reisetipps noch ein paar Fotos, um euch diesen tollen Ort noch näher zu führen.

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AUTHOR - miniglobetrotter

Hallo! Wir sind die Mini Globetrotter - eine 4-köpfige Familie, die es sich in Andalusien bequem gemacht hat. Wir glauben ganz fest daran, dass Reisen mit Kindern nicht nur machbar, sondern wichtig ist. Von unserer Basis in Málaga aus erkunden wir die Welt – von Australien über den Südpazifik bis nach Europa. Lasst euch inspirieren und plant euren nächsten Familienurlaub mit uns!

2 Comments
  • Thomas | Apr 2, 2017 at 6:40 pm

    Hallo Miniglobetrotter,

    schöner Beitrag zu Burg in Bodrum. Mir gefallen die Bilder aus dem Inneren der Burg besonders gut. Ich habe den Beitrag bei mir geteilt. 🙂

    lg Thomas

    • miniglobetrotter | Apr 2, 2017 at 11:45 pm

      Hallo Thomas, Vielen Dank für deine Nachricht und fürs Teilen. Wir freuen uns total, dass dir der Beitrag gefallen hat ☺️ VG, Silke

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