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Blick auf die Bergwelt der Alpujarras

Auf Kaninchenjagd in den Alpujarras – eine kulinarische Reise

  |   Spanien   |   No comment

Vor vielen, vielen Jahren besuchten mein Mann und ich ein kleines spanisches Dorf in den Bergen. Es war ein schöner Tag gewesen – still und entspannt, voller Abenteuer und neuen Erfahrungen. Zum Mittagessen suchten wir ein kleines Restaurant mit Terrasse auf. Wir bestellten Gerichte von der Karte, typische Spezialitäten, von denen wir noch nie zuvor gehört hatten. Wir liebten die Andersartigkeit und die Neuheit, wir sehnten uns nach Authentizität.

Mein Gericht damals war ein Kanincheneintopf nach andalusischem Rezept. Das Fleisch war in mundgerechte Häppchen zerteilt worden, komplett mit Knochen und Bindegewebe. Einfach alles zusammengeworfen in einen einzigen Topf, vermengt mit jeder Menge Knoblauch und Thymian. Leber, Herz und Nieren waren auch dabei und gaben dem Eintopf einen zusätzlichen Geschmackskick. Insgesamt ein herrlich rustikales, simples Gericht, voller natürlicher Geschmacksnoten und Aromen.

So gut, dass ich selbst 15 Jahre später immer noch daran denken musste.

Glücklicherweise ist Andalusien jetzt seit einigen Wochen unser Zuhause. Natürlich konnten wir da nicht lange warten und mussten schnell in die Gegend zurückkehren. Wir suchten eine Wiederholung des gleichen Erlebnisses. Eine Jagd nach dem Kaninchen und unser Versuch, diesen Moment schlichter Authentizität noch einmal zu erhaschen.

Pampaneira ist ein typisches weißes Dorf

Pampaneira ist ein typisches weißes Dorf

Die Alpujarras: Kulinarische Erlebnisse in Abgeschiedenheit kultiviert

Von der Urlaubsküste Costa del Sol aus fahren wir mit dem Auto in eine andalusische Region, die vor allem für ihren ländlichen und rückständigen Charakter bekannt ist, die Alpujarras. Eine raue Bergregion, vom Regen begünstigt. Mit fruchtbaren Abhängen und Terrassen, auf denen Zitrus, Oliven und Wein stehen. Dies ist Andalusien von seiner schönsten Seite: weiße Dörfer, die sich an die steilen Berhänge schmiegen, so eng aneinander gebaut, dass es beinah kein Durchkommen gibt. Jahrhunderte alte Siedlungen, von der Zeit unberührt, voll rustikalem Charme und einzigartigem Charakter.

Einst war dies der letzte Rückzugsort der Mauren zur Zeit der Reconquista. Ihre Erbauer waren Berber, die ihr neues Zuhause genauso erbauten, wie sie es aus dem Hochland Marokkos kannten.

Die Rückständigkeit der Dörfer in den Alpujarras ist nicht nur darin begründet, dass die Menschen hier in einem bergigen Terrain leben, oder dass brauchbare Straßen erst relativ spät die Dörfer mit der Zivilisation der Großstädte verbunden haben. Diese Region hat auch reichlich Konflikt miterleben müssen.

Während des spanischen Bürgerkriegs und darüberhinaus bewies sich das raue Land als schwer zu kontrollieren. Die Berge waren perfekt für Rebellen und Guerillas. Oftmals waren die Zivilisten und Bergbauern dabei unschuldige Opfer in einem erbitterten Kampf um großpolitische Interessen.

Bunte Blumen vor weißem Grund

Bunte Blumen vor weißem Grund in den andalusischen Alpujarras.

Ein Tag in Pampaneira

Als wir so die engen Gassen von Pampaneira erkunden, einige davon so steil, dass wir uns an den Häuserwänden entlanghangeln müssen, werden wir allerorten an diese längst vergangenen Zeiten erinnert. Zwar gibt es hier in Pampaneira schon eine Art sanften Tourismus, aber insgesamt sind die Straßen ausgesprochen ruhig. Auch wenn der Marktplatz neben der Kirche voll ist mit Fremden, die die farbenfrohen Andenkenläden erkunden oder unter den großzügigen Schirmen im Schatten einen Kaffee genießen, wir entdecken nur wenige Straßen weiter eine andere Seite dieses Ortes. Im Großen und Ganzen bleibt Pampaneira unberührt von den Einflüssen fremder Besucher.

Die Ilusion ist beinah perfekt. Der fröhlich plätschernde Bach, dem die Dorfbewohner in der Mitte des Weges ein Bett gebaut haben. Die flatternde Wäsche an den Wäscheleinen. Die vielen schlichten Tontöpfe voll überquellender Blumen, die herrlichen Bergpanoramen, die wir über die Dächer und Schornsteine des Dorfes hinweg erhaschen können.

Durch Zufall stolpern wir über eine jetzt ausgediente öffentliche Wäscherei, wo früher das kühle Bergwasser in breite Tröge für die Handwäsche umgeleitet wurde.

Kurze Impressionen eines Landlebens, scheinbar simpel und ruhig.

Jedoch – wir dürfen nicht vergessen, dass wir hier sind für eine ganz besondere, kulinarische Aufgabe. Wir wollen die Alpujarras mit unserem Gaumen erkunden. Denn diese Gegend ist weltberühmt für viele herrliche Kostbarkeiten, wie zum Beispiel dem wunderbaren Serrano-Schinken. Wir betreten ein lokales Delikatessengeschäft und der Anblick lässt unsere Herzen höher schlagen: Chorizo und Pata Negra, Wildblumenhonig und kleine runde Käse, herrlich würzig und mit trockenen Bergkräutern veredelt.

Nebenher bewundern wir auch noch die im Dorf gewebten Teppiche und Decken, einige mit ländlichen Szenen als Motiv. In einem Zimmer im Obergeschoss eines Geschäftes sehen wir einen riesigen Webstuhl im Einsatz.

Bunte Teppiche und Decken zählen zu typischen Mitbringseln der Region.

Bunte Teppiche und Decken zählen zu typischen Mitbringseln der Region.

Wir spüren das Kaninchen auf

Irgendwo dann, tief vergraben im Labyrinth der Straßen von Pampaneira, finden wir ein kleines Restaurant mit nur vier Tischen davor. Wir bestellen typische Gerichte von der Karte. Eines davon ist ein gegrilltes Kaninchen mit einer fantastischen Kruste und jeder Menge Würze. Es kommt mit so genannten Arme-Leute-Kartoffeln. Das sind dicke Scheiben von in Olivenöl gekochten Kartoffeln, angereichert mit süßen Zwiebeln und Streifen von grüner Paprika.

Wir bestellen außerdem einen Knoblauch-Mandel-Eintopf aus Zicklein. Genauso wie unser Kaninchen vor vielen, vielen Jahren kommt es in einer dicken, öligen Sauce. Es ist feingehackt in kleine Stückchen, Fleisch und Knochen immer noch miteinander verbunden. Mittendrin finden sich auch Innereien, die dem Gericht eine herrliche Tiefe geben.

Wir schmausen mit einem Stück Brot in der Hand, so wie es die Spanier tun, und tunken das frische, weiche Brot in die würzige Sauce.

Eintopf aus Zicklein mit seinen Innereien.

Knoblauch-Mandel-Eintopf aus Zicklein mit seinen Innereien.

Von unseren Sitzplätzen auf der Terrasse aus können wir entspannt das Dorfleben beobachten. Die Katzen aus der Nachbarschaft kommen vorbei und leisten uns Gesellschaft. Kinder aus der Dorfschule eilen heim für die Mittagspause. Reisende wie wir erkunden die einsamen Straßen.

Letztlich haben wir wieder einmal gefunden, wonach wir gesucht haben. Eine perfekte Mahlzeit im ländlichen Umfeld der Alpujarras. Auf unserer Suche nach authentischen Erlebnissen haben wir ein zweites Mal ein schlichtes Verwöhnerlebnis gefunden, fernab vom alltäglichen Einerlei und den Verlockungen der Großkonzerne.

Die Alpujarras und das Dorf Pampaneira im Besonderen zählen auch weiterhin zu unseren Lieblingsdestinationen in Andalusien. Auch wenn die Zeiger der Uhr hier vielleicht ein wenig langsamer ticken. Der sanfte Tourismus, der hier Fuß gefasst hat, bewahrt glücklicherweise die unvergleichliche Ursprünglichkeit dieser Bergdörfer. Wir kommen zurück, das ist gewiss.

So besucht ihr Pampaneira:

Nehmt von der andalusischen Küste aus einen Mietwagen und fahrt auf der A-346 in Richtung Alpujarras. Westlich von Málaga beträgt die Fahrtzeit ca. 2-2,5 Stunden, östlich von Málaga sind es ca. 1,5 Stunden. Wir speisten im Restaurante Mesón Rural Alberto und bezahlten pro Gericht zwischen 9 und 14 Euro. Vor Anfahrt unbedingt Wetterbedingungen prüfen, denn auch in Spanien kann es schneien! Ein beliebtes kleines Hotel in Pampaneira ist zum Beispiel das Hotel Estrella de las Nieves mit Pool und herrlichem Ausblick auf das Tal – hier klicken zum Preisvergleich (Affiliate Link).

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AUTHOR - miniglobetrotter

Hallo! Wir sind die Mini Globetrotter - eine 4-köpfige Familie, die es sich in Andalusien bequem gemacht hat. Wir glauben ganz fest daran, dass Reisen mit Kindern nicht nur machbar, sondern wichtig ist. Von unserer Basis in Málaga aus erkunden wir die Welt – von Australien über den Südpazifik bis nach Europa. Lasst euch inspirieren und plant euren nächsten Familienurlaub mit uns!

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