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Auswandern nach Spanien – der Behördenkram

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Mal ganz ehrlich, eigentlich habe ich wenig Lust, über den ganzen Behördenkram zu schreiben, den man bei einem Umzug nach Spanien so erledigen muss.

Aber der Vollständigkeitshalber sollen auch diese Schritte nicht unerwähnt bleiben. Vielleicht sind sie ja dem einem oder anderem von euch nützlich. Wir werden auf jeden Fall versuchen, euch diese Sachverhalte so flott wie möglich zu erklären.

Außerdem erläutern wir, wie wir uns ein Bankkonto besorgt, einen Handyvertrag abgeschlossen und ein Auto gekauft haben.

Eines vorweg: Dies ist keine rechtlich verbindliche Basis, und ich kann euch auch für eure eigene individuelle Situation keine Tipps geben. Das einzige, was ich sagen kann ist, dass es sich lohnt, eine Person einzustellen, die einem bei diesen Schritten hilft und einem zur Seite steht. In unserem Fall hatten wir eben eine Relocation-Expertin an der Seite, die uns auch bei der Wohnungs- und Schulsuche geholfen hat.

Generell gilt: Augen zu und durch

Spaniens Behörden sind teilweise lokal geregelt und können sich in ihren Anforderungen und Prozessen stark unterscheiden. Eines jedoch ist allen so ziemlich gemein: man liebt Papier, und man liebt langsame Prozesse. Man muss also gut informiert daherkommen, viel Geduld mitbringen und am besten alles in dreifacher Ausführung dabei haben.

Für einen Umzug nach Spanien als deutscher Staatsbürger müsst ihr die folgenden behördlichen Schritte durchlaufen: Ihr braucht eine Registrierungsnummer für Ausländer (NIE), müsst euch lokal registrieren, ihr müsst Residencia anmelden (für die Aufnahme in die Sozialversicherung) und gegebenenfalls ein Gewerbe anmelden.

Die Identifikationsnummer für Ausländer (NIE), oder: zeig mir deine Nummer und ich sag dir, wer du bist

Ohne NIE läuft zunächst einmal gar nichts. Sie wird zwar nicht immer verlangt, aber dann muss man sie doch für die erstaunlichsten Dinge wieder hervorkramen, z.B. wenn man ein Paket vom Postboten entgegen nehmen will.

Die NIE ist wie eine Personalausweisnummer, also eine eindeutige Identifikationsnummer, die ihr ein Leben lang behaltet. Für die Spanier heißt die gleiche Nummer übrigens NIF.

Wir haben die NIE bereits an unserem ehemaligen Wohnsitz in Australien beantragt und erhalten. Dazu sind wir in das örtlich zuständige spanische Konsulat gegangen und haben das entsprechende Formular ausgefüllt und eine kleine Gebühr bezahlt. Das ging recht problemlos, ohne große Wartezeiten, ohne Anmeldung, mit freundlicher Beratung durch den Konsulatsbeamten. Wer seine NIE erst in Spanien erledigt, muss mit weitaus mehr Wartezeit und Problemen rechnen, denn Konsulate arbeiten meist weitaus effizienter als die entsprechenden Behördenstellen im Heimatland. Ich als Auslandsdeutsche, die 13 Jahre in Australien gelebt hat, spreche da aus persönlicher Erfahrung.

Die NIE ist also nichts weiter als eine Nummer- und Buchstabenkombination, die man per PDF-Anhang nach einiger Bearbeitungszeit (bei uns ca. drei Wochen) erhält. Sie ist der Schlüssel zu geschäftlichen Tätigkeiten in Spanien wie zum Beispiel Haus- oder Autokauf, und eben auch um die Residencia zu bekommen.

Bankkonto einrichten und Handyvertrag abschließen, oder: erst das eine, dann das andere

Mit der NIE in der Tasche kann man dann ein Bankkonto einrichten und auch einen Handyvertrag abschließen. Wohlgemerkt in eben dieser Reihenfolge und nicht andersherum, denn der Handyvertrag muss an ein spanisches Bankkonto gekoppelt sein.

Unser Bankkonto haben wir bei einer der großen spanischen Banken eingerichtet, die damit warb, auch englischsprachigen Kundenservice per Telefon anzubieten. Das war uns sehr wichtig. Außerdem hatten wir eine nette englischsprachige Beraterin aus Schweden in der Filiale, die uns half, die richtigen Produkte auszuwählen.

Zu diesem Zeitpunkt hatten wir noch nicht einmal einen Mietvertrag in Spanien unterschrieben, was aber kein Problem darstellte.

Wie wir dann in der Bank auch zum ersten Mal feststellen konnten, lieben die Spanier ihr Papier. Wir bekamen jeden einzelnen Schritt der Vertragsabschließung in Papierform ausgehändigt. Eine ganz schöne Umstellung zu dem Bankwesen, wie wir es in Australien kennen lernen durften.

Für den Handyvertrag sind wir ebenfalls ganz einfach in die Filiale eines der größten spanischen Mobilfunkanbieter gegangen und haben ein Paket ausgewählt, das unserer Situation am besten zusagte.

Der Padrón, oder: Hoppla, hier wohnen wir

Der nächste Schritt war der Padrón, also so etwas wie die Anmeldung beim Bürgeramt, dass man jetzt halt wohnhaft ist in seinem neuen Wohnort.

Dies geschah in unserem Fall im Rathaus von Fuengirola und beinhaltete eine kurze Wartezeit ohne Termin und die Angabe unserer Daten bei einem Sachbearbeiter, der uns an der entsprechenden Adresse vermerkte. Wir nahmen die Kinder mit, damit wir beweisen konnten, dass sie auch tatsächlich existierten.

Im Padrón werden Kinder auf der entsprechenden Schule zugeteilt, wenn diese nicht bei einer Privatschule angemeldet sind.

Gegrillte Sardinen sind die lokale SpezialitätDie Residencia, oder: Die Warteschlange des Teufels

Die Aufnahme in das spanische Sozialsystem – kurz, die Residencia – lag uns natürlich am Herzen, denn es bedeutet eine kostenlose Gesundheitsversorgung der gesamten Familie (mit einigen Ausnahmen, aber dazu später). Außerdem erwartet der spanische Staat, dass man den Antrag möglichst zügig stellt, wenn man die Absicht hat, längere Zeit in Spanien zu leben und zu arbeiten.

Da wir beide uns ja für die Selbstständigkeit entschieden hatten, suchten wir uns erst einmal einen Buchhalter, der uns die verschiedenen Möglichkeiten für die Aufnahme aufzeigte. Denn einen Arbeitsvertrag konnten wir ja schlecht vorlegen.

Wir entschieden uns für den “autonomo”-Status und zahlten prompt die entsprechenden Beiträge in die Sozialversicherungskasse ein. Bei der Bank erhielt wir darüber einen offiziellen Beleg.

Den Termin für die Beantragung der Residencia zu bekommen, war die eigentliche Hürde. In unserem Ort Fuengirola wird der Antrag bei der lokalen Polizei bearbeitet. Hierzu muss man sich erst einmal anstellen für einen Termin. Nach ca. einer Stunde Wartezeit kommt man dann endlich an die Reihe und kann seinen Namen auf einer Liste eintragen lassen, vorausgesetzt, die Liste für den Termin ist noch nicht voll und bereits geschlossen worden. Da das bei uns der Fall war, mussten wir eine Woche später wiederkommen und es noch einmal probieren.

Sobald man diesen Termin hat, weiß man, wann man mit den notwendigen Unterlagen zurückkehren muss. Welche Unterlagen das sind, ist von Fall zu Fall verschieden und abhängig davon, ob ihr Angestellte seid oder Selbstständige, Rentner oder Student, und so weiter. Deshalb kann ich hierzu keine genaueren Angaben machen.

Glücklicherweise ist die Wartezeit beim zweiten Termin weitaus kürzer. Man wird aufgerufen und setzt sich einem Polizeibeamten gegenüber, der alle Unterlagen prüft, Kopien einbehält und die Daten in den Computer eingibt. Hier sahen wir um uns herum eine Menge Frustration, denn wer nicht mit den entsprechenden Unterlagen erschien oder zum Beispiel kein Dokument der Schule dabei hatte, dass die Kinder nicht dem Unterricht fernbleiben konnten für den Termin, konnte unverrichteter Dinge wieder nach Hause gehen und den ganzen Prozess noch einmal von vorne beginnen.

Das Ergebnis unserer Anmeldung war ein kleines flexibles Kärtchen ohne Passfoto, das wir jetzt immer mal wieder hervorzücken müssen, zum Beispiel beim Einchecken in ein Hotel, dem Unterzeichnen von Verträgen oder dem Einloggen in unser Bankkonto. Es gilt in Verbindung mit einem Lichtbildausweis oder eines Führerscheins.

Gewerbeanmeldung, oder: wo unser Spanisch entgültig versagte

Die Gewerbeanmeldung war unser letzter Schritt. Zugegebenermaßen war dieser Vorgang auch totale Hardcore, und wir mussten uns komplett auf unseren Buchhalter verlassen, der uns jeden Schritt genau erklärte, alle Unterlagen vorbereitet und sogar per Telefon während des Gesprächs mit der Sachbearbeiterin einsprang.

Denn hier im Sozialamt sprach nun wirklich niemand mehr Englisch, und unser Spanisch reichte auch nicht aus, die komplexen Sachverhalte angemessen zu verstehen oder zu erklären. Doch ein kurzer Besuch und einige Unterschriften und das Abgleichen von Daten war alles, was hierbei benötigt wurde.

Die Kinder warten auf den Schulbus

Der Autokauf, oder: am Ende kauften wir genau das, was wir eigentlich nicht wollten

Wir entschieden uns dazu, einen Neuwagen zu kaufen. Das hat natürlich steuerliche Vorteile, ist praktischer, weil ein Neuwagen verlässlicher ist, und unkomplizierter, weil man nicht so leicht über den Tisch gezogen werden kann wie bei einem Gebrauchtwagen. Dass so ein Neuwagen schnell mal ein paar Schrammen bekommen kann in Spanien, war uns dabei ziemlich egal.

Wir entschieden uns für eine einheimische Marke – Seat. Das ist günstiger als ein Importwagen, und auch Ersatzteile sind leichter zu bekommen.

Wir wussten, dass wir ein kleineres Auto wollten, so wie es in Spanien Standard ist. Viele Straßen und Parkplatzsituationen sind hier sehr beengt, und da kann man mit einer Riesenfamilienkiste nicht punkten. Gern hätten wir einen Automatik gehabt, denn das ist in Australien der Standard, und wir hatten uns an diese Faulheit schön gewöhnt. Aus umwelttechnischen Gründen wollten wir keinen Diesel.

Am Ende des Verkaufsgesprächs kamen wir mit einem kleinen Seat heraus, allerdings wurde es dann doch ein Diesel mit Gangschaltung. Letztlich entscheidet halt auch das Geld, und die Autohändler sind überall auf der Welt irgendwie gleich.

Wir sind aber trotzdem mit unserem Kauf ganz zufrieden, und unser kleiner Seat hat sich bereits auf einem 3,000km Roadtrip quer durch Portugal, Spanien und Frankreich bewährt.

Es ist getan

Jetzt sind wir also komplett in Spanien gemeldet und versichert (bis auf die Zahnversicherung, die man privat abdecken muss), zahlen korrekt unsere Steuern und haben Anrecht auf Sozialleistungen. Als alles erledigt war, waren wir glücklich, dass wir nun auch auf offiziellem Wege angekommen waren.

Wenn ihr lesen wollt, wie bei uns alles angefangen hat mi der Auswanderung nach Andalusien, dann klickt bitte hier:

Hier geht es zum Auswanderungsblog

Der Weg nach vorne

AUTHOR - miniglobetrotter

Hallo! Wir sind die Mini Globetrotter - eine 4-köpfige Familie, die es sich in Andalusien bequem gemacht hat. Wir glauben ganz fest daran, dass Reisen mit Kindern nicht nur machbar, sondern wichtig ist. Von unserer Basis in Málaga aus erkunden wir die Welt – von Australien über den Südpazifik bis nach Europa. Lasst euch inspirieren und plant euren nächsten Familienurlaub mit uns!

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