Auswanderungsblog

Warum auswandern?

Der Begriff „Auswanderung“ klingt immer noch sehr dramatisch – so als ob man nur mit den Sachen am Leib und einem gepackten Koffer auf ein Schiff steigt und seine Heimat für immer verlässt. Die Realität heutzutage ist natürlich anders. Die meisten Auswanderer kommen sehr wohl immer mal wieder zurück in das Heimatland, mal zu Besuch und mal für immer. Außerdem ist die Welt tatsächlich spürbar kleiner geworden. Dank Internet und Flugzeugen kann man heutzutage bequem und preiswert mit der heimischen Kultur in Kontakt bleiben. Die Abnabelung geschieht heute also nicht mehr so drastisch wie früher.

Dennoch denken die Leute immer noch, dass eine Auswanderung ein romantischer Prozess ist. Ein Bruch mit der Welt daheim und ein Einlassen auf neue Leute, eine neue Sprache und andere Werte. Viele empfinden eine Auswanderung als Flucht, als Sich-Wiederfinden oder auch als ein Ankommen im Paradies.

Das ist natürlich schon ziemlich falsch. Hier wie dort sind die Probleme doch ähnlich oder doch zumindest sind Probleme vorhanden. Man kann bestimmten Dingen einfach nicht davonlaufen. Besonders nicht, wenn sie in einem selbst wurzeln. Bevor man den Lieben daheim also Lebewohl sagt, sollte man sich ganz genau darüber bewusst sein, was man eigentlich mit der Auswanderung erreichen will. „Mehr Glück im Leben“ reicht da nicht aus.

Unsere Auswanderungsgeschichte

Im Gegensatz zu vielen anderen Auswanderern war es nicht unser jahrelanger Traum, nach Australien auszuwandern. Ganz im Gegenteil: Wir waren eigentlich gerade im Begriff, in Berlin echte Wurzeln zu schlagen und ein Haus zu bauen. Nichts liegt da einem ferner als das Land zu verlassen. Noch dazu um ans andere Ende der Welt zu ziehen.

Aber dann zog sich der Hausbau unerträglich in die Länge. Wir waren nicht in der Lage, das ausgewählte Grundstück am Stadtrand von Berlin zu erstehen, da sich die Eigentümer und die Alteigentümer aus Vor-DDR-Zeiten nicht auf die Eigentumsverhältnisse und folglich den Verkaufserlös einigen konnten. Und ohne Grundstück kein Haus.

Und so saßen wir also frustriert mehrere Monate lang auf den Bauplänen und es gab kein Vor und kein Zurück, während Gerichte in Deutschland und den USA versuchten, den Sachverhalt zu klären und das Problem in den Griff zu bekommen. Noch dazu war es bitterkalt – ein typischer Berliner Winter eben – und Silke steckte in den letzten Zügen ihres Studiums mit all dem Prüfungsstress, der damit verbunden ist.

Eines Tages meinte Volker dann scherzhaft, dass wir ja auch eine zeitlang ins Ausland gehen könnten. Irgendwohin bevorzugterweise, wo es warm war und wo man Englisch sprach. Über seinen Arbeitgeber gab es die Möglichkeit, sich auf zwei Positionen zu bewerben. Eine in Washington, DC und eine in Sydney, Australien. Da war uns ganz schnell klar, wohin es uns zog.

Und so ging auf einmal alles ganz schnell. Im Februar besprochen, Zusage bekommen, Katzen abgegeben, Haushalt aufgelöst, Auto verkauft, Prüfungen abgelegt und dann waren wir auch schon Ende Mai im Flieger ins Unbekannte.

Stress hoch drei

Wer nun aber denkt, es war alles eitel Sonnenschein, der hat sich geschnitten. Gerade Australien hat da nämlich ganz eigene Vorstellungen davon, was man als Auswanderer (selbst als temporärer) mit sich bringen muss. So mussten Sprachtests abgelegt werden und ein so genanntes Medical gemacht werden. Das ist ein allgemeiner Test auf chronische und ansteckende Krankheiten, die eine Gefahr für das australische Gesundheitssystem oder die australische Bevölkerung darstellen könnten.

Und hierbei kam die Überraschung. Es wird wohl in die Geschichte von Silkes schlimmsten Erlebnissen überhaupt eingehen, als die Röntgenärztin sie in ein Untersuchungszimmer zog, um ihr mit Holzhammermethode mitzuteilen, dass sie an einer Lungenkrankheit leide. Nicht die Art von Neuigkeiten, die man mit 26 erhalten möchte! Und so ging der ganze Ärger erst richtig los.

Der Verdacht fiel schnell auf eine Lungensarkoidose, eine spontane Vernarbung von Lungengewebe, was in schweren Fällen zwar tödlich verlaufen kann, aber meist glimpflich verläuft. Die gute Nachricht war, dass so etwas nicht ansteckend ist oder groß medikatös versorgt werden muss, so dass Australien damit per se kein Problem hatte. Jedoch, das musste erst einmal bewiesen werden. Und dazu gehört eine Lungenbiopsie, also die Entnahme von Lungengewebe.

Glücklicherweise akzeptierten die Ärzte nach einem kurzen Aufenthalt in der Lungenklinik die Diagnose, so dass wir frei waren nach Australien zu gehen. Die Sarkoidose hat Silke übrigens nie irgendwelche gesundheitlichen Probleme verursacht und ist nach ca. 10 Jahren von ganz alleine wieder verschwunden. Hätte es Australien nicht gegeben, wäre die Krankheit wahrscheinlich niemals diagnostiziert worden.

Ankunft in einem neuen Land

Davon mal abgesehen empfanden wir die Ankunft in Australien dann doch als ziemlich stressig. Volker musste auch direkt nach dem Ankunftswochenende zur Arbeit, und so blieb wenig Zeit sich zu orientieren und das Land um uns herum zu verstehen. Wir mussten Bankkonten eröffnen und eine Wohnung suchen, Freunde machen und ein Auto kaufen. Es gab besonders am Anfang viel zu tun, und oft fühlten wir uns wie zwei Blinde in einem Labyrinth aus Fragen.

Denn obwohl wir beide Englisch gut sprachen und die Kulturen sich nicht unähnlich sind, waren selbst kleine und alltägliche Dinge nicht frei von Hürden. Kleidungsgrößen waren anders, Supermärkte hatten andere Lebensmittel im Angebot, und wo kann man eigentlich Bettwäsche günstig kaufen? Es dauerte ein paar Wochen, bis wir uns einigermaßen zurechtfanden und unsere Nische aus dem Land Australien herausgekratzt hatten. Mit neuen Freundschaften ging natürlich auch alles gleich viel besser.

Obwohl wir eigentlich nur 2 Jahre bleiben sollten, wurden es am Ende 13 Jahre. In dieser Zeit haben wir Jobs gekündigt und gesucht, sind mehrfach umgezogen, haben Kinder bekommen, haben ein Haus gekauft und wieder verkauft, sind Australier geworden und haben sogar den Prime Minister von NSW gewählt. Australien ist nicht perfekt, aber für uns lagen die Vorteile auf der Hand. Das angenehm warme Wetter, der Outdoor-Lifestyle, der bequeme Lebensstil – all diese Dinge sagten uns zu, so wie so vielen anderen Auswanderern auch.

Und weiter geht’s

Machen wir uns aber nichts vor: Australien ist nicht für jeden. Auch hier scheint nicht jeden Tag die Sonne. Viele Auswanderer ziehen enttäuscht wieder ab, wenn sie feststellen, dass der Alltag nicht von Urlaubsträumen bestimmt ist. Auch in Australien muss man hart arbeiten und sein Geld verdienen. Es gibt hier auch Staus und dumme Politiker und schlechtes Fernsehen und Hagelstürme.

Für uns war es all die Jahre aber soweit in Ordnung und wir hätten uns gut vorstellen können, in Australien für immer zu bleiben. Doch irgendwas hat Klick gemacht. Wahrscheinlich sind wir zu viel herumgereist. Wir haben zu viel von der Welt gesehen, um uns ans andere Ende der Welt zu verkriechen. Wir wollen mehr.

Wir wollen mehr Kultur und Geschichte. Wir wollen authentischeres Essen und günstigere Mieten. Wir wollen neue Herausforderungen. Wir wollen nicht mehr an diesem Wettkampf teilnehmen, der in Sydney immer deutlicher zutage tritt: wer hat das größte Haus, die beste Privatschule, die tollsten Urlaube? Wir wollen morgens nicht mehr 60 Minuten im Stau stehen und erst nach Sonnenuntergang nach Hause kommen. Wir wollen mal wieder Essen gehen ohne gleich $100 auf den Tisch zu legen. Wir wollen reisen ohne dabei gleich einen Langstreckenflug in Kauf nehmen zu müssen.

Und so haben wir uns entschlossen, Australien zumindest zeitweise zu verlassen. Wir haben uns Spanien als neues Ziel ausgesucht. Ja, wir haben Europa ein wenig vermisst.

Auswandern mit Kindern

Mit den Mini Globetrottern auszuwandern ist natürlich noch einmal ganz was anderes, und wir betreten mit diesem Projekt im Prinzip Neuland. Die Kinder freuen sich zwar auf dieses Abenteuer, aber sie können noch gar nicht richtig begreifen, was eigentlich da auf sie zukommt. Eine neue Sprache, neue Schule, neue Freunde, neues Essen.

Glücklicherweise haben wir als Familie ein starkes Fundament und können den Kindern ein Polster geben, auf das sie sich zurückfallen lassen können. Dass es den Kleinen gut geht dabei, ist unsere oberste Priorität. Wenn das bedeutet, dass wir eine Privatschule bezahlen müssen, dann ist das halt so. Deshalb wissen wir momentan auch noch nicht, wo wir eigentlich unterkommen werden, denn zu allererst müssen wir die Schulfrage klären. Wir Erwachsenen können uns anpassen.

Uns wurde von allen Seiten gesagt, dass unsere Kinder noch nicht zu alt sind zum Auswandern. Erst wenn sie Teenager werden und ihre Freundschaften nach außen sich vertiefen, dann wird der Widerstand größer und die Eingewöhnung schwerer. Das macht Sinn. Wir sind auf jeden Fall gespannt, was Spanien uns bringen wird, und wie wir uns alle dabei zurechtfinden werden.

Ihr könnt unsere Auswanderungsstory dabei gern auf dem Blog mitverfolgen, und wenn ihr Fragen habt zu unserer Story oder zu Australien, dann meldet euch gern bei uns!

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