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Auwandererinterview London

Auswanderer im Interview: Uta erzählt vom Familienleben in London

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Das Auswandern ist immer noch ein großer Traum für viele Deutsche. Das zeigen uns auch die vielen E-Mails, die uns von auswanderungsfreudigen Familien erreichen. Dass dabei nicht immer alles glatt geht, ist ja klar. Dabei ist jede Geschichte natürlich völlig individuell. Wir haben uns dabei gedacht, wir stellen einmal in einer Interview-Serie ein paar ausgewanderte Familien vor.

Bloggerin Uta von BerlOndon Mama wohnt mit ihren zwei kleinen Kindern und Mann in London. Eigentlich stammt sie aus Berlin, aber das verließ sie schon vor einigen Jahren, um mit ihrem Mann aus beruflichen Gründen nach Hong Kong zu ziehen. Seitdem lebt die vierköpfige Familie im Ausland. In diesem Interview bei Mini Globetrotter teilt sie ihre Erfahrungen in beiden Städten.

Seid ihr auch ausgewandert? Erzählt uns eure Geschichte – meldet euch bei uns!


Interview: Von Berlin über Hong Kong nach London

Uta

Hallo Uta, du bist Mama von zwei Kindern und lebst derzeit mit deinem Mann in London. Wie ist es dazu gekommen?

Wir reisen im Grunde genommen dem Job meines Mannes hinterher. Der ist in der Finanzbranche beschäftigt. Als das Angebot kam, nach Hong Kong zu gehen, war für ihn gleich klar, dass er das unbedingt machen möchte (oder den Hut nehmen kann, wenn er das Angebot ablehnt).

Bei mir hatte es noch ein wenig mehr “Überzeugungsarbeit” benötigt. Mir war das alles mit kleinem Kind, sie war ja die Erstgeborene und ich hatte ständig “erste Male” wo ich mir auch gerne mal Rat bei meiner Mum oder Schwester holte, plus der Entfernung einfach etwas unheimlich.

Irgendwann habe ich mich aber überzeugen lassen, es mit “Rückzugs-Option nach einem Jahr” zu versuchen. Heute bin ich sehr froh, diesen Schritt gegangen zu sein.

Nun seid ihr ja in London. Was hat euch zuvor in Hong Kong gut gefallen und was eher nicht?

Die asiatische Kultur ist natürlich sehr verschieden von unserer europäischen. Die ersten Wochen waren ein echter Kulturschock für mich. Wir lebten zunächst in einem möblierten Apartment mitten in Hong Kongs belebtem Einkaufsviertel Causeway Bay.

Wenn wir das Apartment verließen, wurden wir draußen regelrecht erschlagen von dem plötzlichen Lautstärkepegel, den Gerüchen, der Fülle an Menschen und den überall blinkenden Reklame-Lichtern. Mal ganz zu schweigen von dem Klima, das einen echt umhauen kann, wenn man aus einem klimatisierten Hotel kommt: Das war wie wenn man plötzlich mitten in einer Dampfsauna steht!

Zum Glück waren wir da nur für 4 Wochen und sind danach in eine – eher westlich-geprägte Gegend – gezogen. Westlich oder auch “künstlich”, wie eine deutsche Freundin zu sagen pflegte. Das war sicher nicht “Hong Kong”, wie man sich das vorstellt, aber uns hat es in Discovery Bay, einem Ort auf der vorgelagerten Insel Lantau, sehr gut gefallen. Eine deutsche Community gab es da auch und so konnten wir uns nicht beschweren.

Die Urlaube, die wir in der Zeit gemacht haben, sind ebenfalls ein wirklich positiver Erinnerung am Leben dort. Denn wann fliegt man schon mal für eine Woche nach Malaysia, Thailand, die Philippinen oder gar nach Australien (da waren wir allerdings für 2 Wochen, denn das war schon auch eine wirklich lange Anreise).

Auch bietet Hong Kong erstaunlich viel Grün und Wandermöglichkeiten. Man muss halt nur erstmal zur Wanderroute hin kommen.

Bei der Luftqualität wurde einem Angst und Bange

Was mir nicht so gut gefallen hat, und was auch der Grund war, dass ich nach zwei Jahren wieder zurück wollte, war die schlechte Luftqualität und das dadurch bedingte wenige draußen sein. Bei Pollution-Werten, die den Grenzwert der WHO nicht nur nie unterschritten, sondern oft sogar um das 15-20ig-fache überstiegen hat, wurde mir doch etwas Angst und Bange um die junge Lunge meiner Tochter.

Außerdem empfand ich die Zeitverschiebung als sehr negativ, weil meine Familie in Berlin tagsüber arbeitete und wenn sie nach Hause kamen, war meine Tochter bereits im Bett. So konnte man nicht einfach mal tagsüber zum Hörer greifen.

Obwohl ich mich immer mal mit meiner Doktorarbeit beschäftigt habe (die ich nie fertig geschrieben habe), empfand ich das Leben als “Expat-Frau” auch eher als etwas langweilig. Weil ich eben nicht jene Vorzüge genieße, mit denen sich andere Expat-Frauen gerne mal die Zeit vertreiben: Kosmetik, Massage, Shoppen, Essengehen, …

London

Einzig die Lust auf Sport verband mich mit einigen dieser Art von Expat-Ladies 😉

So war ich jedenfall froh, dass der Plan mit dem Schwangerwerden mit dem zweiten Kind aufging und wir zur Geburt nach Deutschland geflogen sind, und das auch gleich als Absprung genutzt haben.

Wie war das mit dem Kinderkriegen im Ausland? Fühltest du dich gut aufgehoben oder fehlte dir etwas?

Wie oben steht, war ich lediglich schwanger in Hong Kong. Da wir eine private Zusatzversicherung hatten, hatte ich Zugang zu der privatärztlichen Schwangerschaftvorsorge. In meinem Fall war das eine britische Gynäkologin, die es geschafft hat, mich während der gesamten Schwangerschaftsvorsorge nicht ein einziges Mal zu berühren. Nicht mal bei der Begrüßung 😉 Aber sie soll sehr gut gewesen sein und jeglichen Komplikationen schnell auf die Schliche kommen.

Kinderkriegen im 5-Sterne-Restaurant

Da gab es bei mir zum Glück nichts zu beanstanden und der über meinen Bauch geführte Ultraschallkopf reichte ihr zur Vergewisserung, dass alles in Ordnung ist, aus 😉

Von anderen Mamas weiß ich, dass das Kinderkriegen in Hong Kong – sowohl privat als auch öffentlich – sehr unkompliziert ist und mit westlichen Standards vergleichbar. Das Private Krankenhaus ist mir vor allem wegen seines Rufs als 5-Sterne-Restaurant in Erinnerung geblieben. Inklusive Balkon, WiFi und Massagestuhl für die Männer.

Die Freundin, die im öffentlichen Krankenhaus ihr Kind geboren hat, war von der ärztlichen Versorgung auch sehr zufrieden. Das einzige ist, dass man da halt in einem Mehrbett-Zimmer landen kann, wo es dann auch nicht erlaubt ist, das Kind über Nacht bei sich zu haben. Dafür hatte sie am Ende eine – fast lächerliche – Summe von umgerechnet 20€ bezahlen müssen.

Eine Geburt im privaten Krankenhaus kosten übrigens gerne 8.000 € und aufwärts – je nachdem, was für Luxus man sich gönnt (Stichwort: “Too posh to push”, gab es da überwiegend geplante Kaiserschnitte).

London ist meine Lieblingsstadt. Doch ich stelle mir schon vor, dass das Leben dort eine kleine Herausforderung darstellt. Was sind deiner Meinung nach die Vor- und Nachteile der britischen Hauptstadt und des Lebens in England?

London ist teuer. Punkt! Das heißt, um sich ein halbwegs vernünftiges Leben ohne ständig auf den Kontostand schielen zu müssen, leisten zu können, gehen häufig beide Eltern arbeiten. Das führt allgemein dazu, dass ich London als sehr “busy” empfinde. Aber ich persönlich mag das schnelle Leben sehr und werde eher ungeduldig, wenn Dinge zu lange dauern.

Es ist absolut üblich, dass 30+ Jährige in WGs wohnen, es sei denn sie teilen sich eine Wohnung mit ihrem Partner. Denn obwohl London so teuer sind, sind die Gehälter nicht wirklich an das angepasst.

Eine weitere Herausforderung stellt sicher unser Anspruch dar, dass die Kinder ein ähnliches Level der deutschen Sprache lernen wie Kinder die in Deutschland aufwachsen. Bisher haben wir noch nicht angefangen, mit der Großen deutsch lesen und schreiben zu üben. Aber da sie jetzt hier in die zweite Klasse geht (sie ist gerade 7 geworden), wäre es jetzt der richtige Zeitpunkt. Zum Glück sprechen beide Töchter untereinander deutsch, so dass sie – mit einigen Fehlern, die wir nur schwer ausmerzen können – ein ziemlich muttersprachliches Deutsch sprechen.

Wohnort in London

Das englische Schulsystem ist eine Herausforderung

Ich empfinde auch das Schulsystem als Herausforderung, weil sie hier meiner Meinung nach einfach schon viel zu früh anfangen.

Meine Kleine ist im Juli 4 geworden und nun seit September in der Vorschule, wo sie lesen und schreiben lernt. Inklusive Hausaufgaben. Ich bin da immer sehr hin- und hergerissen, weil wir bei der Großen erlebt haben, wie schwer sie sich getan hat. Und dass, obwohl sie zu den älteren der Klasse gehörte.

Ich musste mir damals beinahe verbieten nicht ständig daran zu denken, dass mein armes Kind in Deutschland noch 2 Jahre in den Kindergarten hätte gehen dürfen, während wir nun hier saßen, und manchmal mit Tränen der Großen und Verzweiflung bei mir, versuchten, dasselbe einfache Buch zum 10x zu lesen!

Aber nun sind wir nun mal hier und da hilft kein jammern, denn andere Kinder sind ja auch nicht älter wenn sie mit der Schule anfangen und müssen da genauso durch. Und interessanterweise schaffen sie es in der Schule (zumindest in unserer), trotz des Drucks eine solch positive Atmosphäre in zu schaffen, dass die Kinder überwiegend SEHR GERNE hingehen.

Das empfinde ich als sehr positiv. Genauso wie die Tatsache, dass die Kinder bilingual aufwachsen. Lustigerweise haben sie einen stärkeren britischen Akzent als so manches echte britische Kind 😀

Mit der direkten deutschen Art ecke ich oft an

Ich selber fühle mich hier auch wohl. Manchmal ecke ich im Büro bei britischen Kollegen mit meiner direkten deutschen Art etwas an. Die Britische Politeness ist nämlich kein Ammenmärchen und wenn man Dinge zu direkt anspricht, kann das schon mal etwas merkwürdig rüberkommen. Aber ich sehe nicht ein, mich da komplett zu verbiegen. Ich versuche natürlich auch, mich etwas anzupassen, aber zu lange um den heißen Brei reden tue ich dann auch nicht.

Habt ihr viele Freunde in London gefunden? Was sind da so die großen kulturellen Unterschiede zu Deutschland?

Uns gefällt die Internationalität im Alltag sehr gut. Ganz unbewusst haben wir sehr viele deutsche Freunde, aber auch Freunde aus allen anderen Ländern der Welt. Die Kinder wachsen komplett ohne Berührungsängste auf und lernen durch ihre Mitschüler sehr viel über andere Kulturen.

Die Kinder lernen sehr viel über andere Kulturen

Ich glaube uns alle macht das Leben in London deutlich weltoffener. Ich habe schon so ein wenig die Befürchtung, dass es meine Kinder durch unser multikulturelles Leben in London später nie lange an einem Platz aushalten werden, weil sie es so gewohnt sind, dass ständig ein Wechsel stattfindet, Leute wegziehen und neue dazukommen. Sie werden später sicher Freunde haben, die über den ganzen Globus verstreut wohnen und die tollsten Dinge machen. Da werden meine wohl nicht zurückstecken wollen…

Wären wir in Deutschland, würden wir wahrscheinlich viel auf die alten Freundeskreise zurückgreifen und vielleicht eher vereinzelt neue Freundschaften – vor allem über die Kinder – schließen. Wenn man im Ausland lebt, wird man beinahe dazu gezwungen, auf neue Leute zuzugehen. Meinem Mann ist das immer schon peinlich, wenn ich fremde Deutsche im Park anspreche und mich mit ihnen unterhalte. Aber so ist das nun mal im Ausland. Man ist auch direkt mit allen per “Du”, selbst mit deutlich älteren Deutschen.

Auf deinem Blog erzählst du viel Alltägliches über dein Leben im Ausland, gibst aber auch Tipps. Was rätst du Familien, die gern nach London oder Hong Kong ziehen wollen. Wo anfangen und was beachten?

Gerade einen Umzug nach Hong Kong (da geht es glaube ich eh nicht ohne Arbeitsvisum) oder nach London würde ich einer Familie aufgrund der hohen Lebenshaltungskosten nur mit einem sicheren Einkommen empfehlen. Kinderbetreuung ist schweineteuer und da kann man nicht einfach sagen, wir suchen uns nen Babysitter und finden dann schon irgendeinen Job.

Man sollte sich über den Auslandsumzug einig sein

Man sollte sich auch über den Schritt einig sein und sich natürlich ausgiebig informieren: Nicht nur die Kultur, auch das Gesundheitssystem, Arbeitsrecht und Arbeitnehmer-Schutz sowie die Leistungen sind sehr unterschiedlich zu Deutschland.

Ich rate Müttern die erstmal zu Hause sind immer, bereits vorher übers Internet nach Expat- oder Deutschen Familien Ausschau zu halten. Facebook oder Mutternetzwerke wie Netmums sind da eine gute Anlaufstelle. Da bekommt man schon beim Lesen viel über das Land und die Probleme, die Expats dort haben, mit und findet in der Regel auch immer ein offenes Ohr für die eigenen Fragen. Alle waren in dem Land mal neu angekommen und so hilft man sich eigentlich meistens gegenseitig.

Vielen Dank für das Gespräch!

Neugierig geworden?

Auf ihrem Blog BerlOndon Mama schreibt Uta sowohl über ihr Familienleben, als auch wie es ist, als deutsche Familie im Ausland zu leben. Nach Hong Kong sind sie nun in London und sie gibt gerne Tipps und beantwortet Fragen, was man bei einem Umzug ins Ausland als Familie beachten muss. Ein weiteres großes Thema sind auf ihrem Blog Au Pairs, weshalb sie dem Thema sogar eine weitere Webseite gewidmet hat (www.hostmum.com).

AUTHOR - miniglobetrotter

Hallo! Wir sind die Mini Globetrotter - eine 4-köpfige Familie, die es sich in Andalusien bequem gemacht hat. Wir glauben ganz fest daran, dass Reisen mit Kindern nicht nur machbar, sondern wichtig ist. Von unserer Basis in Málaga aus erkunden wir die Welt – von Australien über den Südpazifik bis nach Europa. Lasst euch inspirieren und plant euren nächsten Familienurlaub mit uns!

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